📌Kundgebung vor der Uniklinik KölnDas Komitee „Weg mit dem Paragraphen 129“ hat am 15.08.23 die „Nazipraktiken“ der Uniklinik Köln protestiert.

Ihre ErklÀrung zu der Kundgebung:
Am 15.August haben wir um 18 Uhr eine Protestkundgebung vor dem HauptgebĂ€ude der Uniklinik Köln durchgefĂŒhrt. Dort wollten wir zum einen dagegen protestieren, dass Ihsan Cibelik trotz seiner monatelangen Prostatebeschwerden und seiner möglichen Krebserkrankung in Hand- und Fußfesseln behandelt werden sollte.
Ihsan Cibelik befand sich aufgrund von Prostatabeschwerden in medizinischer Behandlung, als er im Mai 2022 verhaftet wurde und seine Behandlung somit unterbrochen wurde. Er unterrichtete sowohl den Haftrichter, als auch die JVA Köln-Ossendorf, wo er seitdem inhaftiert ist, von diesem Umstand und fordert seitdem eine FortfĂŒhrung seiner Behandlung. Monatelang geschah jedoch gar nichts, sodass Ihsan Cibelik am 5.Prozesstag vor dem OLG DĂŒsseldorf das Gericht auf seinen Zustand aufmerksam machte und dem vorsitzenden Richter sagte, dass er „eine Biopsie, und keine Autopsie“ fordere. Im Gerichtssaal sagte man, die JVA Köln-Ossendorf hĂ€tte die Behandlung von Ihsan Cibelik „vergessen“. Die JVA und die Staatsanwaltschaft, die bei jedem Gefangenenbesuch, bei jedem Brief, bei jeder Postkarte an Ihsan penibel auf jedes noch so kleinste Detail achtet, kann uns nicht erzĂ€hlen, dass man die Behandlung einfach so „vergessen hĂ€tte“. Vielmehr handelt es sich hier um aktive politische Schikane.

Nach 15 Monaten konnte Ihsan Cibelik dann zum ersten Mal in eine Klinik. An HĂ€nden und FĂŒĂŸen an einen Rollstuhl gefesselt wurde Ihsan in die Urologie der Uniklinik Köln verbracht. Dort forderte er, dass die Fesselungen wĂ€hrend der Behandlung abgemacht werden sollen. Als die Sicherheitsbeamten dies ablehnten, wandte sich Ihsan an den behandelnden Arzt und forderte ihn auf, einzuschreiten. Doch auch der Arzt lehnte ab, sodass Ihsan gezwungen war, zwischen seiner MenschenwĂŒrde und seiner Gesundheit zu entscheiden. Ihsan verweigerte diese Erniedrigung und wurde ohne weitere Behandlung in die JVA zurĂŒckgebracht.
#
Um zu fragen, wie die Uniklinik diesen Vorfall bewertet, haben wir die Uniklinik Köln angerufen und haben uns mit der Urologie verbinden lassen. Dort sagte man uns am Telefon, dass man den Patienten zwar kenne, es aber keine Fesseln gegeben habe. Auf die Nachfrage, warum er denn dann die Behandlung abgelehnt habe, die er so sehr gefordert hat, antwortete man uns mit: „Das mĂŒssen Sie ihn fragen.“ Die Uniklinik hat uns schamlos ins Gesicht gelogen, um ihre menschenverachtende Medizinerpraxis auf irgendeine Weise zu verteidigen. Denn wĂ€hrend Staatsanwaltschaft und OLG DĂŒsseldorf diese Maßnahme als notwendig verteidigten, hielt es die Uniklinik Köln fĂŒr richtig, diese Maßnahme zu verleugnen.
Gestern antwortete die Klinik auf Social Media. Sie sagten, dass dies eine richterliche Anweisung sei und man deshalb den Anweisungen gefolgt sei. Man hĂ€tte den Patienten jedoch ĂŒber die Risiken einer Nichtbehandlung aufgeklĂ€rt. Bei unserer Kundgebung haben wir auf diese Schamlosigkeit geantwortet. Auch vor 1945 haben Ärzte und Folterknechte „auf Anweisung“ gehandelt. Auch fĂŒr die Henker in der KZ’s war dies eine gĂ€ngige Form der Legitimierung ihrer Taten. Ein Mediziner ist jedoch eine Person, die den hippokratischen Eid leistet. Mediziner haben eine ethische Verantwortung gegenĂŒber ihren Patienten. Sie haben eine Verantwortung in der Beziehung Arzt-Patient. Und auch ihre Verpflichtung als Mensch besagt, sich gegen Unrecht und WillkĂŒr zur Wehr zu setzen, selbst wenn es eine Anordnung ist. Die behandelnden Ärzte hĂ€tten sich dagegen wehren mĂŒssen, einen schwerkranken Menschen, fĂŒr den zudem die Unschuldsvermutung gilt, an HĂ€nden und FĂŒĂŸen gefesselt zu „behandeln.“ Dies gebietet die Medizinerethik.

Deutschland hat eine dunkle Geschichte wenn es darum geht, Befehle zu befolgen. Mediziner wie Mengele haben in Deutschland ihr Unwesen getrieben. Umso wichtiger ist es, dass Mediziner in diesem geschichtlichen Bewusstsein handeln und sich weigern, solch menschenverachtenden Befehle auszufĂŒhren!
Viele Menschen vor der Klinik, darunter auch viele Angestellte, haben uns aufmerksam zugehört und teilweise ihre Zustimmung bekundet. Unsere Forderungen sind legitim und fĂŒr jeden VerstĂ€ndlich: Die Ärzte, die diese menschenverachtende Praxis verteidigt haben, mĂŒssen sich öffentlich erklĂ€ren. Ihsan Cibelik muss eine menschenwĂŒrdige Behandlung ermöglicht werden!

FREIHEIT FÜR DEN SCHWERKRANKEN IHSAN CIBELIK!
NIEDER MIT ALLEN RELIKTEN DER NAZIZEIT!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!

https://www.facebook.com/wegmitdemnaziparagraphen129/