Festnahme von Unterstützer_innen der Hausbesetzung in Manheim

Festnahme von Unterstützer_innen der Hausbesetzung in Manheim

Nachdem den Teilnehmer_innen des diesjährigen Klimacamps das Recht auf öffentliche Meinungs,- und Versammlungsfreiheit verwehrt wurde, besetzen mehrere Umweltaktivist_innen ein leerstehendes Haus in Manheim. Ein Dorf, das mit der Ausweitung des Tagesbaus bis 2017 abgebaggert werden soll.

Die Umsiedlung hat bereits begonnen, obwohl es noch keine Genehmigung für das Abbaggern des Dorfes gibt. Ziel der Hausbesetzung ist es, dies aufzuzeigen und auf die hier vorherrschenden repressiven Strukturen gegenüber dem Klimacamp aufmerksam zu machen. Das Klimacamp braucht mehr Platz!

Die Forderung der  Menschen auf dem Dach des besetzten Hauses ist: „Wir werden erst runter kommen, wenn das Klimacamp seine Zelte auf der Obstwiese stellen kann!“

15:55 Uhr: Es wird gefeiert, gesungen, gelacht und getanzt am Straßenende der Esperantostraße in Kerpen-Manheim. Zwei Clowns sitzen gemeinsam auf der Straße und zeigen sich gegenseitig neue Tricks mit ihren Wunderkugeln. Die Klimacampaktivist_Innen zeigen, dass sie sich von den Repressionen nicht unterkriegen lassen, sondern aufstehen und für Autonomie kämpfen. Die Hausbesetzung ist ein wichtiges und richtiges Zeichen. Daher freuen sich die auf der Straße wartenden Menschen umso mehr, dass die Umweltaktivist_Innen bereits seit mehreren Stunden auf dem Dach eines Hauses ausharren. Die Forderung ist klar: Wir bleiben so lange, bis Polizei und Gemeindeverwaltung uns erlauben, das Klimacamp auf der öffentlichen Obstwiese aufzubauen.

16:00 unerwartet entsteht ein Tumult in den Reihen der Polizei. Etwa 10 Polizist_Innen stürmen von hinten aus ihren Reihen und drücken einen der spielenden Clowns gewalttätig zu Boden. Sofort kommen sämtliche Aktivist_Innen, um dem Menschen zu helfen. Doch sofort hallen mehrere „Verpisst euch!“ „Haut endlich ab!“ begleitet von Schlägen durch die Straße. Die Polizeieinheit schubst zahlreiche Menschen, greift andere hart an den Armen und drückt weitere Menschen zu Boden. Dabei wird eine Person auf ein auf der Straße liegendes Fahrrad geschubst, weshalb sie sich an Armen und Rücken verletzt. Währenddessen wird der Clown von drei Polizist_Innen in den Schwitzkasten genommen und abgeführt. Von weitem können die Unterstützer_Innen erkennen, dass ihm mit Kabelbinder die Hände gefesselt werden und er schnell in einen Einsatzwagen gezwängt wird. Keine_r_m Aktivist_Innen war der Beweggrund und der Anlass bewusst. Diese gewaltsame Festnahme diente scheinbar rein der Provokation und dem „Frust ablassen“ der genervten Polizist_Innen.

Im Laufe des Tages hatte der Clown immer wieder mit Spielzeug Auto, Kreide oder einem Playmobil-Polizei-Menschen herum gealbert. Wird also ein Mensch festgenommen, weil er auf der Straße mit Spielzeug spielte?! -Anscheinend schon.

Dennoch verharren die Aktivist_Innen weiterhin voller Energie und Tatendrang auf dem Dach. Regen und Repression aushaltend, sitzen die ewig Gefilmten in der Höhe und geben nicht auf zu kämpfen.

18:00 Die Reclaim Power Tour kommt vorbei! Auf dem Weg zum Camp kommen dutzende RadlerInnen der Bike Tour am Haus vorbei und bleiben unterstützend vor Ort.

19:00 Die Aktivist_Innen haben Hunger und es regnet weiter. Die Polizei verhindert jegliche Unterstützung in Form von Essen oder Decken. Sie reagiert gewalttätig und versucht Hilfe zu unterbinden. Dennoch bleibt die Stimmung auf der Straße gut. Zahlreiche Menschen solidarisieren sich kreativ und lautstark, Kohlegegner_Innen tanzen weiter auf der Esperantostraße!

19:30 Eine neue Hundertschaft rückt an und beginnt die Esperantostraße weiträumiger abzusperren. Die Polizei versucht die Unterstützer_ Innen aus der Sichtweite der Besetzung zu drängen. Geschlossen und aggressiv gehen die Polizist_Innen gegen die friedlichen Menschen vor. Besonders die Samba Gruppe wird Opfer von Übergriffen seitens der Polizei. Einige kommen zu fall oder verletzen sich sogar. Ohne jeglichen Anlass scheinen die Beamt_Innen ihren Frust an den Protestierenden raus zu lassen. Die Polizei schubst, schlägt und geht brutal vor.

21.30 Die Leute auf dem Dach sind immer noch dort. Die Polizei hat viel mehr Polizei zusammen gezogen. Auf der Straße davor sind zahlreiche Unterstützer_innen. Eine Hebebühne von RWE wird heran geschafft, um an die Besetzenden zu kommen. Die Einsatzleitung lehnt immer noch jede Unterstützung in Form von Essen ab. Deren Begründung ist, dass die Besetzenden einfach vom Dach kommen sollten, um etwas zu essen zu erhalten. Die ist offenkundig rechtswiedrig!

22:00 Es gibt Polizeiketten, die das Grundstück absperren. Die Hebebühne ist vor das Haus gefahren worden und ist einsatzbereit. Die Räumung scheint näher zu rücken. Circa 60 Menschen befinden sich auf der Straße. Die Vokü / Küfa versucht auch die Besetzung mit Essen zu versorgen. Dies wird weiterhin von Seiten der Polizei untersagt. Die Anwohner_Innen schauen dem ganzen Vorgang zu und diskutieren das Gesehene. Auch hier scheinen die Meinungen über die Besetzung weit auseinander zu gehen.

Es ist schwer zu sehen, was genau in dem Haus passiert, da die Polizei versucht jeglichen Blickkontakt zu unterbinden. So wird es unmöglich Fotos zu machen oder die drohende Räumung zu dokumentieren. Die Öffentlichkeit wird gezielt ausgeschlossen.

Es ist dringend notwendig mehr Aufmerksamkeit der Presse zu erhalten. Nur so können wir den Forderungen und Botschaften der Aktivist_Innen ein größeres Gehör verschaffen: Ein Camp, dass sich für den sofortigen Kohleausstieg einsetzt braucht Raum und Platz! Protest und Widerstand ist unser Recht und notwendig! SYSTEM CHANGE. NOT CLIMATE CHANGE.

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