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Der anarchistische Genosse Gabriel Pombo ist endlich außerhalb der Mauern – C.N.A., 10. Juni 2016

13.06.16

gabreil frei„Der Anarchismus betrifft das Individuum, nicht nur der Gemeinschaft sondern sich selbst gegenüber. Der Anarchismus wendet sich nicht an den „Bürger“ sondern an den Menschen.“ – Albert Libertad –



Liebe Genoss_innen

Endlich, nach vielem Hin und Her vom Knast und den Gefängnisbehörden, haben sie sich verpflichtet gefühlt, ihre eigenen Gesetze zu befolgen, die sie sonst stets verletzen und ich bin hier endlich in Freiheit, richte diese ersten Worten der Dankbarkeit und Liebe an alle, die ihr mich diese letzten 30 Jahre begleitet und in meinem eigenen anarchistischen Glauben bestärkt habt und dabei die elementaren Prinzipien des Anarchismus, gegenseitige Unterstützung und Solidarität, verwirklicht habt. Das hat mich schließlich aus den Klauen der Gefängnisbestie befreit, gegen die ich auf der Straße weiter kämpfen werde, ohne die persönliche Schlacht zu vergessen, die draußen geschlagen wird, da es für mich kaum Unterschiede zwischen dem einen System und dem anderen gibt.

Ich weiß sehr genau, dass ich, noch Teil all dessen, sehr privilegiert bin, da ich auf die Unterstützung von Genoss_innen zählen konnte. Es gibt viele, die nicht von dieser Chance profitieren können. In den kommenden Tagen werden wir Kommuniqués herausbringen, die schon über die spezifische Materie unserer Bewegung und möglicher Strategien eintreffen, die wir entwickeln müssen, um den ganzen Institutionalismus und buen-rollismo (d.Ü.: good vibes?) des revolutionären Anarchismus unserer Älteren/Vorkämpfer_innen/Vorgänger_innen zu erneuern.

Ich möchte festhalten, dass ich niemals unsere libertären Genoss_innen vergessen werde, die im spanischen Staat und auf der Welt gefangen gehalten werden, besonders Mónica, Francisco, Claudio und die zuletzt in Haft genommene Genossin/die letzte in Haft genommene Genossin, die an Deutschland ausgeliefert werden wird, wobei ich viele außer Acht lassen, die ich nicht namentlich erwähne.

Es bleibt viel zu tun, das ist gewiss, aber letztlich wird es nicht bei Lust, Vorfreude und Entschlossenheit bleiben. Ich werde hier nicht auf die niederträchtigen Versuche der Gefängnisleitung, meine Entlassung zu verhindern, eingehen. Das werden wir mit offiziellen Schreiben dokumentieren, in denen sich eindeutig zeigen wird, wie grob und wirr die Justiz dieses Landes ist. Ich bin frei und so wie es aussieht beabsichtigen sie, mich in 45 Tagen von Neuem einzusperren, von Neuem ihre Hunde auf mich loszulassen. Selbstverständlich werde ich weder freiwillig in den Knast gehen, noch mit dem „Gesindel“ paktieren, mich auf irgendeine ausgehandelte Entlassung einlassen. Daher nehme ich an, dass mir nicht mehr bleibt, als aus dem Schatten zu kämpfen, diejenigen Prozesse und antiautoritären Projekte unterstützend, die voranzutreiben ich für nötig halte, mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, bis hin zum Untergrund in den sie mich treiben.

Alle Menschen und Organisationen zu erwähnen, die mich während all dieser Jahre unterstützt haben, ist unmöglich, es sind zu viele. Ich möchte nur, dass ihr wisst, dass ihr heute, morgen und immer auf mich zählen könnt, wenn es um den Anarchismus und die soziale Revolution geht. Heute, von einem Aufenthaltsort außerhalb der Mauern, schicke ich Berge von Grüßen.

Gabriel Pombo da Silva

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Ein kleines Gedicht, die verbesserte Version hat Mónica in ihrer Zelle

1. Akt (Vorspiel)

Ich entdecke in jedem Gestirn ein Teil meiner ursprünglichen yoedad:
Wasser, Sauerstoff, Wasserstoff, Mineralien, Aminosäuren

Ein Wassertier, Reptil, Säugetier sein; Homo Sapiens Sapiens: Sternenstaub

Mensch der seine Herde und seine sklavische Moral leugnet. Mörder der
Götter. Ewiger Gott an meiner statt, Bruder der Einzigen. Ares, Gott des
Krieges, Giordano Bruno und Nietzsche.

Dichter und Enteigner eines alten Geschlechts: Renzo Novatore, Severino
di Giovanni, Durruti und Sabaté

Zum Tode verurteilt wie Augustín Rueda und Puig Antich. Blut der Ketzer
und Gotteslästerer.
Sprecht nicht mit mir Kinder! Sprecht nicht mit dem, der euch empfiehlt
zu leiden und den Schmerz zärtlich zu empfangen, als Teil des Prozesses
und der Erfahrung, die uns befreit!

Wir sind Sternenstaub… Partikel dieser wunderbaren Weite. Nichts hält
uns auf, im Leben und Sterben erzeugen wir Supernoven

Bruder Insekt, Flechten der Erde, Erdbeben. Körper, die sich formen um
sich ihrem Lebensraum anzupassen…

Welch Ironie, dass eine falsche Interpretation der Werke Platons und
Aristoteles’ zum Ergebnis hatte, dass die Spezies, die sich von weitem
in ihren Kulturen zeigt, sich freiwillig ihren metaphysischen Fiktionen
unterwarf!

Ein schmutziger Wurm der Mensch, der Gottesfurcht toleriert und sich auf
der Suche nach Befreiung den Magiern und Theologen in die Arme wirft!!

Es gibt keine Befreiung, nur Oxidation, Tod, Lebensphase. Nicht einmal
Mahnung an jemanden: mein zerstörerischer Nihilismus hat ein Monster
erschaffen.

Ich sehe mit Reptilienaugen, agiere wie eine Katze, bin der nächtliche
Uhu und der Stier, der sein Territorium einfordert.

Morgen…Kind…wenn du alt wirst auf dem Pfad des Krieges und der
Anspannung, wirst du in deinen Pupillen zwei Sonnen einschließen. Deine
Sporen werden zu neuen Blumen des Schlechten aufkeimen.

Das ist der ganze Sinn; Poesie Liebe und Tod



2. Akt (Schlussfolgerung)

Aus dieser Höhe kann ich die Augen all meiner Vorfahren sehen. Ich danke
euch für das Vermächtnis, und dir, Mutter, mein Fleisch, meine
barbarische unzivilisierte Herkunft.

Und was nun? Ich habe gelernt eine Sprache zu sprechen, die niemand
kennt. Ich habe gelernt Titanen der tausendjährigen Indoktrinierung zu
schlagen

Ich spreche mehr mit den Gestirnen als mit den Menschen. Ich spreche
mehr mit den Toten als mit dem Lebenden. Es fehlt mir nur ein Wolf zu
sein, der auf dem Berg umherstreift um den Vollmond anzuheulen.

Ich möchte aufhören zu sprechen. Nichts sein als innere Erregung. Wilde
Blicke. Körper, die sich ineinander verflechten. Münder dir nur den
Zweck haben zu küssen. Körper, die sich aufmachen diese nichtige
Schöpferin der Ewigkeit zu lieben.

Wörter öffnen nicht nur Wege, sie versperren sie auch.

Gabriel

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