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Geschwächt, aber erfolgreich

06.06.17

yusuf.164 Tage hungerte der Gefangene Yusuf Tas für das Recht auf Kommunikation in seiner Muttersprache

Von Claudia Wangerin junge Welt 6.6.2017

Die Freude der Unterstützer von Yusuf Tas war groß, als sie eine geplante Solidaritätskundgebung vor Baden-Württembergs Landesvertretung in Berlin am Freitag an Ort und Stelle absagen konnten: Nach 64 Tagen hatte der türkische linke Aktivist seinen Hungerstreik im Haftkrankenhaus Hohenasperg beendet. Der Gefangene habe sein Anliegen durchgesetzt, auf türkisch telefonieren und Briefe schreiben zu dürfen. Dies bestätigte die Berliner Grünen-Politikerin Canan Bayram ebenfalls am Freitag nach einem Besuch bei Tas gegenüber junge Welt. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, er werde aber rund zwei Wochen brauchen, um sich wieder an eine normale Ernährung zu gewöhnen und müsse dabei ärztlich überwacht werden.

Yusuf Tas war 2015 zu sechs Jahren Haft verurteilt worden – wegen Mitgliedschaft in einer Organisation, die in der BRD als terroristisch eingestuft ist, obwohl selbst der Verfassungsschutz einräumt, dass sie in Deutschland und Europa gewaltfrei agiert: der türkischen DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front).

Unter Verweis auf die Dolmetscherkosten hatte die Leitung der JVA Heimsheim Yusuf Tas die Kommunikation mit der Außenwelt in seiner Muttersprache verweigert. Deshalb war er am 30. März in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Rund 20 Kilo hatte der zuvor normalgewichtige Mann dabei verloren, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, die Appelle wurden dramatischer.

Am 30. Mai hatte ein Solidaritätskomitee das Berliner Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele besetzt. Von dem 77jährigen, der zum linken Flügel der Grünen gezählt wird und jahrzehntelange Erfahrung als Strafverteidiger hat, hatten sie sich eine erfolgreiche Intervention bei den verantwortlichen Stellen erhofft. Ströbele hatte sich dann auch gesprächsbereit gezeigt und das zuständige Justizministerium in Baden-Württemberg angeschrieben. Seine Parteifreundin Canan Bayram hatte umgehend eine Besuchserlaubnis für Tas beantragt, um sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen. Die Besetzung des Wahlkreisbüros war daher am Mittwoch nach einem Tag beendet worden. Weitere Solidaritätsaktionen wurden geplant. Angesichts der Nachricht vom erfolgreichen Ende des Hungerstreiks wollten die Aktivisten am Freitag in Berlin aber lieber mit Baklava feiern, als die angemeldete Kundgebung vor Baden-Württembergs Landesvertretung abzuhalten.

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