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Freiheit für Gary Tyler

08.05.16

g.tylerAm 29. April verließ Gary Tyler im Alter von 57 Jahren das berüchtigte Louisiana State Penitentiary als freier Mann. Tyler hatte sein gesamtes Erwachsenenleben in dem Hochsicherheitsgefängnis des gleichnamigen amerikanischen Bundesstaats verbracht, das auch „Angola“ genannt wird. Er saß für ein Verbrechen ein, das er nicht begangen hatte.

Sein Fall gehört zu den brutalsten Justizkomplotten der neueren amerikanischen Geschichte. Seine staatliche Verfolgung ist ein Beispiel für den gewalttätigen und repressiven Charakter der Klassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten und für das antidemokratische Wesen des US-„Rechts“systems.
Die Workers League und die Young Socialists, die Vorläuferorganisationen der Socialist Equality Party (SEP) und der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), führten den Kampf um die Freilassung Gary Tylers an. Unsere Bewegung kämpfte auf nationaler und internationaler Ebene, um die Arbeiterklasse zu seiner Verteidigung zu mobilisieren. Dabei betonten wir, dass es in der Verschwörung gegen ihn im Wesentlichen um Klassenfragen ging. Das Komplott war ein Angriff auf die Arbeiterklasse als Ganze.
1974, als Tyler 16 Jahre alt und Schüler an der Destrehan High School in einem Außenbezirk von New Orleans war, wurde er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Man beschuldigte ihn, den 13-jährigen weißen Schüler Timothy Weber am 7. Oktober erschossen zu haben. Der Mord geschah in einer von Rassenspannungen aufgeladenen Atmosphäre, die von Elementen wie David Duke geschürt wurde, der damals zu einer führenden Figur im Ku-Klux-Klan in Louisiana und ganz Amerika aufstieg. Heute unterstützt Duke den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Anlass der damaligen Spannungen war die Entscheidung eines Gerichts, die Rassentrennung in Destrehan und anderen High Schools aufzuheben.

Tyler gehörte zu einer Gruppe afroamerikanischer Schüler an der Destrehan High School, die an diesem Tag wegen der angespannten Situation an der Schule früher nach Hause geschickt wurden. Als der Schulbus davonfuhr stand Weber bei zahlreichen weißen Schülern und Erwachsenen, die Schimpfworte riefen. Plötzlich fiel ein Schuss, der Weber tödlich traf.Tyler wurde von der Polizei willkürlich herausgegriffen und ins örtliche Gefängnis gebracht, wo er brutal misshandelt wurde.
Man hielt ihn ein Jahr lang im Gefängnis fest, bis er 17 war und dem Erwachsenenstrafrecht unterlag. Die Anklage, die auf Mord ersten Grades lautete, bedeutete die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl. Der neuntägige Prozess war eine Farce. Während der Spurensicherung konnte keine Tatwaffe gefunden werden. Nachträglich wurde eine Pistole als Mordwaffe präsentiert, die von einem Schießstand der Polizei „verschwunden“ war und die später wieder verloren ging. Der Richter war Berichten zufolge Mitglied des White Citizen Council, einer Organisation, die die Vorherrschaft der Weißen propagierte.
Die einzigen „Beweise“ gegen Tyler waren Zeugenaussagen von weißen und schwarzen Schülern, die beim Prozess ihre Aussagen widerriefen. Einige erhoben den Vorwurf, sie seien eingeschüchtert und von der Polizei bedroht worden, damit sie gegen Tyler falsch aussagten.
Eine Jury, der nur Weiße angehörten, verhängte gegen Tyler am 1. Mai 1976, fast genau 40 Jahre vor seiner Entlassung, die Todesstrafe. Im „Angola“ verbrachte er zwei Jahre in der Todeszelle. Zu der Zeit war er der jüngste Todeskandidat in den USA. Erst nach einem Urteil des Supreme Court im Jahr 1977, dass die gesetzlichen Bestimmungen des Staates Louisiana zur Todesstrafe verfassungswidrig seien, wurde das Todesurteil in lebenslängliche Haft ohne Bewährung umgewandelt. Die Justiz von Louisiana übte Vergeltung, indem sie den jungen Mann acht Jahre in Einzelhaft hielt.
Obwohl das Berufungsgericht des Fünften Gerichtsbezirks der Vereinigten Staaten geurteilt hatte, dass der Prozess gegen Tyler verfassungswidrig und „von Grund auf unfair“ war, wurde seine Freilassung abgelehnt und es wurde ihm auch kein neuer Prozess gewährt. Die Generalstaatsanwälte von Louisiana, Texas und Florida appellierten stattdessen an das Gericht des Fünften Bezirks, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Ihre Befürchtung war, dass ein neuer Prozess für Gary eine ganze Reihe ähnlicher Justizkomplotte im Süden platzen lassen könnte. 1981 hob das Appellationsgericht sein eigenes Urteil wegen eines Formfehlers auf.

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