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Versuch einer kurzen Rezension

31.08.16

ulrikeK. Lehto-Bleckert: Ulrike Meinhof 1934-1976, Tectum-Verlag, 39,50 €

Lehto-Bleckert ist eine finnische Wissenschaftlerin und hat in ihrer Dissertation nach 10 Jahren Recherche ein 714seitiges Buch mit 1809 Fußnoten verfasst.
Allein der Untertitel des Buches „Ihr Weg zur Terroristin“ ist abschreckend und entlarvend.
Der Nutzen, der Gebrauchswert, ist für Menschen, die anfangen zu kämpfen oder schon kämpfen, eher gering.


Die Autorin kommt aber wegen ihres wissenschaftlichen Status an Quellen heran, die Anja Röhl, Jutta Ditfurth und Anderen verwehrt waren.
So musste Anja Röhl den Titel ihres Romans über Ulrike ändern, denn eine ihrer Halbschwestern hat im Vorfeld juristische Schritte angedroht, wenn nicht alle Passagen aus dem Manuskript entfernt würden, in denen Anjas Beziehungen zu ihren Halbschwestern geschildert werden. Für uns ist dieses Vorgehen ein klarer Vorfall von Zensur.
Da das Buch so umfangreich ist, gibt es eine Übersicht von Themen wie z. B. die Heimerziehung oder den Iran, mit denen sich Ulrike theoretisch und praktisch beschäftigt hat.
Das wäre ein Grund, da mal rein zu schauen, um sich heute mit diesen Punkten genauer zu befassen.
Auch wird der männliche Blick der staatstragenden Rezeption auf Ulrike von Lehto-Bleckert kritisiert, die z. B. von Röhl, dem ehemaligen Ehemann von Ulrike.
Der behauptet nämlich, Ulrikes Entscheidung für den politisch-militärischen Kampf in den Metropolen sei eine isolierte, irrationale oder fremdbestimmter Entscheidung gewesen.
Ulrikes Entscheidung aber, mit anderen GenossInnen, die RAF 1970 zu gründen, um den politischen und militärischen Kampf in den reichen Staaten, im „Herzen der Bestie“, zusammen mit den Befreiungskämpfen auf den 3 Kontinenten in Lateinamerika. Afrika und Asien, für die Befreiung aller Unterdrückten, zu führen, ist aber eine politische und nach- vollziehbare bewußte Entscheidung gewesen!
Dass Röhl sich heute als Reaktionär positioniert, erwähnt die Autorin allerdings nicht.
Vergegenwärtigen wir uns noch mal:
die Lebensbedingungen in der „3. Welt“ haben sich für die überwiegenden Teile der Bevölkerungen, auch in den reichen Staaten des Nordens, den Metropolen, seit Ulrikes ungeklärtem Tod am 9. Mai 1976 im Knast in Stammheim noch verschlechtert.
Ulrike hat Zeit ihres Lebens für Befreiung gekämpft.
Um aber was Authentisches zu Ulrike zu erfahren, gibt es Material von Jutta Ditfurth, Anja Röhl, Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen oder von ihr selbst.

Der erste Schritt, sich solidarisch mit Ulrike auseinander zu setzen, wäre es, die unten genannten Texte zu lesen:

Jutta Ditfurth
Ulrike Meinhof: die Biografie

Anja Röhl:
Die Frau meines Vaters
Erinnerungen an Ulrike, Edition Nautilus; 160 Seiten; 18 €.

Eine kurze Einführung in die Geschichte der RAF
Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen

Gefangenen Info 383 und 387
Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen

 RAF Archiv – Archiv zur Geschichte der Roten Armee Fraktion
www.socialhistoryportal.org/raf

Erschienen:
gefangenen info 395, November 2015

Aktuelles zu Ulrike: GI 399 + 401

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