Griechenland: Hunderte im Hungerstreik

Migranten fordern kein Asyl, sondern die Legalisierung aller in Griechenland lebenden Einwanderer

Als »historisches Ereignis« hat Nikos Giannopoulos von der Initiative »Solidarität« den gemeinsamen Hungerstreik von knapp 300 Migranten in Griechenland bezeichnet, der am gestrigen Dienstag begonnen hat. Die meist aus Nordafrika stammenden jungen Arbeitsmigranten erläutern in ihrer Streikerklärung, sie seien »vertrieben von Armut, Arbeitslosigkeit, Kriegen und Diktaturen« nach Griechenland gekommen. »Die multinationalen Konzerne des Westens und ihre politischen Handlanger in unseren Heimatländern haben uns keine andere Wahl gelassen, als unzählige Male unser Leben zu riskieren, um an Europas Pforte zu gelangen. Der Westen, der unsere Länder ausplündert, ist mit seinem unvergleichlich höheren Lebensstandard für uns die einzige Hoffnung, wie Menschen zu leben.« Die Streikenden fordern die Legalisierung aller in Griechenland lebenden und arbeitenden Migranten. Dazu sind sie bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen: »Wir sind entschlossen, entweder mit Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis herauszugehen, oder hier zu sterben«, erläuterte Abdul am Dienstag für die Hungerstreikenden auf einer Pressekonferenz in der juristischen Fakultät der Athener Uni. Dort sind 237 Hungerstreikende untergebracht, weitere 50 befinden sich im Gebäude des Gewerkschaftsverbandes in Thessaloniki. Unter ärztlicher Betreuung nehmen sie seit gestern nur noch Wasser, Tee, Zucker und Vitaminpräparate zu sich. »Innerhalb von drei Wochen wird sich zeigen, ob die Regierung die Forderungen ernst nimmt oder irreparable Gesundheitsschäden riskieren will«, erklärte Giannopoulos.

Bereits am Montag hatte eine Abordnung der Migranten und der Solidaritätsinitiative mit Staatssekretärin Anna Dalara im griechischen Arbeitsministerium gesprochen. Außer dem Versprechen, die Hungerstreikenden zu besuchen, und der Ankündigung, eine in Arbeit befindliche Regelung über eine Aufenthaltserlaubnis für langjährig im Land befindliche Migranten zu forcieren, habe das Gespräch aber keine Ergebnisse gebracht. »Wir setzen auf die Gesellschaft, um den nötigen Druck auf die Regierung aufzubauen«, erläuterte der Sprecher der Initiative die Strategie der Streikenden. Diese riefen jeden, »dem es jetzt wegen der Ausbeutung seines Schweißes schlecht geht«, zur Solidarität auf, damit er nicht »in seiner eigenen Heimat der Lüge und der Ungerechtigkeit, dem Faschismus und der absoluten Herrschaft der politischen und wirtschaftlichen Eliten das Feld« überlasse.

Um den bereits im Vorfeld des Hungerstreiks in den Medien lancierten rassistischen Ressentiments Paroli zu bieten, erinnerte Giannopoulos an Hunderttausende Griechen, die allein im 20. Jahrhundert auf der Suche nach Arbeit ausgewandert seien. Bewegungsfreiheit sei ein Menschenrecht, und die Legalisierung aller Migranten würde der Überausbeutung und dem Lohndumping auch ihrer griechischen Kollegen einen Riegel vorschieben.

Angesichts des derzeit in Griechenland laufenden allgemeinen Angriffs auf die Rechte und Errungenschaften aller Lohnabhängigen sei die Solidarität mit deren schwächstem Glied selbstverständlich, erläuterte Petros Pantamouris von der studentischen Vertretung der Universität die Entscheidung der Mehrheit der Studierendenvertretung, den Hungerstreikenden Uniasyl zu gewähren. Damit reagierte er auf eine Medienkampagne, mit der die Unileitung unter Druck gesetzt wird, die Hungerstreikenden des Hochschulgeländes zu verweisen. Obwohl diese in einem von der Universität ungenutzten und von der Solidaritätsinitiative und Ärzten auf Tauglichkeit geprüften Gebäude untergebracht sind, hieß es seit Montag in zahlreichen Medien, daß durch den Aufenthalt der Flüchtlinge der Lehrbetrieb und die Gesundheit aller Jura-Studierenden gefährdet seien.

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