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2. Juni 1967 oder welche Bedeutung hat dieser Tag heute noch für uns und für einen neuen Aufbruch?

08.05.17

2.6.6Eine Veranstaltung mit Zeitzeug*innen
am Mittwoch, den 31. Mai 2017, 19.00 Uhr, in Hamburg in der B5., Brigittenstraße 5
im Rahmen des "Cafe Internationale Solidarität"
und
am Donnerstag, den 1. Juni 2017, um 19.00 Uhr, in Bremen im Kommunikationszentrum „Paradox“, Bernhardtstr.12.

Hintergründe
Vor 50 Jahren reiste der Schah von Persien im Mai/Juni des Jahres 1967 als Gast der damaligen Bundesregierung unter dem ehemaligen Nazi Kiesinger in die BRD und nach West-Berlin.
Dank auch durch einen Artikel von Ulrike Meinhof in der Konkret 6/67 „Offener Brief an Farah Diba“ gab es authentische Informationen über dieses Land:
„Die meisten Perser sind Bauern mit einem Jahreseinkommen von weniger als 100 Dollar. Jedes zweite Kind stirbt an Hunger, Armut und Krankheit.
30 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung...“

Gegen diese Ausbeutung gab es immer Widerstand in Persien
1953 wurde die gewählte Regierung Mossadegh dank tatkräftiger Hilfe der USA weggeputscht und durch den Schah ersetzt. 19 Millionen Dollar soll die CIA dafür allein bezahlt haben.
Der Schah regierte seitdem diktatorisch, ernannte die Parlamentarier, es herrschte Zensur und Folter.
So waren die Bedingungen geschaffen, dass das Schah-Regime ein wichtiger Stützpunkt des US-Imperialismus und der NATO war, der auch den sicheren Zugriff auf das Erdöl garantierte .

Der Widerstand formiert sich auch hier
Ulrike Meinhof kommentierte später in einem Fernsehbeitrag diese Ereignisse:
„Bevor der Schah von Persien in die BRD kam, wussten wir erst wenig über Iran, wenig über unser eigenes Land. Als die Studenten auf die Straße gingen, um die Wahrheit über Persien bekannt zu machen, auf die Straße, weil ihnen eine andere Öffentlichkeit als die Straße nicht zu Verfügung stand, da kam auch die Wahrheit raus, über den Staat, in dem sie selbst leben. Da kam heraus, dass man einen Polizeichef nicht empfangen kann, ohne selbst mit dem Polizeistaat zu sympathisieren“
Durch Demonstrationen in mehreren Städten gegen den despotischen Schah wurde unsere Kritik an ihm einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, ebenso wurde dadurch auch die Kooperation der hiesigen Bundesregierung mit ihm deutlicher.
Auf diese Tatsachen reagierte dieser „demokratische Rechtsstaat“ mit Repression und Mord. So gingen mit Duldung der hiesigen Behörden Agenten des Schah-Geheimdienst SAVAK brutal gegen Demonstrat*innen vor. Ein deutscher Polizist, Kurras, erschoss Benno Ohnesorg, einen Demo-Teilnehmer in West-Berlin am 2. Juni 1967. Benno wollte sich vor der angreifenden Polizei in Sicherheit bringen, flüchtete in einen Hinterhof und wurde erschossen, obwohl er niemanden bedroht oder angegriffen hatte.

2009 wurde Kurras als Mitglied der SED und der STASI enttarnt. Die bürgerliche Meinung versuchte dadurch vergeblich, die Verantwortung für dieses Verbrechen los zu werden. Offensichtlich stand die Tat nie zur Beurteilung,sondern es ging den Herrschenden wegen Kurras DDR-Verbindung nur darum, sich von jeglicher Schuld rein zu waschen .
Dieser Mörder Kurras wurde damals wie 2009 nie verurteilt. Denn dieser Staat „sympathisierte mit dem persischen Polizeistaat", wie es Ulrike formuliert hatte.
Viele, vor allem jüngere Menschen begriffen jetzt, in was für einem Land sie lebten. Mit anderen Worten: sie politisierten sich und begehrten gegen dieses System auf..
Rolf Heißler, der sich später der RAF anschloss, sagte: „mein leben beginnt eigentlich erst am 2. 6. 67, dem tag der ermordung von benno ohnesorg.....
seine ermordung war für mich der anlaß, mich mit diesem staat und meinem oberflächlichen heile-welt-bild zu beschäftigen. noch lief ich ziemlich allein durch die gegend, machte ohren und augen auf, ging zu teach-ins und veranstaltungen und erfuhr alles neu. ich lernte erstmals die geschichte und die welt aus dem blick der ausgebeuteten und unterdrückten kennen, in der schule und zu hause, war das total ausgeblendet gewesen...“
Die Erschießung Ohnesorgs war ein Fanal für Viele der jüngeren Generation: sie begriffen, was für ein Staat die BRD ist - kein demokratischer Staat, sondern autoritär, der nie mit dem Faschismus gebrochen hatte, denn viele ehemalige Nazis wie neben Kiesinger (Bundeskanzler), Lübke (Bundespräsident), Globke (Bundeskanzleramt) , Buback (Generalbundesanwalt) oder Schleyer (Kapitalistenfunktionär), übten wichtige Funktionen im sogenannten Rechtsstaat aus. Die Regierung der BRD war natürlich für das Folterregime Persien ein wichtiger Handelspartner.

Wie sieht es heute aus
Die Lebensbedingungen in der „3. Welt“ haben sich für die überwiegenden Teile der Bevölkerung verschlechtert, aber auch in den reichen Staaten des Nordens, den Metropolen, in den letzten 50 Jahren auch dort teilweise verschlimmert.
Benno Ohnesorg war nicht der letzte Demonstrant, der eine Demo nicht überlebte.
Ulrike Meinhof, die 1970 die RAF mitgründete, überlebte den Knast nicht. Obwohl unabhängigen Gutachter*innen von einem Fremdverschulden ausgehen, wird ihr Tod von den Herrschenden immer noch als Selbstmord bezeichnet. Die RAF intervenierte politisch und bewaffnet mit anderen Stadtguerillagruppen aus der BRD wie z.B. der Bewegung 2.Juni, Westeuropa z.B. mit Action Directe aus Frankreich und Nordamerika in den kapitalistischen und imperialistischen Staaten, in den „Herzen der Bestie“. Sie führten diesen Kampf  aber auch zusammen für die Befreiung aller Unterdrückten mit militanten Bewegungen aus Lateinamerika (Tupamaros aus Uruguay), Naher Osten ( Volksfront für die Befreiung Palästina (PFLP) und Asien (Vietkong aus Südvietnam) u.a.
Es gibt immer noch Genoss*innen, die aus den Befreiungskämpfen der sechziger und siebziger Jahre kommen und die immer noch inhaftiert sind.
Stellvertretend sind hier genannt: Mumia-Abu-Jamal (Black Panther Party (BPP), Journalist und Bürgerrechtler), Lenard Peltier (American Indian Movement (AIM)) in den USA sowie Georges Ibrahim Abadallah (Marxist, antiimperialistischer Kämpfer für ein freies Palästina) in Frankreich.

Wir berichten heute über den 2.Juni 1967.
Wir stellen damit auch die Frage, was hat der damalige gesellschaftlicher Aufbruch mit den heutigen Kämpfen z.B gegen den G20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg zu tun? Wo sind unsere Berührungspunkte mit den emanzipatorischen Kämpfen von damals mit heute? Welche Bedeutung hat die damalige Zeitepoche für uns heute noch und für einen neuen Aufbruch?
Das heißt für uns: revolutionäre Geschichte aneignen, verteidigen und weiter entwickeln!
Das ist die Basis für einen weiteren und neuen Aufbruch für unsere Befreiung hier und international!

Gruppe Vorwärts und nicht vergessen – die Solidarität!


V.i.S.d.P.: A.Müller, Bremen

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