political-prisoners.net

  • Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Beitrag ausdrucken

Der Schwarze Juli ´83

28.07.13

tamilienDer Schwarze Juli ´83 ,Vom rassistischen Terror in 1983 zum international legitimierten Genozid in 2009.30. Jahrestag des Massakers an den Tamilen gedenken wir allen Opfern des Schwarzen Juli.Für die in Sri Lanka als auch in der ganzen Welt zerstreut lebenden Tamilen ist der Monat Juli eine Zeit des in sich Gehens und Erinnerns. So wie der Februar für die schwarzen Völker weltweit große Bedeutung hat, so ist es der Juli für die Tamilen. Im Juli wird an den Tod von 3000 Tamilen – Opfer des1983 von der srilankischen Regierung organisierten, geplanten und durchgeführten völkermörderischen Pogroms – erinnert.
Die Tamilen wurden von der Regierung von Sri Lanka , damals noch Ceylon genannt, seit 1948 diskriminiert, nachdem das Parlament das Bürgerrechtsgesetz Nr. 18 verabschiedete, mit welchem eine Million Tamilen indischen Ursprungs ihrer Staatsbürgerschaft beraubt wurden. Der nächste Schlag gegen die Tamilen kam, als die Regierung von Sri Lanka, angeführt von der srilankischen Freiheitspartei SLFP unter S.W.R.D. Bandaranayake das Sinhala Only-Gesetz erliess, womit im Juni 1956 Singhalesisch die offizielle Sprache der Insel wurde.

Die tamilische Führung bekämpfte diese Gesetze mit friedlichen Protesten, die der Staat allesamt mit Gewalt beantwortete. Die grössten Gewaltausbrüche gegen die Tamilen erfolgten in den Jahren 1956, 1958, 1961, 1977, 1979, 1981, 1983 und 2009 .

Der Schwarze Juli steht für die schrecklichen Ausschreitungen gegen die tamilische Bevölkerung, die sich vom 23. bis 25. Juli 1983 pogromartig in Sri Lanka ereigneten. Innerhalb von drei Tagen wurden schätzungsweise 3.000 Tamilen getötet und hunderttausende obdachlos gemacht, als singhalesische Mobs tamilische Menschen auf offener Straße ermordeten, ihre Häuser in Brand steckten und ihre Geschäfte plünderten. Die Polizei und die Streitkräfte sahen tatenlos zu, und schnell wurde klar, dass führende Kräfte der Regierung in die Agitierung der entfesselten singhalesischen Massen und in die Organisierung des Massakers involviert waren.

Der Schwarze Juli war in vieler Hinsicht ein Wendepunkt. Tamilische Flüchtlinge flohen aus dem singhalesisch dominierten südlichen Teilen Sri Lankas. Viele suchten Zuflucht im Norden und Osten – dem traditionellen Heimatland der Tamilen auf der Insel. Andere verließen als Flüchtlinge das Land. Der Schwarze Juli markierte eine Eskalation des Konfliktes zu einem ausgewachsenen Krieg, in dem der tamilische bewaffnete Widerstand, der von den Liberation Tamil Tigers of Tamil Eelam (LTTE) angeführt wurde, die überwältigende Unterstützung der tamilischen Bevölkerung des Nordens und Ostens der Insel genoss.

Durch politische Polarisierung und militärische Eskalation intensivierte sich der Konflikt auf der Insel in den beiden folgenden Jahrzehnten – mit sehr vielen Toten – vorwiegend unter den Tamilen. Erst als die Tamilen in militärischen Auseinandersetzungen ihre der singhalesischen Armee ebenbürtige militärische Stärke demonstrieren konnten, nahmen die Regierung Sri Lankas und die internationale Staaten-Gemeinschaft die tamilischen Friedensinitiativen ernst. Im Februar 2002 unterzeichneten die Regierung Sri Lankas und die Liberation Tigers of Talim Eelam (LTTE) ein 'Waffenstillstandsabkommen' und begannen Verhandlungen.

Alle größeren politischen Machtblöcke unterstützten direkt oder indirekt den sri-lankischen Verhandlungsprozess, da es keine militärische Lösung des Konfliktes geben könne. Aber, als besonders die deutsche Regierung und die Europäische Union praktische Maßnahmen ergriffen, um den Friedensprozess mit einer Verhandlungslösung zu fördern, hatten die USA und England andere Ziele. Während sie proklamierten, den Friedensprozess und eine Verhandlungslösung zu unterstützen, ergriffen die USA und ihre britischen Partner Maßnahmen, das militärische Gleichgewicht zu Gunsten der sri-lankischen Seite zu beeinflussen. Während Deutschland und die EU bestrebt waren, sorgsam auf die Parität der Verhandlungspartner zu achten, und damit den Verhandlungsprozess förderten, störten die USA und GB das militärische Gleichgewicht, indem sie das sri-lankische Seite mit Waffen versorgten und sie militärisch ausbildeten und gleichzeitig Maßnahmen ergriffen, die militärische Stärke der LTTE international zu unterminieren, sehr wohl wissend dass sie damit das militärische Gleichgewicht und damit die Grundlage des Verhandlungsprozesses gefährdeten.

Während die Verhandlungen zwischen der singhalesischen Regierung und der LTTE stetig voranschritten, vertieften sich die Spannungen zwischen den beiden Machtblöcken USA/GB und Deutschland/EU auf der anderen Seite und offenbarten einen tiefen Interessenkonflikt, nämlich zwischen Krieg und Frieden.

Am 18.März 2003 stand Sri Lanka nach 30 Jahren Blutvergießen kurz davor, einen dauerhaften Frieden zu erreichen. LTTE und Regierung Sri Lankas begannen in Hakone/Japan ihre sechste Verhandlungsrunde. Die offizielle Zeitung der sri-lankischen Regierung schrieb: Den Durchbruch versprechende Gespräche begannen heute morgen, am dritten Tag der sechsten Verhandlungsrunde als Regierung und LTTE sich dem den fiskalischen Aspekt der Machtteilung widmeten.

Doch die Welt war am Vorabend eines Krieges. Am selben Tag berichtete eine Zeitung: “Die rund um den Irak zusammengezogen militärischen Kräfte, bestehen aus über 300.000 kampfbereiten amerikanische und britische Soldaten. Die fast 1000 Angriffsflugzeuge wurden in den letzten Tagen mit Stealth F-117B Nighthawks verstärkt... Gerhard Schröder sprach vielen Europäern aus dem Herzen, als er sagte: 'Für mich bleibt die Frage: Rechtfertigt die Gefahr, die von dem irakischen Diktator (Präsident Saddam Hussein) ausgeht, einen Krieg , der den Tod von Tausenden unschuldigen Männern, Frauen und Kindern von Menschen bedeutet? Meine Antwort ist: Nein!'“
Dennoch, B 52 und B-2 Tarnkappen Bomber starteten von der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean, etwa 960 Seemeilen von Sri Lanka entfernt, und warfen Satelliten gesteuerte Bomben auf den Irak. Diego Garcia erwies sich als zu klein für militärische Aktionen diesen Ausmaßes. Der den Tamilen gehörende Hafen Trincomallee schien viel besser geeignet und näher für das Kriegsspektakel im Mittleren Osten. Georg Bushs 'Frage': Seid ihr für oder gegen uns? Hatte niederdrückende Konsequenzen für den Friedensprozess in Sri Lanka, da die sri-lankische Regierung bisher immer zustimmend auf alle US-amerikanischen Anfragen reagiert hatte, während eine streng unabhängige LTTE wohl kaum den USA erlaubt hätte, ihren Hafen Trincomallee als Basis für Militäroperationen gegen andere Staaten zu nutzen.

Die Neutralität einiger Vorsitzenden des Friedensprozesse (nämlich EU, USA, Japan und Verhandlungsführer Norwegen) - fundamental wichtig für den Erfolg der Verhandlungen – gerieten unter den Druck der Achse USA/GB letztendlich dazu führend, dass die EU von den Briten gezwungen wurde, die LTTE zu bannen, und damit den Friedensprozess abzuwürgen.
Was danach passierte, war der erste Genozid des 21. Jahrhunderts. Es ist jetzt drei Jahre seit der unbeschreiblichen Tragödie, die dem tamilischen Volk widerfahren ist. Täglich erreichen uns neue Fotos, die beweisen, welch brutaler Gewalt unsere Schwestern und Brüder 2009 ausgesetzt waren. Noch immer ist eine genaue Beschreibung der Ereignisse dieser letzten Wochen unmöglich, noch die exakte Zahl der Toten festgestellt. Es ist nur bekannt, dass das schreckliche Blutbad sich v.a. in den vier Wochen vor dem 18.Mai abspielte. Gordon Weiss, der damalige UN-Vertreter in Sri Lanka, sprach von „bis zu 40.000 “ getöteten Tamilen in den letzten Monaten. Vorliegende Beweise deuten dagegen auf 75.000 bis zu 146.000 Toten hin.

Der rassistische Terror im Juli 1983 und das genozidartige Massaker im Mai 2009 wird von manchen beschrieben als eine spontan und irrationale Verrücktheit, die die singhalesische Bevölkerung ergriffen habe. Sie erklären beide Ereignisse, den Schwarzen Juli 1983 wie auch die Übergriffe des singhalesischen Militär in Mullivaikal Mai 2009 als das Wüten singhalesischer Gangster. Aber wie Paul Sieghart von der Kommission internationaler Juristen 1984 sagte: “Dies war eindeutig kein spontaner Ausbruch von Rassenhass unter der singhalesischen Bevölkerung, noch war es, wie aus manchen Ecken behauptet, eine öffentliche Reaktion auf den Tod von 13 Soldaten. Es war eine Reihe vorsätzlicher Taten, die gemäß einem abgestimmten Plan ausgeführt wurden, der im Vorhinein erdacht und organisiert worden war.” Der Genozid 2009 folgte einem ähnlichen Plan, nur dass er von erheblich höchster Stelle inszeniert wurde. Die singhalesische Bevölkerung, die begann sich an den Ergebnissen des Friedensprozesse zu freuen, musste wieder auf Krieg eingestimmt werden.

Die US-amerikanischen und britischen Aktionen ermutigten die relativ schwachen singhalesischen extremistischen Kräfte in Sri Lankas selbst und sabotierten die internationalen Unterstützung für den Friedensprozess und förderten damit entscheidend die Bereitschaft für Krieg. Dabei spielte die Überlassung von hochentwickelter militärischer Ausrüstung durch die USA und die Briten zusammen mit ihrem Verbündeten Israel, eine wichtige Rolle. Mit der militärischen Eroberung tamilischen Gebietes wird die singhalesisch/ buddhistische Kolonisierung mit einer Geschwindigkeit vorangetrieben, die jeden Israeli erröten ließe.

Eine Schande zu sehen, dass die ursprünglich den Friedensprozess unterstützende deutsche Regierung unter britischem Druck zusammengebrochen ist. Nachdem sie die tamilische Diaspora bisher verhältnismäßig fair behandelte, beginnt sie jetzt – in Übereinstimmung mit der Genozid-Regime Sri Lankas -  tamilische Flüchtlinge zu verhaften. Diese Terror-Taktik muss beendet werden. Wirt Tamilen sind Gefangene in unsere eigenen Heimat. Und sind wir jetzt auch Gefangene in Europa? Wir Tamilen in der Diaspora in Deutschland und Europa appellieren in aller Ernsthaftigkeit an eure Solidarität von denen, die den Friedensprozess in Sri Lanka gefördert haben; von allen, die die Opfer der Zerstörung durch den Tsunami im Dezember 2004 unterstützt haben; Solidarität von denen, die gegen den Irak-Krieg protestiert haben!!!

Hoch die internationale Solidarität!!!!

"Our lives begin to end the day we become silent about things that matter."
Martin Luther King, Jr.

Mit Gedenken an die Opfer des Black July...


Quelle :

Video Geopolitische Intressen der USA in Sri Lanka:
 http://www.humanrights-server.org/index.php?option=com_content&;view=article&id=36%3Avideo-interview-mit-sivaram-dharmeratnam&catid=8%3Akampagnen-news&Itemid=10&lang=en
The People's Tribunal on Sri Lanka :
 http://www.ptsrilanka.org/
 http://www.friedenfuersrilanka.de/

Die Hintergründe des anti-tamilischen Rassismus in Sri Lanka :
 http://www.humanrights.de/doc_de/archiv/s/s_lanka/ohlay_3.html#Die%20Hintergr%C3%BCnde%20des%20anti-tamilischen%20Rassismus%20in

 http://www.blackjuly83.com/
 http://www.blackjuly.info/
Legacy of Black July pt1(Eng) Survivors & Witnesses:
 http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&;v=gkrnswmsNLk
Legacy of Black July pt 2(Eng) Survivors & Witnesses:
 http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&;v=Ws8ZaI9rlzE
Doku Sri Lanka Als (Urlaubs-) Paradies getarnte Hölle:
& nbsp;https://www.youtube.com/watch?v=tfWDzEVRL8A

You are here: Der Schwarze Juli ´83