homegefangeneintetrnationalaktionsplanarchivlinks

Aktuelle Kampagnen

Alte Kampagnen

Eine Ausstellungsrundreise von Paolo Neri
 
Mitte März kommt Paolo Neri, ein italienischer Künstler, mit seinen Mosaikbildern von Gefangenen der RAF und einer anderen bewaffnet kämpfenden Gruppe, die in Gefangenschaft gestorben sind nach Deutschland.

Bilder im Internet:
http://www.bibliotecamarxista.org/manifesti.htm
unter mosaici artistici

Im Rahmen des 18. März - dem Tag der politischen Gefangenen - wird Paolo Neri mit seinen Bildern vom 11. bis 13. März in Stuttgart, vom 16. bis 18. März in Hamburg und vom 19. bis 22. März in Bremen Halt machen.

Stuttgart:
11. bis 13. März 2009
Waldheim Gaisburg
Obere Neue Halde 1
Stuttgart

Öffnungszeiten in Hamburg:
Von Montag, den 16.3. bis Mittwoch, den 18.3. jeweils von 16 - 23 Uhr
Centro Sociale
Sternstraße 2 neben "Feldstern", 20357 Hamburg, Nähe U-Bahn Feldstraße
20357 Hamburg


Öffnungszeiten in Bremen:
Freitag: ab 15 Uhr
Samstag: von 15 - 20 Uhr
Sonntag: von 11 - 15 Uhr
Alle Veranstaltungen finden statt im:
Galerie Cornelius Hertz
Richard Wagner Straße 22
Bremen


Auszüge aus einem Flugblatt zur Hamburger und Bremer Veranstaltung:

Zurückblicken, um die Zukunft neu zu gestalten
"DAS FEUER ERLISCHT NICHT" - Ausstellung zu 8 politischen Gefangenen, die den Knast in der BRD nicht überlebt haben
Warum organisieren wir diese Ausstellung?
Wir sind Menschen, die mit den Gefangenen seit Jahren um bessere Knastbedingungen und für eine freie solidarische Gesellschaft ohne Unterdrückung kämpfen. Wir sind deswegen selbst verfolgt und teilweise weggesperrt worden.
Die Geschichte der politischen Gefangenen und des bewaffneten Widerstand wird, wie jeglicher linker Widerstand, von den Herrschenden diffamiert, umgeschrieben, totgeschwiegen und kriminalisiert.
Zum 30.Jahrestag anlässlich der Aktionen der RAF 1977 gegen den Generalbundesanwalt Buback, den Bankier Ponto und den Arbeitergeberpräsident Schleyer, sowie anlässlich der toten Gefangenen in Stammheim aus dem Jahre 1977 wurde eine regelrechte mediale Offensive der Herrschenden zelebriert: Der Film "Baader Meinhof Komplex" von Stefan Aust und Bernd Eichinger oder Bücher von Gerd Koenen und Wolfgang Kraushaar sind Beispiele dafür. Sie sollen das offizielle Bild der angeblichen Selbstmorde der Gefangenen in Stammheim und einer autoritären RAF weiter festschreiben.
Die Guerilla hat sich 1998 aufgelöst und die mit ihnen verbundene politischen Zusammenhänge existieren nicht mehr. Da sich aber die gesellschaftliche Verhältnisse weiter verschärft haben wird es weiterhin neue Aufbrüche und Kämpfe geben, die objektiv wie subjektiv emanzipatorischer Veränderungen auf die Tagesordung setzen. Das Hamburger Abendblatt vom 2.2. 2007 fragt besorgt: ".. oder gibt es in unserem Land noch immer Menschen, die ihr ,klammheimliches‘ Verständnis für die Taten der RAF-Generation weiter kultivieren?“ Und zieht einen Bogen zur Gegenwart: „Von Anschlägen auf Häuser und Autos prominenter Wirtschaftsführer, wie wir sie in diesen Tagen erleben, bis zum Mord ist es nur ein kleiner Schritt.“ Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel im Juni 2007 werden kriminalisiert, um gegen bestimmte Gruppen und Einzelpersonen mit §-129-Verfahren durch die Generalbundesanwaltschaft zu ermitteln und dadurch andere abzuschrecken. Es wird aber auch die Angst der Herrschenden ersichtlich, die mit all ihrer Macht verhindern wollen, dass es zu einem authentischen Austausch über die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von damals und heute kommen könnte.
Nicht nur die TAZ vom 22.1.2007, sondern fast alle Medien verlangen Kniefälle: „… Noch habe er (Christian Klar) sich nicht expliziert von seinen RAF-Morden distanziert.“ Wir aber stellen fest:
- Öffentlich haben sich die Führungsetagen von Reemtsma, der Dresdner Bank oder von Daimler weder für ihrer Kollaboration mit den Nationalsozialismus entschuldigt, noch haben sie die ausgebeuteten ZwangsarbeiterInnen aus den damals besetzten Ländern, angemessen und umgehend entschädigt.
- Die Verstrickungen von diversen Unternehmen und Banken mit dem damaligen Apartheidsregime in Südafrika blieben folgenlos.
- Schleyers Teilhabe an der NS-Arisierungspolitik in der besetzten CSR oder später wegen von ihm veranlaßten Aussperrungen von streikenden Arbeitern gelten als herrschendes Recht. - Buback, Mitglied in der NSDAP seit 1940, war für die Sondergerichte und die verschärften Isolationshaftbedingungen gegen die Gefangenen aus der RAF verantwortlich. 9 Inhaftierte überlebten die Folter nicht. Seine Behörde hat dies nie bedauert und setzt heute weiterhin verschärfte Bedingungen gegen Gefangene ein.
a.Gesetze weiter in Kraft
Damals wurden die Rechte der Verteidigung massiv beschnitten, die Gefangenen wurden in folterähnlicher Isolationshaft gehalten und es wurden Sondergesetze wie der Paragraf 129a durchgesetzt. Dieses ,Feindstrafrecht‘, das von dem Staatsrechtler Carl Schmitt konzipierte wurde, der einer der exponiertesten reaktionärsten Gelehrten zu Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus war, wird heute weiter fortgeführt: Die Bundesregierung duldet, wenn die CIA-Gefangene kreuz und quer durch Europa in Geheimgefängnisse verschleppt, BND und BKA reisen nach Guantanamo um von der Arbeit der dortigen ,Verhörspezialisten‘ zu profitieren. Der § 129a ist um den §129b erweitert worden und der Überwachungsapparat wurde massiv ausgebaut. Die Widerstandsbekämpfung im Innern wird also immer weiter verschärft, um u.a. die deutschen Kriegseinsätze abzusichern. Es sind rund 9000 Bundeswehrsoldaten derzeit auf dem Balkan, in Afrika, im Nahen Osten und in Zentralasien im Einsatz.
b.Geschichtsbewältigung
Um diese Entwicklung zurückzudrängen und den Aufbruch von 1968 in die herrschende Realität zu integrieren, gibt ein „68er-Bashing“, wie die Verlegerin Hanna Mittelstädt in der Jungen Welt richtig feststellte. Das hat natürliche negative Auswirkungen auf die heutigen Kämpfe, aber ebenso auf die Gefangenen aus der RAF, denn diese kamen aus den weltweiten Aufbrüchen der 60er Jahre und agierten für eine klassenlose und befreite Gesellschaft. Politisch und militärisch bekämpften sie damals unter anderem die starke US- und NATO-Militärpräsenz hier in der BRD und griffen führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft des wieder erstarkten Deutschlands an. Federführend bei dieser Kampagne ist das Institut für Sozialforschung aus Hamburg mit seinem Leiter Jan-Philipp Reemtsma und Wolfgang Kraushaar, beides ehemalige Linke, und den ehemaligen Spiegelchefredakteur Stefan Aust. Als geläuterter Alt-68er will besonders Krausshaar heute den Interpreten der Bewegung spielen. Das konnte teilweise auch gelingen, da Kraushaars „Hilfspolizeiforschung“, so der Verleger Lutz Schulenburg, von den Medien mit Applaus aufgenommen wurde. Seine „Recherchen“ bestehen im Wesentlichen aus Akten des Staatsschutzes.
Mit seiner Schreibe setzt er deren politische Vorgaben um.
c.Perspektive und Nutzen für die Gegenwart
- Wir wollen aber nicht nur unsere Geschichte kritisch aufarbeiten, sondern auch einen Bogen zu heute ziehen, d.h was können wir aus der Geschichte des damaligen Aufbruchs für die Zukunft lernen?
Um was zu unserer Perspektive zu sagen, müssen wir als erstes die objektiven und subjektiven Blockaden benennen, die den emanzipativen Prozess des Voranschreitens behindern.
Ein Lösungsansatz wäre , sich nicht nur an dem RAF-Logo mit der Knarre und den Aktionen zu ergötzen, sondern mit Texten der Gefangenen auseinanderzusetzen. Was haben z.B. die Hungerstreikerklärungen aus den siebziger und achtziger Jahren für uns heute noch an Aussagekraft, d.h. sind sie für unsere heutigen Auseinandersetzungen noch hilfreich? - Auch wollen wir uns mit dem Begriff Gwalt auseinandersetzen. Zum einen gibt es die strukturelle Gewalt, die unseren Alltag prägt: Bei der Arbeit, im Studium,bei Behörden, in der Freizeit und in unseren Beziehungen. Diese Gewalt wird kaum noch hinterfragt, denn sie wird von vielen als "naturgegeben" hingenommen.
Ebenso verhält sich das bei der exekutive Gewalt, die wir bei unseren politischen und sozialen Kämpfen erfahren: Ob bei Abschiebungen, Verfolgung und Verhaftungen, es gelingt uns nur selten einzelne Genossen und Genossinnen aus den Klauen der Klassenjustiz zu entreißen!
Wie ist es möglich eine Gesellschaft ohne Gewalt, Angst, Ausbeutung und Unterdrückung hier und überall auf der Welt zu entwickeln?
Wir wollen darüber reden, was für eine Funktion dabei Gewalt bei der Schaffung einer freien und egalitären Gesellschaft haben könnte. Auch hinterfragen, warum diese Thematik zum Tabu geworden ist.


Öffnungszeiten in Hamburg:
Von Montag, den 16.3. bis Mittwoch, den 18.3. jeweils von 16 - 23 Uhr
- Am Montag, den 16.3. um 19 Uhr:
Auftaktveranstaltung
- Am Mittwoch, den 18.3, um 19 Uhr:
Zurückblicken, um die Zukunft neu zu gestalten
Alle Veranstaltungen finden statt im:
Centro Sociale
Sternstraße 2 neben "Feldstern", 20357 Hamburg, Nähe U-Bahn Feldstraße
20357 Hamburg
Organisiert:
Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangene, Hamburg und Einzelpersonen Unterstützt wird durch:
Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangene, bundesweit, Redaktion des Gefangenen Info, Hamburger Solidaritätsbündnis gegen Unterdrückung

Termine in Bremen:
Am Donnerstag, den 19.3. um 19 Uhr:
Auftaktveranstaltung
Am Freitag, den 20.3. um 19 Uhr:
Zurückblicken, um die Zukunft neu zu gestalten
Weitere Öffnungszeiten:
Freitag: ab 15 Uhr
Samstag: von 15 - 20 Uhr
Sonntag: von 11 - 15 Uhr
Alle Veranstaltungen finden statt im:
Galerie Cornelius Hertz
Richard Wagner Straße 22
Bremen
Organisiert:
Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen, Hamburg und Einzelpersonen
Unterstützt wird durch:
Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen, Redaktion des Gefangenen Info, AK Süd-Nord Bremen, Galerie Cornelius Hertz

Hintergrundinformationen:


Pablo: Einige Worte zur Ausstellung
Einige GenossInnen fragten mich, warum mache ich eine Serie von Mosaiken von 8 politischen Gefangenen aus der BRD, die den Knast nicht überlebt haben?
Sie ist diesen toten Gefangenen gewidmet, so zum Beispiel Ulrike und Sigurd, dem Maoisten. Auch habe ich es für mich gemacht, weil es meinem Geist gut tut und mein Bewusstsein erweitert. Ich hatte auch an andere Antworten gedacht, in der Art: Ich mache es für die neuen Generationen, damit sie nicht vergessen werden, um an den roten Faden der Revolution und des Widerstands anzuknüpfen.
Ich habe monatelang an jedem und jeder von ihnen gearbeitet; ich habe sie gezeichnet, die Entwürfe stilisiert, diese reproduziert und zerschnitten in den festgelegten Mustern, dann habe ich sie auf den Marmor übertragen und die endgültigen Bilder zusammengesetzt.
Während ich arbeitete, dachte ich an ihr Leben, an die harten Entscheidungen, die sie getroffen haben, an die Opfer, die sie erbrachten und daran, wie sie gestorben sind. Ich habe die Technik des Mosaiks gewählt, damit sie die Zeit¸bedauern, weil für mich eine Beziehung besteht zwischen Form und Inhalt. Ich dachte mir deshalb, dass der Widerstand mit widerständigem Material repräsentiert werden soll, mit Steinen, mit Granit und Marmor, welche durch ihre Beschaffenheit die Stärke des Inhalts wiedergeben.
Ich bin ein Genosse, ein Kommunist. In meiner Jugend, in den siebziger und achtziger Jahren, war ich im Gefängnis wegen meiner Mitgliedschaft in den Roten Brigaden (Brigate Rosse).
Künstleratelier Paolo Neri


Paolo zu seiner eigenen Geschichte:
"Ich bin im Norden der Toscana an der Grenze zu Ligurien geboren. Als Jugendlicher besuchte ich das Kunstgymnasium in Carrara, das ich wegen meiner Verhaftung nicht beendet habe. Danach wurde ich zu zwei Jahren und einem Monat Haft verurteilt wegen Mitführens und Besitz von Sprengstoff, das war im Jahr 1976. Damals war die außerparlamentarische Linke am brodeln, und nicht nur sie. "Illegale Praktiken" waren weit verbreitet und ein Teil dieser Linken traf die Entscheidung, sich zu bewaffnen. Während meiner Haft wurde ich beschuldigt, Mitglied der Brigade Dante Di Nanni zu sein. Dante Di Nanni war eine legendäre Persönlichkeit der italienischen Resistenza, ein junger Arbeiter und Stadtguerillero der GAP [Gruppo d'azione partigiana = Partisanenaktionsgruppe, die kommunistischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg]. Der Prozess endete mit dem Freispruch aller Angeklagten außer Umberto Catabiani, der am 24. Mai 1982 in einem zweiten Feuergefecht mit der Polizei getötet wurde, während er sich beim ersten Feuergefecht noch hatte aus der Affäre ziehen können.
Anfang der achtziger Jahre wurde ich durch Verrat wieder verhaftet (die Saison der Verräter hatte gerade begonnen) und angeklagt, Mitglied der toskanischen Kolonne der Roten Brigaden (PCC = Kämpfende Kommunistische Partei) zu sein. Nach ca. einem Jahr Untersuchungshaft wurde ich freigelassen, weil die Fristen der Untersuchungshaft abgelaufen waren. Beim Prozess vor dem Schwurgericht in Florenz wurde ich zu fünf Jahren Haft verurteilt, doch bevor das Urteil rechtskräftig wurde, floh ich nach Frankreich. Ich versteckte mich in Paris, wo ich kurze Zeit später das Pech hatte, in eine Razzia im Umfeld der italienischen Exilanten zu geraten. Die französische Polizei hielt mich 4 Tage gefangen, dann steckten sie mich in ein Flugzeug und übergaben mich am Flughafen von Turin ihren italienischen Kollegen. Diese versuchten zunächst mich zum Singen zu bringen und brachten mich dann ins Gefängnis. (Damals war Luigi Scalfaro Innenminister, der heute ein Verteidiger der aus den Werten der "Resistenza" entstandenen Verfassung ist). Nach Verbüßung der Strafe ging ich nach Hause zurück, arbeitete in den verschiedensten Berufen vom Maurer bis zum LKW-Fahrer, ich war Anstreicher, Maler, Fliesenleger, Mosaikkünstler, und wer weiß, was ich noch alles machen muss. Doch meine Leidenschaft für das Zeichnen, die Malerei, also Kunst im allgemeinen Sinne (die wahre Kunst, nicht die angediente) hat mich nie losgelassen, auch nicht in den Isolationszellen, sie hat mich vielmehr aufrecht erhalten und ich muss ihr danken, wenn ich durchgehalten habe und weiterhin durchhalte."


Kurze Portraits und Informationen zu 8 politischen Gefangenen aus der RAF und des bewaffneten Widerstandes, die den Knast in der Bundesrepublik Deutschland nicht überlebt haben:
- Holger Meins aus der RAF starb in Wittlich am 9.11.74 während eines Hungerstreiks gegen die Vernichtungshaft an den Folgen gezielter systematischer Unterernährung. Verhaftet worden ist er am 1.6.1972 mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe. Diese 3 Gefangenen wurden neben Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof als "führende Köpfe der RAF" aufgebaut und angeklagt, an den Aktionen im Mai 1972 gegen die US-Hauptquatiere in Heidelberg und Frankfurt beteiligt gewesen zu sein. Von diesen Basen wurden per Computer u.a. die Bombenangriffe gegen Vietnam oordiniert. Auch wurden ihnen vorgeworfen, die Polizeihauptquartiere in Augsburg sowie München, ebenso das Springerhochhaus in Hamburg und das Auto eines Richters am BGH (Bundesgerichtshof), attackiert zu haben. Mit dieser Aktion richtete sich die RAF gegen die Isolationshaftbedingungen, denen die politischen Gefangenen unterworfen waren.
- Siegfried Hausner (RAF), der am 4.5.75 verstarb, war trotz schwerer Brandverletzung, obwohl transportunfähig, nach Stuttgart-Stammheim geflogen worden. Er war am 24.4.1975 mit 5 weiteren Menschen an der Botschaftsbesetzung zur Befreiung von 26 politischen Gefangenen in Stockholm beteiligt.
- Ulrike Meinhof wird am 8.Mai 1976 tot in ihrer Zelle in Stuttgart-Stammheim aufgefunden. Eine internationale Untersuchungskommission kommt zu folgenden Ergebnis: "Die Behauptungen der staatlichen Behörden, Ulrike... habe sich selbst getötet ist nicht bewiesen....Die Ergebnisse der Untersuchungen legen vielmehr den Schluß nahe, dass Ulrike.. tot war, als man sie aufhängte und es beunruhigende Indizien gibt,die auf das Eingreifen eines Dritten im Zusammenhang mit den Tod hinweisen... angesichts der Tatsache, das die Geheimdienste - neben den Gefängnispersonal - Zugang hatten zu den Zellen im 7.Stocks, und zwar durch einen getrennten und geheimen Eingang". - Am Morgen des 18.Oktober 1977 werden Andreas Baader und Gudrun Ensslin tot, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller schwerverletzt in ihren Zellen aufgefunden. Jan stirbt wenige Stunden später. Sofort wird die offizielle Version des Selbstmordes verbreitet, obwohl erhebliche Unstimmigkeiten in den dann folgenden Untersuchungen aufgedeckt werden können. Andreas soll die Pistole angeblich selbst festgehalten haben, obwohl ein Gutachten aussagt, dass der Schuss aus einem Abstand von 30-40 cm abgefeuert worden ist und die Pistole immerhin 17cm maß. Gudruns Leichnam zeigte zahlreiche leichte Verletzungen und Blutergüsse. Zum Teil werden diese "Quetschungen" damit erklärt, dass der Körper nach der Selbsterhängung infolge von Todeskrämpfen heftig gegen harte Gegenstände gestoßen sei. Dies ist allerdings nicht mehr zu rekonstruieren, da die Beamten die Tote sofort abgebunden hatten. Ebenso wie bei Ulrike Meinhof wird auch hier ein Histamintest, der darüber Auskunft gibt, ob ein lebender oder bereits toter Mensch aufgehängt wurde, unterlassen.
So sagt Irmgard als einzige Überlebende: "Für uns war klar, Selbstmord ist nicht Sache. Wir sind entschlossen zu kämpfen..Ich habe mir die Verletzungen nicht selbst beigebracht."(Messerstiche direkt neben dem Herzen) Irmgard hatte geschlafen und war erst auf dem Transport ins Krankenhaus aus ihrer Bewußtlosigkeit aufgewacht. Nach 21 Jahren Knast kam Irmgard im Herbst 1993 endlich frei. Da sie weiterhin behauptete die Gefangenen hätten sich nicht selbst umgebracht, wurde deshalb zeitweise gegen sie ermittelt.
- Am 12.11.77 wurde Ingrid Schubert(RAF) in München-Stadelheim tot aufgefunden. Für den Staat war es natürlich auch "Selbstmord". Alle Menschen und Initiativen, die das öffentlich in Frage stellten, wurden kriminalisiert. So wurde die staatliche verordnete "Wahrheit", die bis heute nie objektiv bewiesen werden konnte, zur gesellschaftlichen Wahrheit, die sich über die bürgerlichen Medien in die Köpfe der Menschen fraß.
- Sigurd Debus, war nicht Mitglied der RAF, sondern einer weiteren bewaffneten Gruppe. 1974 wurde er verhaftet. Er beteiligte sich in an dem Hungerstreik 1981, um mit den Gefangenen aus der RAF zusammenkommen, um so besser gemeinsam und offensiver gegen die Isolation in den Knästen kämpfen zu können.
Obwohl Sigurd schon einige Tage klinisch tot war, wurde sein Ableben erst am 16 April durch den Staat bekannt gegeben, den Tag an dem der Hungerstreik beendet wurde. Sein Anwalt schrieb: "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Zwangsernährung im (Hamburger) Zentralkrankenhaus des Untersuchungsgefängnis den Tod von Sigurd Debus bewirkt hat."
Die Herrschenden wollten mit dieser Manipulation des Todeszeitraums suggerieren, dass die Gefangenen wegen Sigurds Tod den Streik beendet hatten, und nicht weil es Zusagen staatlicherseits gab, die Isolation aufzuheben. Der Staat hielt seine Zugeständnisse nicht ein. Sigurds Tod konnte nie aufgeklärt werden, da Teile seiner Krankenakte verschwanden. Die verantwortlichen Mediziner und Beamten blieben in Amt und Würden. Für viele Menschen, die den Hungerstreik unterstützt hatten, wurde klar, Sigurd musste sterben, weil er mit den Gefangenen aus der RAF zusammenkommen wollte.

Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen
webmaster@political-prisoners.net