Flüchtlinge von türkischen Soldaten erschossen

Flüchtlinge von türkischen Soldaten erschossen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte am Dienstag Augenzeugenberichte, wonach an der türkisch-syrischen Grenze in den Monaten März und April mindestens fünf Menschen von türkischen Grenzsoldaten erschossen oder zu Tode geprügelt wurden, darunter ein 15-jähriger Junge. Vierzehn weitere Personen wurden dem Bericht nach durch Schüsse oder Schläge schwer verletzt.

 

Die Europäische Union und auch die Bundesregierung haben den Bericht, der die gezielte Tötung von syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen und Schleusern nahelegt, bislang totgeschwiegen. Während sie bei der Frage der Visafreiheit für türkische Staatsbürger auf eine Änderung der türkischen Anti-Terror-Gesetze beharren, lassen sie Präsident Recep Tayyip Erdogan beim menschenverachtenden Umgang mit Flüchtlingen freie Hand.

Als die AfD im Januar forderte, dass Grenzschützer auf Flüchtlinge schießen, empörten sich Vertreter der Bundesregierung. Doch der Bericht von Human Rights Watch legt nahe, dass die Türkei den Schießbefehl gegen Flüchtlinge praktisch im Auftrag der EU eingeführt hat.
Human Rights Watch zufolge wurde in der Nacht zum 15. April nahe dem syrischen Grenzort al-Duriya eine Gruppe von sieben Flüchtlingen von türkischen Grenzsoldaten unter Beschuss genommen. Ein 13-jähriger Teenager musste dabei mit ansehen, wie sein 15-jähriger Cousin im Kugelhagel starb.
Er berichtete Human Rights Watch: „Wir waren in einem Tal namens al-Nabua. Ich weiß nicht, ob wir schon auf türkischem Territorium waren, aber plötzlich kamen Schüsse. Mein Cousin fiel zu Boden. Er wurde in den Kopf geschossen. Ich war direkt neben ihm. Kugeln flogen überall um uns herum. Wir warfen uns auf den Boden. Stunden später hörte das Schießen auf und wir entkamen.“
Der Kommandeur der dortigen Grenztruppe sagte später einem weiteren Cousin, der die Leiche abholen wollte: „Jeder, der sich der Grenze nähert, wird erschossen.“

Nur zwei Tage später, am 17. April, wurden beim Grenzübergang Khurbat al-Juz Güvecci zwei Flüchtlinge erschossen und vier weitere schwer verletzt. Ein Überlebender berichtete, wie seine Schwester und sein Cousin getötet wurden.
„Als wir noch ungefähr 500 Meter von der Grenzmauer entfernt waren, hörten wir plötzlich Maschinengewehrfeuer. Es kam von der Mauer und Kugeln waren überall. Die Frauen schrien und die Kinder begannen zu weinen, aber die Schüsse stoppten nicht. Wir warfen uns auf den Boden und schützten die Kinder. Ich lag nahe bei meiner Schwester und meinem Cousin, als sie von Kugeln getroffen wurden. Sie hörten auf zu schreien und zu rufen, und ich wusste sofort, dass sie getötet worden waren.“

In dem Bericht werden noch weitere Fälle von Schüssen auf Flüchtlinge, Schlägen und Misshandlungen genannt. Bereits im März listete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehrere Fälle von Gewaltanwendung türkischer Soldaten und Grenzschützer gegen Flüchtlinge auf. Die Menschenrechtsorganisation sprach damals von bis zu 16 Flüchtlingen, die an der syrisch-türkischen Grenze in den Monaten zuvor erschossen worden seien.

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