Gisel Dutzi und Ron Augustin zum Tod von Christa Eckes

Gisel Dutzi und Ron Augustin zum Tod von Christa Eckes

Wir dokumentieren hier einen kurzen Text von Ron Augustin und ein Gedicht von Gisel Dutzi zum Tod von Christa Eckes, die Ende Mai gestorben war. Ron Augustin und Gisel Dutzi waren beide Mitglieder in der Roten Armee Fraktion und kannten Christa.

ron:  
 
christa und ich, wir haben uns immer mal wieder verpasst.  als ich sie zum ersten mal treffen sollte, ich illegal sie noch legal, wurde ich auf dem weg zu ihr verhaftet.  kurz danach, im herbst 1973, kam sie dann zur raf aber wurde schon nach einigen monaten selbst verhaftet.  ich habe sie dann nur über unserem gemeinsamen kampf gegen die isolationshaft kennengelernt.      
 
ein satz von ihr dazu war – “unsere kampfkraft ‘erhalten’ wir dadurch, dass wir hier drin den willen nicht aufgeben, was gegen sie in gang zu setzen  – auch deshalb kämpfen wir gegen die isolation.”   
 
als ich 1980 aus dem knast kam, war sie noch drin, und als sie fast zwei jahre später rauskam, war ich wieder woanders. nochmal zwei jahre später war sie schon wieder im knast, zum zweiten mal für acht jahre.   
 
erst vor zehn jahren haben wir uns zum ersten mal zu gesicht bekommen.  was mir seitdem an ihr aufgefallen ist, ist dass sie, von allen die es von uns aus der raf noch so gibt, einer der klarsten köpfe war. christa konnte wie kaum andere in einem gespräch in einem handumdrehen und ganz unerwartet eine komplizierte situation in wenigen sätzen zusammenfassen und politisch auf den begriff bringen.   
 
dass und wie die krankheit in den letzten monaten bei ihr zugeschlagen hat, kann ich immer noch nicht fassen – ihr tod reisst ein riesiges loch in dem was uns, die die mit ihr befreundet gewesen sind, über die jahre verbunden hat.   
 
eine andere konstante bei christa war ihre herzlichkeit. von jeher offen, einfach und grosszügig, zugänglich und ja, immer wieder dieses ununterdrückbare schmunzeln im mundwinkel.  ein lächeln das vielleicht mehr als alles andere ausdrückt, dass sie – in einer welt von materieller und geistiger armut – das vertrauen in unserem kampf um menschlichkeit nie verloren hat.     
 
 
gisel:  
 
christa   
mag schreckliche plastikradlerhosen   
lange wanderungen, in denen sie uns übers feld und durch wald scheuchte,   
sie liebte burgen und andere skurrile dinge   
eiersalat ohne ende   
sie lebte bedingungslose freundschaften   
und sie klagte nie und das ist keine übertreibung!   
wenn sie was falsch erkannte,   
reflektierte,   
konnte sie sehr selbstkritisch sein,   
tabus was diskutiert wird, gab es nicht mehr,   
wir wollten noch viel wegfahren, zeit miteinander verbringen,   
sie war so neugierig auf alles,   
berüchtigt für ihre risikobereitschaft,   
bedingungslos solidarisch, wenn sie gekonnt hätte, am liebsten zur ganzen welt…und manchmal bis zur selbstaufgabe…   
ruppig, bärbeißig, genau, manchmal hart,   
in den letzten monaten ihres lebens bekam sie zu spüren, wie wertgeschätzt sie wurde,   
alle lieben um sie rum,   
da zeigten sich die beziehungen, die sie mit aufgebaut hatte,   
in den letzten monaten weicher, sie konnte jetzt auch nehmen, sich gutes tun lassen…   
in den letzten monaten absolut präsent,   
und  klar und aufrecht ohne illusion über ihre situation.   
diese bestimmend bis zuletzt, wortwörtlich   
   
ich weiss nicht, wie das leben ohne sie jetzt gehen kann…   
ohne kurze anrufe – können wir uns sehen, wann?   
ohne ihre verlässlichkeit, lösungen suchen, anpacken,    
ohne sie

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