Internationale Unterstützung für inhaftierte und hungerstreikende Akademikerin und Lehrer in der Türkei

Internationale Unterstützung für inhaftierte und hungerstreikende Akademikerin und Lehrer in der Türkei

Die entlassene Akademikerin Nuriye Gülmen (Literaturdozentin) und Semih Özakca (Hauptschullehrer) in der Türkei verteidigen nach der Entlassung von Zehntausenden Akademiker*innen, Beamt*innen und Angestellten im öffentlichen Dienst durch Dekrete der Notstandsregierung seit Monaten ihre Rechte unter Einsatz ihres Lebens.

Dieser Kampf dauert mittlerweile seit November 2016 an hat seinen Höhepunkt mit einem Hungerstreik erreicht, den die junge Akademikerin und der Hauptschullehrer neben ihrem ständig von Polizeischikanen geführten Sitzaktionen auf der Yüksel Straße in Ankara als eines der wenigen ihnen zur Verfügung stehenden demokratischen Mittel gewählt haben. Der Hungerstreik von Nuriye Gülmen und Semih Özakca hat mittlerweile fast 140 Tage erreicht.

 

Mehrere fortschrittliche Lehrer*innen, Soziolog*innen und im öffentlichen Dienst tätige Personen, die ebenfalls infolge der Notstandsgesetze ohne rechtliche Grundlage entlassen wurden, unterstützten den Sitzstreik. Nachdem Nuriye Gülmen und Semih Özakca am 76. Tag ihres Hungerstreiks in ihren Wohnungen gewaltsam festgenommen und schlicht mit der Begründung, durch den Kampf für ihre Arbeit „Propaganda für eine terroristische Organisation“ zu betreiben verhaftet wurden, setzten Kolleg*innen die Kampagne auf der Yüksel Straße fort und fordern an erster Stelle deren Freilassung.
Die AKP-Regierung lässt seither jegliche Protestaktion vor dem Menschenrechtsmonument unterbinden, die Polizei setzt das Verbot mit allen gewaltsamen Mitteln um. Mit Chemikalien versetztes Tränengas, Plastikmunition und Polizeiknüppel sind der Preis, den die Menschen täglich bezahlen, wenn sie auf der Yüksel Straße die Forderung von Nuriye Gülmen und Semih Özakca verteidigen. Hinzu kommt noch ein Hausarrest, der gegen mindestens 4 Personen verhängt wurde, um sie von der Straße fernzuhalten. Einige gehen trotzdem auf die Straße, der entlassenen Lehrerin Acun Karadag wurden Fussfesseln angelegt und sie hält seit Tagen ihre Presseerklärungen in ihrem Garten ab.

Unser Anliegen ist es die demokratische Öffentlichkeit in Europa zu erreichen, und vor allem Lehrer*innen, Professor*innen, Literaten, und namhafte Persönlichkeiten dazu zu bewegen, den Fall aufzugreifen und Unterstützungserklärungen für ihre Kolleg*innen in der Türkei abzugeben. Nur so kann Druck auf die politischen Verantwortlichen in der Türkei geübt und Schutz für das Leben von Nuriye Gülmen und Semih Özakca gewährleistet werden.
CNN International würdigte Nuriye Gülmen als eine der 8 führenden Frauen des Jahres 2016 und sie erschien zusammen mit Semih Özakca in einem Videoclip der Deutschen Welle News. Auch BBC interviewte die Akademikerin. Im Interview erklärte sie: „Wenn du Oppositionelle bist und nicht denkst wie sie, dann können sie dich schon morgen verhaften. Wir haben eine sehr dunkle Zeit vor uns. Es sieht aus, als könnten sie tun, was sie wollen“.
Weltweit setzen sich namhafte Intellektuelle, Professor*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen und Autor*innen für die Hungerstreikenden ein. Internationale Medien berichten nach langer Zeit erstmals so interessiert über einen Menschenrechtsfall in der Türkei.

TÜRKEI:
Füsun Demirel (Schauspielerin), Nesrin Kazankaya (Schauspielerin, Regisseurin-Autorin), Emir Çubukçu (Schauspieler), Defne Halman (Schauspielerin), Hüseyin Turan (Künstler), Ragıp Yavuz (Regisseur), Mirza Metin (Schauspieler, Regisseur-Autor), Suavi (Künstler), Karin Karakaşlı (Autorin, Pädagogin), Orhan Aydın (Schauspieler), İlyas Salman (Schauspieler), Selçuk Yöntem (Schauspieler), Deniz Türkali (Schauspielerin, Drehbuchautorin), Barış Atay (Schauspieler), Gülriz Sururi (Schauspielerin), Macit Koper (Schauspieler, Drehbuchautor), Edip Akbayram (Künstler), Ilker Ayrik (Moderator – Schauspieler), Müjdat Gezen (Schauspieler), Rutkay Aziz (Schauspieler), Türkan Elçi (Künstlerin), Zülfü Livaneli (Künstler), Zuhal Olcay (Schauspielerin), Sezen Aksu (Künstlerin)

INTERNATIONAL:
Noam Chomsky (Professor und Intellektueller, USA), Etienne Balibar (Philosoph, eh. Professor an der Universität Paris), Prof. Dr. David Harvey (Antropologieprofessor, Graduate Center of the City University of New York), Roberto Saviano (Journalist und Autor, Italien), Edouard Brezin und Jean Iliopoulos (Mitglieder des Komitees für Menschenrechte der Französischen Akademie für Wissenschaften), Manu Chao (Musiker, Frankreich), University and College Union (UCU, Großbritannien), Costa Gavras (griechisch-französischer Filmregisseur), Margaret Atwood (Schriftstellerin, Kanada), John Maxwell Coetzee (südafrikanischer Literaturnobelpreisträger, Australien), PEN International (Großbritannien), USB International Department (Union der Basisgewerkschaften, Italien), Carlos Latuff (brasilianischer Cartoonist und Karikaturist), Endangered Scholars Worldwide (ESW)
Darüber hinaus setzen sich die ‚European Democratic Lawyers (AED)‘ für Nuriye Gülmen und Semih Özakça vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strasbourg ein.
Auch Amnesty International unterstützt Nuriye Gülmen und Semih Özakca aktiv mit einer Unterschriftenkampagne.

Link zu englischsprachigen Hintergrundartikeln und Solidaritätserklärungen:
http://www.anthropology-news.org/…/the-voice-of-hunger-par…/
https://hungryforourjobs.wordpress.com/solidarity-declarat…/
Briefe an Nuriye Gülmen und Semih Özakca:
Nuriye Gülmen
Sincan Kadın Kapalı
Hapishanesi
Sincan/Ankara
TÜRKEI
Semih Özakça
Sincan 1 Nolu F Tipi
Hapishanesi
Sincan/Ankara
TÜRKEI
Info & Kontakt:
Facbook/Twitter: Anadolu Newsblog
E-Mail: anadolunewsblog@gmail.com
Komitee zur Unterstützung von Nuriye Gülmen und Semih Özakca – Wien
Facebook: NuriyeSemih Viyana

https://www.facebook.com/aNewsblog/posts/1883074382009549

Related Posts

Prozesseröffnungen gegen kurdische Aktivisten unter dem Vorwurf der PKK-Unterstützung (§129b StGB)

Prozesseröffnungen gegen kurdische Aktivisten unter dem Vorwurf der PKK-Unterstützung (§129b StGB)

Türkei: 2 Gefangener tritt ins Todesfasten

Türkei: 2 Gefangener tritt ins Todesfasten

Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt die Verbotsverfügung gegen den Mezopotamien-Verlag und den Musikvertrieb MIR

Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt die Verbotsverfügung gegen den Mezopotamien-Verlag und den Musikvertrieb MIR

PROZESSBERICHT VOM 1. BERUFUNGSVERHANDLUNGSTAG 17.01.2022

PROZESSBERICHT VOM 1. BERUFUNGSVERHANDLUNGSTAG 17.01.2022