Frankreich: Anklagebehörde in Paris will Prozess in Tarnac-Affäre

Frankreich: Anklagebehörde in Paris will Prozess in Tarnac-Affäre

Staatsanwaltschaft von Paris fordert Prozess in der Tarnac-Affäre.
Im Verfahren gegen die „Tarnac-Gruppe“, der Sabotage mit Hakenkrallen an Eisenbahnlinien des TGV vorgeworfen wurden, fordert die Staatsanwaltschaft von Paris nun einen Strafprozess gegen acht libertäre AktivistInnen, darunter Julien und Yldune und Gabrielle. Über sieben Jahre nach einer bewegten und viel diskutierten Ermittlung haben einige französische Zeitungen nun Einblick in die Anklageunterlagen nehmen können. Im November 2008 waren zehn AktivistInnen aus dem kleinen Dorf Tarnac in der Corrèze festgenommen unter dem Vorwurf krimineller und terroristischer Vereinigung.

 

Polizei und Nachrichtendienst verdächtigten sie, an einer Reihe von Anschlägen auf Hochgeschwindigkeitszüge in den Nächten vom 25. auf den 26. Oktober und 7. auf den 8. November 2008 beteiligt gewesen zu sein. Zum letzteren Zeitpunkt rollte hoch radioaktiver Atommüll in Castortransporten unter viel Protesten und Widerstandsaktionen von Frankreich nach Gorleben.

Die Ermittlungen und Untersuchungen in diesem Verfahren sind in Frankreich heiß diskutiert worden. Besonders die Methoden der damals recht neu gegründete Polizei- und Antiterrorismusbehörde DCRI, die eine neue anarcho-autonome Bewegung festgestellt zu haben glaubte, sind in der französischen Öffentlichkeit viel kritisiert und hinterfragt worden.
Nicht zuletzt das Auffliegen des britischen Spitzels Mark Kennedy im Oktober 2010 warf mehr Fragen als Antworten auf.

Mark Kennedy: der Maulwurf von Tarnac. https://linksunten.indymedia.org/en/node/57482
Spitzel-Affäre um Mark Kennedy erreicht Frankreich: https://linksunten.indymedia.org/en/node/108706
Wenn die zuständige Richterin für Terrorismus-Verfahren diesen Ausführungen folgt, sollen nur drei der damaligen Beschuldigten wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung und Mitgliedschaft in einer kriminellen vereinigung im Zusammenhang mit einem terroristischem Vorhaben angeklagt werden, so eine Quelle aus Justitzkreisen.
 Auf die Vorwürfe können bis zu zehn Jahren Gefängnis stehen. Nach einem Doukment, in das die zeitung L’Express Einblick nehmen konnte, betreffen die Anschuldigungenvor allem die beiden Haupt-ProtagonistInnen Julien und Yldune.
 Die Anklagebehörde drängt darauf, die Beschuldigung des Rädelführertums und des Organisierens einer terroristischen Gruppe, dass ursprünglich gegen Julien Coupat in Betracht gezogen worden war, fallen zu lassen. Wegen dieser Vorwürfe hatte Julien mehr als sechs Monate Untersuchungshaft gesessen. Darauf können in Frankreich bis zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe stehen.

Die Behörden sehen Julien demnach inzwischen nicht mehr als Anführer und „Befehlshaber“, aber als einen Akteur in der Gruppe. Er soll auch an einer Sabotage in Vigny in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 2008 beteiligt gewesen sein. Diese Aktion soll er zusammen mit Gabrielle begangen haben.

Im Gegenzug stellt die Anklage die Geringfügigkeit der Vorwürfe gegen sieben andere aus der Tarnac-Gruppe fest, die in der Nacht vom 7. auf den 8. November 2008 in Polizeikontrollen festgestellt worden waren. Hier liegen aus Sicht der Behörden nur kleinere Delikte vor: Diebstahl, versuchte Dokumentenfälschung und Weigerung, sich DNA-Entnahmen zu unterziehen.

Die Verteidigung hat auf verschiedene Widersprüche und Inkohärenzen hingewiesen, die während der Beschattung von Julien und Yldune in der Nacht der Sabotage auffielen.

 Ob und wann ein Prozess stattfindet, ist noch nicht entschieden. Es liegt in der Hand der zuständigen Ermittlungsrichterin Jeanne Duyé, wer angeklagt wird und wer nicht. Diese wird für den Herbst erwartet – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Zuständigkeiten in der Anklagebehörde verändern werden.

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