1. MAI 2013 – Istanbul

1. MAI 2013 – Istanbul

Bericht und Stellungnahme:  

Wir haben den 1. Mai-Platz mit unserem Blut erobert, wir werden ihn mit unserem Blut verteidigen!

Die Inakzeptanz der Regierung gegenüber der Eroberung des 1. Mai-Platzes in Taksim durch den Kampf der Revolutionäre unter Einsatz  ihres Lebens, ist in diesem Jahr zum Vorschein gekommen.

Es hat die AKP noch mehr beunruhigt, dass der 1. Mai-Platz, den die Werktätigen mit ihrem Kampf erobert haben, jedes Jahr voller wird, dass sie nach ihren Rechten suchen und von der Regierung Rechenschaft fordern. Deshalb begann sie auch vor Monaten mit dem „Projekt, Taksim zur Fußgängerzone umzuwandeln“. Das eigentliche Ziel war nicht, die Autos fernzuhalten, sondern die Werktätigen.

Gegen das Vorhaben der Regierung, den ArbeiterInnen Taksim erneut unzugänglich zu machen, erklärten die Revolutionäre und Gewerkschaften, dass es für den 1. Mai keine andere Alternative gäbe als Taksim, und dass sie nach Taksim marschieren werden.

Die Regierung traf erneut  alle „Sicherheits“-Vorkehrungen gegen die Werktätigen. Zum Preis, das Leben lahmzulegen, wurden alle Wege nach Taksim mit Barrikaden versperrt. Die Metro und Metrobusse wurden eingestellt. Es wurde nahezu der Ausnahmezustand in Istanbul verkündet und ein Ausgehverbot verhängt. Aber die Werktätigen haben sich entschlossen. Sie werden am 1. Mai, zu welchem Preis auch immer, nach Taksim marschieren.

Während sich KESK, Türk-IS und einige Parteien in Besiktas versammelten, beschlossen die DISK und revolutionäre Organisationen, mitunter auch die Volksfront, sich in der Halasgargazi Straße in Sisli zu treffen und von dort zu marschieren.

Die Menschen, die sich in Besiktas versammeln wollten, wurden um 7:30 Uhr von der Polizei angegriffen.

Diejenigen, die nach Sisli kommen wollten, wurden bereits auf dem Weg dorthin angegriffen, um sie aufzuhalten. Die Mitglieder der Volksfront, die von Okmeydani zum Treffpunkt kamen, wurden hier von der Polizei angegriffen. Sie schlugen den Angriff zurück, konfrontierten sich mit der Polizei und erreichten schließlich Sisli.

Während sich die Menge in Sisli versammelte, gab zuerst der DISK-Vorsitzende Kani Beko eine Erklärung vor der DISK ab. Er berichtete über die Gespräche im Bezug auf Taksim und sagte, dass die Antwort auf die Worte des Ministerpräsidenten „Die Partei, die 21 Millionen Stimmen erhält, versammelt sich in Kazlicesme. Haltet ihr auch eure Kundgebung dort ab“ lautete „Bei euren Kundgebungen hat niemand auch nur einen Kratzer abbekommen.Wir haben 36 Gefallenene gegeben in Taksim. Für uns ist ein 1. Mai, der nicht in Taksim abgehalten wird, kein 1. Mai“.

Dem Beschluss folgend wurde um 9:00 Uhr mit der Demonstration begonnen. Die Polizisten, die in Osmanbey eine Barrikade errichteten, griffen die Menschenmenge, die nach Taksim marschieren wollte mit Wasserwerfern und Tränengas an. Nach dem Polizeiangriff kam es in den Seitenstraßen von Sisli, in der Umgebung des Cevahir Einkaufszentrums sowie im Bereich des Profilo Einkaufszentrums in Mecidiyeköy zu Auseinandersetzungen. Beim Einsatz von Gasbomben, die direkt auf die Menschenmenge abgefeuert wurden, kam es zu Dutzenden Verletzten.

Die Menge kamen aus den Seitenstraßen und setzten sich mit Steinen und Flaschen gegen die Polizeikräfte zur Wehr. Die Polizei, die an vielen Orten hilflos war, forderte Verstärkung an bzw. wartete sie, bis die Wasserwerfer eintrafen und sie befreiten. Während einige Gasbomben, die von der Polizei in Panik abgeworfen wurden, die Fensterscheiben einiger Häuser zerschlugen, drangen einige davon in die Häuser ein und lösten Brände aus. Außerdem wurden HausbewohnerInnen durch das Tränengas beeinträchtigt.

Bei den stundenlangen Auseinandersetzungen in Sisli riefen die Werktätigen der angreifenden Polizei zu „Wie könnt ihr euren Kindern Brot heimbringen, ihr Würdelosen!“ und sie brachten damit zum Ausdruck, das ihr Beruf unmoralisch ist.

Nach den Auseinandersetzungen in Sisli gingen die Anhänger der Volksfront nach Okmeydani und setzten dort ihre Aktion fort. Auch hier wurde der Angriff der Polizei durch Gasbomben und Wasserwerfer mit Steinen beantwortet.

Nach einer 3 Stunden andauernden Auseinandersetzung wurde die Aktion  freiwillig beendet.

Drei AnhängerInnen der Volksfront, die bei den Auseinandersetzungen verletzt wurden, mussten aufgrund von Gasbomben, die auf ihren Kopf einschlugen, auf der Intensivstation behandelt werden.

Eine der drei Personen, die sich alle in Lebensgefahr befanden, wurde gleich notoperiert.

Die Mitglieder der Volksfront demonstrierten in Okmeydani, um die Angriffe aufzuzeigen. Mit den Parolen „Foltern bedeutet Würdelosigkeit“, „Wir sind das Volk, wir sind im Recht, wir werden siegen“ wurde nach der Demonstration eine Erklärung im Viertel abgehalten. Nach der Erklärung, bei der es hieß „Dutzende unserer Freunde sind verletzt. Die AKP wird dafür Rechenschaft ablegen“, wurde die Aktion mit der Parole „Die volksfeindliche AKP wird vor dem Volk Rechenschaft ablegen“.

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CHD (Vereinigung linker Anwälte) erhob 1. Mai-Anklage

Der zügellose Terror der Herrschenden hat den 1. Mai in Blut getränkt!

Nachdem die Werktätigen den 1. Mai in Taksim feiern wollten, hat die faschistische AKP-Polizei brutal angegriffen. Dutzende Menschen wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

3 Personen haben infolge der Gasbomben der Polizei eine Gehirnblutung erlitten.

Im Zusammenhang mit diesen Angriffen hat die Istanbuler Sektion der Vereinigung Progressiver JuristInnen am 2. Mai eine Aktion vor dem Istanbuler Gericht in Caglayan abgehalten und Strafanzeige erstattet.

Ra. Güray Dag, der sich als erster zu Wort meldete, betonte, das man sich dem AKP-Terror nicht beugen werde. Anschließend ergriff Rechtsanwältin Evrim Deniz Karatana das Wort und erklärte: „In Istanbul wurde regelrecht der Ausnahmezustand ausgerufen. Es wurde versucht, die 1. Mai-Feiern durch staatliche Hand zu verhindern. Hunderter unserer Menschen wurden der Polizeigewalt ausgesetzt und verletzt“. Karatan erklärte weiters: „Der Staatsterror ist kein Einzelfall, Zehntausende, die in Taksim den 1. Mai feiern wollten, sind bewusst zur Zielscheibe gemacht worden und man hat ihr Leben dabei gefährdet“. Sie betonte, dass sich der Gouverneur gegenüber dieser Gewalt wie immer vor der Verantwortung drücken will. Zuletzt sagte Karatana: „Wir von der CHD erklären erneut, dass wir kämpfen werden, damit die Verantwortlichen für alle diese Vorfälle bestraft werden“. Nach einer anschließenden kurzen Rede von Angehörigen der beim 1. Mai verletzten Personen, gingen die AnwältInnen ins Gericht, um Strafanzeige zu erstatten.

Bei der Aktion, an der sich 60 Personen beteiligten, wurde die Parole „Repression kann uns nicht einschüchtern“ gerufen.

Videolink von der Protestaktion:

http://www.dailymotion.com/video/xzjjza_1mayis-chd-sucduyurusu-20130502_news

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