Birsen Kars in Stuttgart verabschiedet

Birsen Kars in Stuttgart verabschiedet

In Stuttgart haben Weggefährt:innen Abschied von der verstorbenen Revolutionärin Birsen Kars genommen. Die Überlebende des Gefängnismassakers vom 19. Dezember 2000 wird in Istanbul beigesetzt.

Die am Sonntag in Stuttgart verstorbene Revolutionärin Birsen Kars wird in Istanbul beigesetzt. Im Volkskulturhaus Stuttgart hat eine Abschiedsfeier stattgefunden, an der Aktivistinnen des Sozialistischen Frauenverbands SKB und weitere Organisationen aus der Türkei und Kurdistan teilnahmen. Nach einem kurzen Trauerzug wurde im Kulturhaus eine Gedenkminute abgehalten. In einer Ansprache im Namen der „Volksfront“ hieß es: „Die Mörder von Genossin Birsen sind der Kapitalismus und der Imperialismus.“

Der Sarg mit dem Leichnam von Birsen Kars wurde mit Parolenrufen nach Istanbul verabschiedet. Dort soll im alevitischen Gemeindehaus in Gazi eine Trauerfeier mit anschließender Beisetzung stattfinden.

Birsen Kars ist im Alter von 51 Jahren an Krebs gestorben. Sie war Überlebende der „Operation Rückkehr ins Leben“. Unter diesem zynischen Namen verübte der türkische Staat am 19. Dezember 2000 ein Massaker an politischen Gefangenen, um den Widerstand gegen die Einführung von Isolationshaft zu zerschlagen. Birsen Kars wurde zum Symbol des Massakers. Unvergessen sind ihre Worte „Wir waren zu sechst, als das Feuer gelegt wurde. Sechs Frauen. Sie haben uns bei lebendigem Leib verbrannt“, die sich tief in das kollektive Bewusstsein der Linken in der Türkei eingebrannt haben.

Verhaftet wurde Birsen Kars 1992 als Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens an der Universität Istanbul. Die damals 21-Jährige hatte an einer „illegalen Demonstration“ teilgenommen und war wegen „Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation“ zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Beim Gefängnismassaker wurde sie schwer verletzt und erlitt großflächige und tief gehende Verbrennungen an Kopf, Händen und Rücken. Fünf Monate lag sie im Krankenhaus, wurde in dieser Zeit acht Mal operiert. Auch nach ihrer Entlassung musste die Behandlung jahrelang fortgesetzt werden.

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