Hoffnung für Tausende

Hoffnung für Tausende

Mumia Abu-Jamal, seine Anwälte und die Solidaritätsbewegung haben einen wichtigen Erfolg erkämpft
Von Mumia Abu-Jamal, junge Welt 9.1.17

In einem Telefonat mit Prison Radio hatte Abu-Jamal am vorigen Mittwoch zum Thema des von der Pharma­industrie überteuert verkauften DAA-Medikaments (Abk. von »Direct-Acting Antiviral«, ein unmittelbar wirkendes antivirales Mittel) gesagt: »Ärzte sprechen selten von einer ›Heilung‹ von Krankheiten, sondern lediglich von ihrer ›Behandlung‹. Aber jetzt gibt es die neuen Hepatitis-C-Medikamente, die völlige Heilung bewirken! Der Staat Pennsylvania weigert sich jedoch seit Jahren, erkrankten Gefangenen diese Medizin zu verabreichen, es sei denn, sie stehen bereits an der Schwelle zum Tod. Im Graterford-Staatsgefängnis musste ein mit Hepatitis C infizierter puertoricanischer Bruder so lange auf die Genehmigung zum Einsatz des Medikaments warten, dass er gerade noch eine einzige Pille schlucken konnte, bevor er am nächsten Tag starb. Deshalb ist es eine Untertreibung, diese Praxis als verfassungswidrig zu bezeichnen. Das hat nichts mit Medizin zu tun, das ist schiere Geschäftemacherei. Es geht um Profit und nicht um die angemessene Versorgung von Menschen, auf deren Schutz und Wohlergehen Regierungsbeamte einen Eid geleistet haben.« (jh)

Am vergangenen Mittwoch rief ich im Büro meines Zivilanwalts Bret Grote vom »Abolitionist Law Center« in Pittsburgh an. Ich konnte die Begeisterung in seiner Stimme hören, als er mir berichtete, dass wir mit unserer Klage gegen die Gefängnisbehörde von Pennsylvania einen Sieg errungen hatten (jW berichtete). Bundesbezirksrichter Robert Mariani hatte am Vortag unseren Antrag auf einstweilige Verfügung bewilligt und das Personal der medizinischen Abteilung der Gefängnisbehörde angewiesen, von ihrer verfassungswidrigen medizinischen Behandlung Abstand zu nehmen und die Therapie meiner Hepatitis-C-Infektion mit den heute verfügbaren antiviralen Medikamenten einzuleiten.

Es tat gut, das zu hören, und es war gut zu gewinnen. Ich dachte an die tolle Arbeit, die Bret Grote und sein Anwaltskollege Robert J. Boyle geleistet hatten. Ich dachte an die vielen Leute, die den Gerichtssaal gefüllt hatten, dachte an die organisatorische Kraft von Schwester Pam Africa (vom Komitee »International Concerned Friends and Family of Mumia Abu-Jamal« in Philadelphia; jW), von Suzanne Ross (vom Mumia-Solidaritätskomitee in New York; jW), dachte an Johanna Fernandez und die anderen, die diesen Sieg möglich gemacht hatten. Auch an den Arzt Dr. Joseph Harris dachte ich, der im Auftrag meiner Anwälte als Sachverständiger vor Gericht aufgetreten war. Die Zuhörer im Saal hatten seinen medizinischen Ausführungen gebannt gelauscht, weil er die wissenschaftlichen Zusammenhänge so klar formulierte, dass sie jeder verstehen konnte.

Dann kamen mir vor allem die Tausenden Häftlinge in den Gefängnissen Pennsylvanias in den Sinn, die unter den verheerenden Auswirkungen der Hepatitis-C-Infektion leiden und die jetzt neue Hoffnung schöpfen können. Dabei dachte ich auch an die vielen Inhaftierten, die in der Vergangenheit ebenfalls an dieser Infektion erkrankt waren und sterben mussten, weil ihre Leber ohne die notwendige medizinische Behandlung versagte. Diese Gefangenen lebten leider nicht lange genug, um jetzt in den Genuss des von uns erstrittenen Sieges zu kommen.

Übersetzung: Jürgen Heiser

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