Aus einem Brief von Tommy Tank vom 6. 6. 2011

Hallo,
die israelischen Soldaten haben am Wochenende auf einem Hügel die demonstrierenden Palästinenser erschossen, es gab auch viele Verletzte. Israel hält das Gebiet seit Ewigkeiten besetzt.
Ich fand das schockierend, das die Menschen, denen Land weggenommen wurde, die vertrieben wurden von einer Großmacht, letztlich auch noch erschossen werden, weil sie sich auf dem geraubtem Land bewegen. Das Gebiet nennt sich, glaube ich, Golanhügel.

Der Werner hat mir auch selbst noch einmal zurück geschrieben. Er macht einen sehr fitten Eindruck. Es geht ihm moralisch und mental gut. Das ist sehr beruhigend. Immer mehr Menschen draußen interessieren sich wohl auch dafür, was in den Gefängnissen mit dem Essen vor sich geht. Sie sind nun überhaupt erst mal über Missstände informiert. Das ist sehr wichtig. Der Werner wird das schaffen, er ist sehr stark, wie ich meine,  an Hand seiner schriftlichen Beschreibungen.  
Toll ist auch, dass die Menschen ihm Schreibmaterial schicken und er  es von der Anstalt ausgehändigt bekommt. Das ist keine Selbstverständlichkeit.  Allzu oft werden solche „unzulässigen Briefbeilagen“ dem Gefangenen vorenthalten. Die JVA Sehnde geht nun auf Grund der relativ medialen großen Öffentlichkeit sehr vorsichtig, sensibel mit ihm um, damit es bloß nicht noch mehr am Strafvollzug zu beanstanden gibt.

Letztendlich kommt es aber besonders auf den Erfolg Werners darauf an, dass den Gefangenen der Verpflegungssatz ausgezahlt wird, so dass sie sich Lebensmittel selbst beim Anstaltskaufmann besorgen können, ein Stück Normalität zurück bekommen. Selbst kochen, sich selbst etwas zu Essen zu bereiten, ohne das bei der Zubereitung Fäkalien in die Mahlzeiten der Gefangenen gelangen. Die Entschlossenheit Werners lässt mich zu dem Glauben kommen, dass er erfolgreich sein wird.
Weil es hier nur 2 – 3 mal pro Woche Obst und Gemüse in frischen Zustand gibt, habe ich eine entsprechende Anfrage an das Gesundheitsamt gestellt. Die Antwort steht noch aus. Jedenfalls ist der Anstaltsarzt, der die Ernährung, also das Essen der Gefangenen, überwacht, der Meinung, das Obst sei hier ausreichend. Das bezweifele ich sehr stark.

Des weiteren sind mir bei der Betrachtung der Lohnscheine von Mitgefangenen unerhörte Unstimmigkeiten aufgefallen. Wer die Daten auf dem Lohnschein zusammen rechnet, erhält ein höheres Lohnbrutto als auf dem Schein dargestellt. Nachrechnungen haben ergeben, dass die hier wie die Wahnsinnigen abrunden. Das sind Centbeträge im zweistelligen Bereich jeden Monat. Doch es betrifft sämtliche Gefangene, deren Abrechnung mit dem Programm BASIS-Web erfolgt. Zunächst besteht nur der Verdacht der Lohnprellung durch die tageweise Lohnberechnung, die stets zu Abrundungen der Tageslöhne führt. Die Gesamt-Arbeitsstundenzahl, wie auf den Lohnscheinen abgedruckt, findet in den Lohnberechnungen keine Berücksichtigung. Möglicherweise ist  das noch im gesetzlichen Rahmen, ich weiß es nicht genau.
Definitiv falsch jedoch ist die Berechnung der Löhne  für alle die Gefangenen, die Lohnstufe 2 erhalten. Es gibt 5 Lohnstufen. Die Lohnstufe 3 kann als Mittel bezeichnet werden. Der Abstand zur Lohnstufe 2 beträgt laut Strafvollzugsvergütung 12 %. In der JVA Torgau wird bei der Lohnberechnung durch Rundung aber ein größer Abstand als diese 12 % vom Mittel erreicht. Das sind je Monat und Gefangener wieder mehrere Cent, die den Gefangenen auf Grund der Berechnungsmethode verloren gehen.

Ich habe mich mit dieser Auffälligkeit erst mal an den Petitonsausschuss gewandt, denen das akribisch dargelegt, was hier falsch läuft. Es müssten nun erst mal mindestens 4 Wochen abgewartet werden, bis eine erste Stellungsnahme des sächsischen Justizministeriums eingeht.
Es muss sich aber auch mal vorgestellt werden, dass es praktisch niemanden gibt, mit dem solche Probleme besprochen werden können Der JVA wird weder vertraut, noch wird eine Kooperation angestrebt. Die Gefangenen sind  einfach nur froh, das sie überhaupt Geld erhalten und einer ist auch der  Meinung, dass es nur ein paar Cent sind, die ihm fehlen. Darauf sei geschissen, das interessiere ihn nicht. Entmutigt mich jetzt aber auch kein bisschen, die Sache weiter zu verfolgen,  auch wenn ich selbst nur Taschengeld erhalte. Denn Lohnprellung ist eine ganz schlimme Sache der Herrschenden…
Zur Sauerei der JVA Torgau und des SMJ bzgl. der Entkleidung der Gefangenen vor einem Besuch und dem Abbruch des Besuchs bei einem Toilettengang, was von dem Gericht im Eilverfahren aufgehoben wurde, weil es rechtswidrig wäre, wollte ich was schreiben, doch ich kam noch nicht dazu.  Das ist eine Menge Stoff schon wieder, doch ich möchte das näher dokumentieren, was die sich alles einfallen lassen, diese Henkersknechte, um Konsumenten und Nichtkonsumenten illegalisierter Drogen unnötigen Kontrollen  und Verboten zu unterwerfen.

Es sind nicht nur die Halunken, viel mehr sind es doch die Herrscher, die Unterdrücker, die Regierenden, die Figuren im Justizministerium, die sich solche wahnsinnigen Ideen einfallen und sie dann durchführen lassen.

Alles Liebe und bis bald wünscht Tommy aus der JVA Torgau

Related Posts

AKW Brokdorf: endlich Stilllegung – gut so!

AKW Brokdorf: endlich Stilllegung – gut so!

Schwerer Schlag gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia

Schwerer Schlag gegen die FARC-EP, Zweites Marquetalia

Young Struggle im Visier der Repression

Young Struggle im Visier der Repression

Writing on the Wall – Lesung zu Mumias 40. Haftjahrestag

Writing on the Wall – Lesung zu Mumias 40. Haftjahrestag

Newsletter

Interesse?
Möchtet ihr über neue Artikel informiert werden oder erfahren wann die nächste Veranstaltung in eurer Gegend stattfindet? Dann meldet euch bei unserem newsletter mit eurer E-mail-Adresse an!