Brief von Werner Braeuner vom 23 Juni 2011

Einen Salut aus dem Knast, dem innersten Heiligtum von Staat, Sozialdemokratie/Lohnarbeit und Kapital an die Soligruppe Berlin und an die in weiteren Städten solidarischen GenossInnen, FreundInnen und UnterstützerInnen – Knastkampf ist Klassenkampf, Klassenkampf ist Leben!

Gesundheitsbericht

Die ärztliche Untersuchung wurde auf heute, 23.6., um einen Tag vorgezogen. Nächste Untersuchung voraussichtlich erst am Montag, 4.7., da der Arzt zwischenzeitlich außer Hauses sein wird. Wiegen heute ergab 63,4 kg (-2,1 kg in 6 Tagen); Blutdruck 120/90; Puls 80, regelmäßig. Gesamter Gewichtsverlust seit dem 8.Mai ist 19,4 kg. Urin-Schnelltest unauffällig, auch heute kein erhöhter Ketonwert. Sonstiger Allgemeinzustand wie im HS-Berichtsbrief 5. Dr. Windelboth nennt den bisherigen Gewichtsverlauf rapide, er sei mir nun deutlich anzusehen.

Allgemeines

Ist der Hungerstreik mutwillig?

Aufgrund des im Februar handfest gewordenen unüberwindlichen Ekels gegen von der Knastküche  zubereitete Speisen und weil die zum Abendbrot gereichten fabrikverpackten oder abwaschbaren frischen Nahrungsmittel bei weitem nicht zur Ernährung ausreichen, hätte ich ohne den HS in den noch verleibenden 24 Monaten Haft still, leise und langsam immer schärfer auszehren müssen; durch Mangelernährung würde ich zum Entlassungstermin im Februar 2013 absehbar an Leib und Seele krank geworden sein. Daher ist es folgerichtig gewesen, in den Angriff zu gehen, der HS war alternativlos.

Zwar ist durch den HS meine Gesundheit ebenfalls auf dem Spiele stehend. Doch hungere ich nun nicht langsam, still und leise, sondern öffentlich sichtbar, laut und vernehmlich – und habe so eine allerletzte Chance, meine Gesundheit gegen die Angriffe des Knasts zu verteidigen.
Wohlgemerkt handelte es sich um einen direkten und kriminellen politischen Angriff, wie ich im Interview von www.radioflora.de am 7.6.2011 näher im einzelnen erläutert habe (regelwidrige Essensausgabe).
Der Satz, Angriff sei die beste Verteidigung, trifft mit Blick auf den HS mehr als zu: Angriff ist hier letzte Verteidigung! Ein Abbruch des HS wäre folglich selbstmörderisch!

Wie lange will das Ministerium der Justiz des Landes Niedersachsen mich noch hungern lassen und meine Gesundheit gefährden? In der vergangenen Woche ist ein Backenzahn zerbrochen; was soll als nächstes kaputtgehen – die Nieren, die Bauchspeicheldrüse, vielleicht das Herz?! Ich bin nun 47 Tage ohne Nahrung, Sonntag beginnt die 8. Hungerwoche. Da ich den HS aus zwingenden Gründen nicht durch Abbruch beenden kann: Wer ist nun am Zug?

Ein Justizminister ist nicht für das Verhalten von dessen Bediensteten verantwortlich. Er hat allerdings eine sich aus Fehlverhalten in seinem Verantwortungsbereich ergebende Gefähdung von Gesundheit und Leben eines Menschen abzuwenden: Der Minister ist am Zug.

Mobilisierung

Den GenossInnen aus Hannover, die zu einer Protest-Kundgebung voraussichtlich am Dienstag, dem 28.6., vor dem Justizministerium mobilisieren, einen Dank mit aller Herzlichkeit für die kämpferische proletarische Solidarität! VENCEREMOS!

ProletarierInnen sind zum Siegen verdammt, der Klassenkampf macht daraus Segen – ex nihilo plentitudines, aus dem Nichts Fülle !

Wir sind das Proletariat!

Werner [Pfeil und Bogen]

P.S. an Soligruppe: Ihr seid tapfer, ich danke Euch allen sehr!

[Ende HS-Berichtsbrief 6]

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