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Drummond-Arbeiter von Paramilitärs bedroht

von amerika21.de
Streikende Kohlearbeiter werden von Paramilitärs zu militärischen Zielen erklärt. Streik ist momentan eingestellt
20.08.13

drummondValledupar. Anführer des Streiks gegen den US-amerikanischen Steinkohlekonzern Drummond sind in einem Kommuniqué  der Paramilitärs mit dem Tod bedroht worden. "Wir fordern den Abbruch jeder Aktivität zur Störung der sozialen Ordnung, wie Streiks oder Demonstrationen", heißt es in dem Schriftstück, das von der Gruppe "Los Rastrojos" unterzeichnet wurde. Die paramilitärische Vereinigung beschuldigt darin die Gewerkschafter, "kommunistische Doktrinen" zu verbreiten, und verspricht, die "Zerstörung der Staatspolitik durch die Guerilla-Gewerkschafter" zu verhindern.

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Die Morddrohung der Paramilitärs erfolgt inmitten eines Streiks von circa 3.000 Arbeitern der Drummond und Angehörigen der Gewerkschaft Sintramienergética, der am 23. Juli begann, nachdem die  Gespräche mit der US-amerikanischen Kohlebergbaufirma gescheitert waren.

Auch Menschenrechts- und Basisorganisationen wie das Anwaltskollektiv Alvear Restrepo und die Marcha Patriótica sowie linke Oppositionelle sind in dem Dokument zu militärischen Zielen erklärt worden. Die Drohung von Los Rastrojos konzentriert sich allerdings auf die Bergbau- und Metallindustriegewerkschaften Sintramienergética, Funtramienergética und Sintraime.

Diese Organisationen sollen "mit der subversiven Gehirnwäsche aufhören", denn dadurch griffen sie "die guten und edelmütigen Absichten der Regierung von Dr. Juan Manuel Santos im Hinblick auf den Frieden an" und stoppten "den von Multinationalen wie Glencore, Drummond, Pacific Rubiales und Anglo Gold Ashanti hervorgerufenen Fortschritt", die wie auch andere Konzerne Wohlstand und Arbeitsplätze schüfen, so der erste Punkt des paramilitärischen Kommuniqués.

Die Arbeiter der Drummond klagen allerdings, dass sie 12 Stunden am Tag sechs Mal die Woche unter harten Bedingungen arbeiten müssen und dennoch keinen festen Monatslohn hätten, sondern stundenweise bezahlt werden. Die 4.500 Leiharbeiter seien noch mehr benachteiligt, weil sie nur ein Viertel des Lohns der festen Angestellten bekämen. Ehemalige Angestellte von Drummond berichten, dass 24 von ihnen möglicherweise wegen des Kohlestaubs der Tagebauminen an Lungenkrebs gestorben sind. Außerdem gebe es mehr als 1.500, die krank sind. Darüber hinaus seien 19 Minenarbeiter wegen mangelnder Arbeitssicherheit gestorben.

In diesem Zusammenhang fordern die Streikenden der Drummond vor allem eine Lohnerhöhung von 10 Prozent, einen festen Monatslohn, die Verbesserung der Arbeitssicherheit, die Weiterbeschäftigung von 400 Hafenarbeitern und die Wiedereinstellung der 600 streikenden Arbeiter, die im Jahr 2009 entlassen wurden.

Sintramienergética hat das Angebot von Drummond über eine Lohnerhöhung um 5 Prozent abgelehnt, das die Firma nur mit Sintradrummond und Agretritrenes diskutiert hätte. Die zwei kleinen Gewerkschaften seien von dem US-amerikanischen Konzern selbst kreiert worden und repräsentierten nicht die Mehrheit der Angestellten, klagt César Flóres von Sintramienergética. Momentan sind die Gespräche zwischen Drummond und dem Arbeitergremium eingestellt.

Währenddessen fordern  Oppositionelle die Regierung auf, die von den Paramilitärs bedrohten Gewerkschafter zu schützen. In diesem Jahr hätten sie bereits eine Morddrohung bekommen, berichtet La Silla Vacía. Später sei Rubén Darío Morrón, einer der Gewerkschaftsführer, einen Tag vor dem Beginn der Gespräche mit der Drummond sogar einem Mordattentat entkommen.

Bereits im Jahr 2001 sind drei Gewerkschafter und Arbeiter der Drummond durch Paramilitärs ermordet worden. Heute sitzt Jaime Blanco Maya, ein Subunternehmer des Konzerns, deshalb im Gefängnis und eine gerichtliche Untersuchung gegen den CEO und andere Führungskräfte des Unternehmens ist wegen desselben Falls am Laufen.

Aus diesem Grund verlangen deutsche NGOs, dass Steinkohlekäufer des US-amerikanischen Unternehmens wie RWE, Eon, Steag, Vattenfall und EnBw ihre Geschäftsbeziehungen mit der Drummond überdenken sollen. Die deutschen und schweizer Energieversorger weisen diese Forderung jedoch zurück.

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