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Termine für die Tour von Pastora, der Mutter von Xosé Tarrio, der 2005 im spanischen Knast gestorben ist. Xosé schrieb das Buch "Hau ab Mensch!" über einen Teil seiner Zeit im Gefängnis, speziell unter F.I.E.S.. Pastora, seine Mutter, hat seinen Tod und die vorangegangenen Quälereien nicht einfach so hingenommen. Sie kämpft weiter für ihren Sohn und für alle Gefangenen.

APRIL >1.04. AACHEN >3.04. KÓLN >5.04 AMSTERDAM >7.04 HAMBURG >8.04 GÓTTINGEN >9.04. BERLIN >10.04. DRESDEN >12.04. WIEN

Das Buch von Jose Tarrio: "Hau ab, Mensch!" ist zu beziehen über: Buchladen König Kurt c/o AZ Conni R.-Leonhard-Str. 39 01097 Dresden koenig-kurt@free.de Es kostet 10 Euro + Versand

Leseprobe

"Wir freuen uns, endlich die deutschsprachige Version von Xosé Tarríos Buch vorlegen zu können. Der Erlös aus dieser ersten Auflage wird über die Deckung der Druckkosten hinaus Gefangenen zu Gute kommen und für deren zukünftige Veröffentlichungen verwendet werden. Unsere Motivation ist die Hoffnung, deutschsprachige Lesende über die Realität in spanischen Gefängnissen aufzuklären, über das, was im spanischen Staat seit vielen Jahren stattfindet: Isolation in allen Facetten und insbesondere die FIESHaftbedingungen, die auch für Xosé galten. Im spanischsprachigen Raum hat das Buch diese aufklärende Funktion vielfach gehabt. Eine vierte erweiterte Auflage ist dieses Jahr erschienen, auf italienisch bereits die zweite, und die englischsprachige Ausgabe ist in Vorbereitung. Gabriel Pombo da Silva, Freund und Genosse Xosés, zur Zeit Insasse deutscher Gefängnisse, steuert in seinem Vorwort eine Einführung zu Xosés Tagebuch aus seiner Sicht bei. Im Anhang findet sich ein Interview mit den Müttern beider Gefangener, Julia und Pastora, geführt in Aachen, der Stadt in der Gabriel zusammen mit anderen Genossen verhaftet und veruteilt wurde. Der lebendige Stil Xosés in Praxis und Schrift dringt ins Herz. Er lässt uns darüber die Haare raufen, was das Gefängnis fähig ist, einem Menschen anzutun und aus einem Menschen zu machen. Er erzählt uns von der Bedeutung des Kampfs, von Widerstand als einziger Chance, ein System zur Menschenvernichtung in Würde zu überleben. Xosé Tarrío González ist 1968 in La Coruña geboren. Fortgerissen aus bescheidener Familie, kommt er mit elf Jahren in ein Internat, von wo er zweimal flieht. Mit vierzehn beginnt er, kleinere Raubüberfälle durchzuführen, die ihn in zwölf Fällen in die Erziehungsanstalt von Palavea bringen zwölfmal haut er ab. Schließlich kommt er auf richterlichen Beschluss in eine Schwererziehbarenanstalt, wo er bis zum sechzehnten Lebensjahr verbleibt. Anschließend macht er mit Raub weiter, mit entsprechenden Gefängnisaufenthalten. Seine Familie ist in der Zwischenzeit auf der Suche nach Auskommen in die Schweiz emigriert. Hinzu kommt Xosés klassentypischer Einstieg in die Unterwelt der Drogenszenen, mit siebzehn Jahren. Mit neunzehn muss er eine anderthalbjährige Haftstrafe antreten, die der Umstände halber die Gegenstand dieses Buches sind schließlich zu einem rechtsgültigen Strafmaß von 71 Jahren und darüber hinaus geforderten 100 Jahren werden sollten. Im Mai 2003 kommt er heraus, voller Energie, sich draußen für die Gefangenen einzusetzen, doch trifft er auf eine schlechter organisierte AntiKnastBewegung als erhofft. Nach der unmenschlichen Behandlung der Gefangenen muss er sich nun mit den Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft draußen auseinandersetzen, und er leidet. Er widmet sich auch draußen der Kampagne dagegen, was er miterleben musste, um auf andere Weise weiter zu kämpfen. Im September 2003 wird Tarrío wegen mutmaßlicher Beteiligung an Raubüberfällen wieder in Haft genommen. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Ein Gehirnschlag wird ihm als Grippe diagnostiziert. Mit Polizisten als Pflegern, ans Bett gekettet mit seinem nach dem Gehirnschlag tauben Arm, fern von den Seinen, bekommt er keine geeignete medizinische Versorgung. Nach zwei Monaten im Koma stirbt Tarrío am 2. Januar 2005. Seine Mutter Pastora González führt seinen Kampf weiter und hält Vorträge in mehreren Ländern, gegen die Mörder ihres Sohnes: Gefängnis, Krankenhaus und Polizei. Die Herausgabe des vorliegenden Buches unterzeichnet niemand. Xosé selbst war bekennender Anarchist. Er erörtert seine Ideen im Verlauf seines Textes. Wir glauben allerdings, dass dieser Text für einen weiten Kreis Lesender wichtig werden kann. Der zu frühe Tod Xosés ist wie auch der tausender anderer Gefangener schmerzhafter Beweis für das von ihm Dargelegte. Abertausende Menschen auf der ganzen Welt leben weiter in dunklen Löchern, und wir können sie nicht vergessen. Sie sind lebendig, atmen, lieben, kämpfen... wie auch wir."

Aus dem Vorwort von Gabriel Pombo da Silva:

»Das Buch, das du in den Händen hältst, ist das rohe und ehrliche Gedächtnisprotokoll der Gefängnisrealität und der FIESSonderhaftbedingungen im spanischen Staat. FIES, das dürfen wir nicht vergessen, wurde mittels halboffizieller Dienstanweisungen in Kraft gesetzt, illegal und hinter dem Rücken der Gesellschaft, allerdings vor Kurzem »legalisiert« durch die Oberschließerin Frau Mercedes Gallizo, am 22. Februar 2006. Das Buch ist außerdem die Geschichte einer Gruppe libertärer Gefangener der Gesellschaft, die wir uns auf diffuse Weise in der Folge bestehender Freundschaften zu organisieren versuchten, um mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ein irrsinniges System zu kämpfen, das dazu gemacht ist, jeden Menschen zu entpersönlichen und zu zerstören. In diesem Kampf haben mindestens vierzehn hervorragende Genossen ihr Leben verloren, unter ihnen der Autor dieses Buches.« »Das Buch Hau ab, Mensch öffnete vielen Personen und Kollektiven auf der iberischen Halbinsel die Augen. Niemand konnte oder wollte glauben, dass im »postfranquistischen« Spanien des so genannten »demokratischen Übergangs« die Folter andauerte, die das totalitäre Regime von Generalissimo Francisco Franco traurig berühmt gemacht hatte. Was viele nicht wahrnehmen oder verstehen wollten war, dass eine Diktatur nicht am Ende ist, weil ihr herausragendster Kopf stirbt. Die Diktatur ist ein System, in dem die Institutionen (speziell die repressiven) von straffen Parteigängern derselben geführt werden.«

Aus »Hau ab, Mensch«: »Unter dem Vorwand der jüngsten Geschehnisse in den spanischen Gefängnissen hatten Antoni Asunción, gerade erst auf den Posten des Generalsekretärs des Gefängniswesens befördert, und seine rechte Hand Gerardo Mínguez Prieto, stellvertretender Direktor der Strafvollzugsaufsicht, in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium unter Cuadra Salcedo die FIESSonderbedingungen geschaffen. Betroffen waren alle als besonders gefährlich eingestuften Gefangenen, die an Aufständen, Geiselnahmen oder Ausbruchsversuchen teilgenommen hatten, oder die einfach störten. Sie hatten ein Netzwerk aus Hochsicherheitsgefängnissen geschaffen, richtiggehende Bunker, in denen man uns eher begrub als einsperrte. Zu diesem Zweck brachen sie alle vorangegangenen Gesetze und handelten nach ihrem eigenen, wonach dem Rechtsstaat alles erlaubt war. Das Justizministerium brachte alle kritischen Stimmen aus der Richterschaft zum Schweigen und versprach Beförderungen. Den sich den Herrschenden anbiedernden Medien wurde eine Richtlinie unterbreitet, nach der sie von nun an alles verschweigen sollten, was mit den betroffenen Gefangenen im Gefängnis geschah. Sie sollten eine gegen uns eingenommene Stimmung schaffen, uns als Psychopathen hinstellen, damit die Leute diese Methoden akzeptierten, falls der ein oder andere ehrbare Jurist doch einmal etwas durchsickern lassen sollte. Man würde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen und alles tun, um die Beschwerden der Gefangenen zu ersticken, APRE(r) zu zerschlagen und Ordnung und Disziplin in den Gefängnissen wiederherzustellen, mit Terrormethoden. Diese Methoden kannte ich, denn sie waren schon gegen COPEL angewandt worden. Die Unterdrückung sollte funktionieren, indem man den kämpferischen Geist der Häftlinge neutralisierte und ihr Bewusstsein, indem man sie Angst spüren ließ, ihr Nervensystem konstant bombardierte, bis sie wirksam annulliert waren. Schwere Zeiten kamen auf uns zu, wir wussten noch nicht, wie schwere...« »Misstrauen war typisch für Juan und viele andere Gefangene, denn es gab Fälle von Verrat an Mitgefangenen, um selbst Vorteile zu bekommen. Die Behörde belohnte dergleichen Niederträchtigkeit fürstlich, denn das verlieh ihr Augen und Ohren überall, besonders dort, wo ihr Schäferhundsblick und ihre Ohren sonst nicht hinkamen. Es war dieselbe Methode, die die Polizei draußen mit Straffälligen anwendete. Sie ließen zu, dass Dealer straflos weitermachten und gaben ihnen Hilfestellungen in ihrem Geschäft, wenn jene sie über ihre Kundschaft und das Geld, das diese ausgab, auf dem Laufenden hielten. Stimmte ein Betrag mit der Beute aus einem Raub überein, wussten sie gleich, wer es war. Keine Institution und auch nicht der Strafvollzug funktionierte ohne ein Netz aus Spitzeln. Verrat wurde großzügig belohnt. Wollten sie etwas über einen bestimmten Gefangenen herausfinden oder ihn einfach aus der Nähe beobachten, brauchten sie nur einen Verräter zu gewinnen, der ihn im scheinbar freundschaftlichen Gespräch zum Reden brachte. Oder sie legten die beiden zusammen in eine Zelle. Es war traurig aber wahr und latent immer gegenwärtig, auch wenn nur eine Minderheit bei so etwas mitmachte. Das schuf ein Klima des Misstrauens. Wir wollten darauf achten, dass unsere Begleiter uns nichts anmerkten. Wir liefen aus und setzten Kurs auf Las Palmas de Gran Canaria. Dort kam eine Gruppe Guardias Civiles zu uns herunter und holte die beiden Gefangenen aus der Nachbarzelle ab. Wir verabschiedeten uns herzlich von ihnen. Dann lichteten wir wieder Anker und fuhren in Richtung Cádiz. Als wir schon auf hoher See waren, legten sie uns Handschellen an, mit den Handgelenken durch den Schlitz in der Tür gesteckt, durch welches auch das Essen kam. Héctor Chivita und ich kamen in die Zelle nebenan. Sie nahmen uns auf die gleiche Weise die Handschellen wieder ab. Juan blieb mit William Humphreys in der anderen Zelle. Die Guardias nahmen die Stühle mit, ohne zu merken, dass zwei Metallstücke fehlten, was uns erleichterte. Ich wäre lieber mit meinem Freund Juan gereist, auf diese Weise konnten wir aber die Gefangenen im Auge behalten, die uns begleiteten, und das war auch wichtig. Es konnte alles Mögliche passieren. »Wir verabschiedeten uns mit einem festen Händedruck. Ich folgte der Bahn in Richtung Rota und durchquerte das Industriegebiet in die Büsche geduckt auf der anderen Seite der Schienen. Es war heiß, sehr heiß, und ich fühlte mich erstickt und erschöpft. Ich war schon seit Stunden den vierzig Grad der Sonne von Cádiz ausgesetzt und fast dreißig Kilometer gelaufen. Jetzt fehlten nur noch weitere zwölf bis Rota. Ich setzte mich um Luft zu holen in den Schatten eines alleinstehenden Baums, unfähig, auch nur einen Schritt weiterzugehen. Es gab in der Nähe einen Brunnen mit schmutzigem Wasser, in dem mehrere Tierchen und ein paar Kaulquappen schwammen. Ich ging hin und benutzte mein Hemd als Filter, trank ein wenig von diesem Wasser, das mir bekam, obwohl es fürchterlich schmeckte. Dann ging ich zurück in den Schatten des Baumes und streckte mich erschöpft aus. Die Geschichte ging wieder von vorne los. Auf der Flucht zu sein war wieder die einzig denkbare Freiheit für mich. Doch wohin fliehen? Wo blieb freies Land, wo die Gerechtigkeit uns alle zu Gleichen machte und niemand andere verfolgte und einsperrte?«

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