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Bericht von Gülaferit zu ihrer Lage in der JVA Berlin- Pankow vom 8.12.14

14.12.14

gülaferitDer Mensch kann nur mit seinen Gedanken, seiner Ehre und mit seiner Persönlichkeit zum Mensch werden.

An die Presse und die Öffentlichkeit

Wegen etwas Banalem kam ich am 18. September in das Pankower Gefängnis und bin jeden Tag mit  stärker werdenden Angriffen konfrontiert worden. Im Gefängnis, im Hof, bei der Arbeit, im Auto, während den Arztbesuchen und auf den Stationen bin ich mit heftigen Provokationen von anderen Häftlingen angegriffen worden. Obwohl ich mit Wärtern und Sicherheitsleuten gesprochen habe, haben sie sich dazu nicht geäußert und nichts dagegen getan. Man hat eher darauf gewartet und darauf gebaut, dass die Angriffe mehr werden.


Das sind die Häftlinge, die seit längerem in den Knästen sitzen. Sie sind eine Hand voll jämmerlicher Menschen, die vom Kapitalismus degeneriert sind. Es kann sein, dass die Angriffe gegen einen politischen Gefangenen bewusst oder unbewusst organisiert oder unorganisiert gemacht werden. Für mich sind das aber die Spürhunde des Kapitalismus.

Ich bin von zwei Häftlingen, die wegen eines Mordes im Knast sitzen, beleidigt worden. Man hat mich gemobbt und vom Gefängnis wurde ich als Schuldige dargestellt. Um gegen die Angriffe, die sich gegen meine Ehre richteten, abzuwenden habe ich mit dem Arbeiten aufgehört. Die Gefängnisleitung hat sich dazu nicht geäußert und hat zugesehen, wodurch der psychologische Druck noch stärker geworden ist.

In meiner Zelle konnte ich einen Monat lang kein Fernsehen schauen und die Gefängnisleitung sagte, dass es mehrere Monate in Anspruch nehmen würde dies reparieren zu lassen. Deshalb bin ich auch aus meiner Zelle in eine andere Zelle verdrängt worden. Ich konnte meinen Arzt nicht mehr besuchen. Meine Zeitungen sind mir nicht gegeben worden. Nachdem ich in eine andere Zelle umgezogen bin, hat man auch sofort den Fernseher repariert und man sagte mir, dass ich eine Woche später wieder in meine alte Zelle zurück kann.

Ich verurteile die ganzen Angriffe, die vor den Wärtern und vor den Kameras passieren und die mich und meine politische Identität betreffen.
Es ist legitim meine politische Identität und die Menschenrechte zu verteidigen. Die Gefängnisleitung ist für die ganzen Provokationen und für alle Angriffe verantwortlich.

- Psychische Gewalt,
- Druck auf Gefangene ausüben,
- Provokationen organisieren,
- Lügen, Lästern, Intrigen spinnen,
- Gefängniswärter und Gefangene aufhetzen,
- Mobben
sind VERBRECHEN.

Dies alles sind ein Teil des psychologischen Krieges gegen die politischen Gefangenen. Da sie 3 Jahre lang mich nicht physisch isolieren können, versuchen sie es jetzt psychisch zu tun.
Die Gefängnisleitung hat mit der Aussage „Wenn du dich nicht sicher fühlst, können wir deine Zelle zu machen und kannst du in den Hof alleine gehen.“ gezeigt, dass Isolation mehrere Gesichter hat.

DER ZWECK:
- dass ich alleine bin,
- psychisch mich fertig zu machen,
- die Entpersonalisierung,
- der Zweck der kapitalistischen Kultur ist es die Ehre und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verfälschen,
- meinen Willen und meinen Widerstand zu brechen,
- mich zu brechen.

Außerdem wurde eine Kraftprobe auf mich ausgeübt worden.
Ihr werdet politische Gefangene nicht in den kapitalistischen Sumpf reinziehen, in dem ihr sie isoliert, ihnen hohe Strafen gibt, andere Häftlinge aufhetzt oder mobbt.
Ihr werdet unsere politische Identität nicht zerbrechen können. Die Gefängnisse sind dafür da, um Häftlinge zu entehren, sie der Menschlichkeit zu berauben, aber ihr werdet nicht Marionetten dieses Systems machen können.
Um die Häftlinge zu brechen ist eine erpresserische Methode zu sagen, dass man arbeiten muss oder dass man in den offenen Vollzug verlegt werden kann.

Viele der Gefangenen werden dadurch Billigkräfte und Sklaven der Gefängnisleitung und deswegen sind auch die Gefängnisse ein offenes Abbild des Kapitalismus, da die Verhältnisse in den Gefängnissen offen gesehen werden können.

Es ist ein Aufruf an alle Gefangene:
Werdet nicht Sklaven und Marionetten des Kapitalismus.
Ihr werdet nichts davon haben, wenn ihr politische Gefangene angreift.
Werdet Feinde des Kapitalismus, der immer wieder versucht euch zu entehren, wegen dem ihr in den Knästen sitzt, euch aus euren Familien und von euren Kindern weggerissen hat.

Verteidigt eure Ehre und Würde.
Leistet Widerstand gegen Unterdrückung.
Durch unsere Würde und unsere Arbeit können wir ein neues Leben und eine Zukunft aufbauen.

Der Kapitalismus spricht den Frauen zu: „Drogen, Prostitution, Entfremdung, Ignoranz und apolitisch sein“. Deswegen sind revolutionäre Frauen und Männer ein schlechtes Beispiel für den Kapitalismus. Damit die schlechten Beispiele nicht mehr werden, werden wir isoliert und bekommen hohe Strafen. Durch dieses Verhalten in den Knästen verschlimmert sich unsere Lage. Bis heute sind sie durch ihren Druck, den sie ausgeübt haben, nicht weiter gekommen und sie werden es auch nicht schaffen.
Alle sollen es wissen: Jede Gewalt, der ich ausgesetzt bin, stärkt mich.

Liebe Grüße
Gülaferit Ünsal

JVA Pankow
Arkonastra.56
13189 Berlin

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