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„Wir sind keine Kriminellen!“

07.01.18

fluchtursachenWas wollen die streikenden Flüchtlinge in Deggendorf? – ein Interview mit Joseph Alpha
Am 15 Dezember traten über 200 Menschen von Sierra Leona in einem bayrischen „Transit-Zentrum“ in Deggendorf in einen „Streik der geschlossenen Türen“. Kinder und Jugendliche gingen nicht mehr zur Schule, Erwachsene bestreikten ihre 80-Cent-Jobs. Am Samstag, den 16.12 starteten sie sogar einen Hungerstreik und organisierten eine Demonstration am Mittwoch den 20.12. Neonazis planten einen Gegen-Protest. Was sind ihre Forderungen?
Wir haben mit Joseph Alpha, einem der protestierenden Flüchtlingen gesprochen.


PO: Warum habt ihr euren Protest gestartet?
Joseph: Sie wollten einen unserer Kollegen nach Italien Abschieben. Um 3 Uhr kam die Polizei um ihn zu holen. Auf dem Weg zum Flughafen behandelten sie ihn brutal. Als sie dort auf dem Weg zum Flugzeug waren, war es noch schlimmer – wie Folter. In vielen Fällen, wenn sie Menschen nach Italien zurückbringen, haben sie innere Blutungen, wenn sie dorthin kommen. Am Flughafen beobachtete ein Journalist die Situation und schaffte uns im Camp über die Situation zu informieren. Wir haben in unserem Lager viel Lärm gemacht, also kam die Polizei. Wir haben seine Freilassung gefordert – dann haben sie ihn freigelassen. Aber er musste alleine zurückkommen. Als er ankam, hatte er Blut am ganzen Körper. Nach diesem Vorfall begannen wir unseren Protest
Ihr habt eine Erklärung veröffentlicht, dass „die ganze Welt wissen sollte, wie Deutschland Einwanderer behandelt“. Was sind die Hauptprobleme, unter denen ihr leidet?
Wir fordern, die Abschiebungen nach Italien und Sierra Leone zu stoppen. Besonders Kinder, kranke Leute und beschnittene Frau. Außerdem fordern wir Schul-Möglichkeiten für uns. Dies ist wichtig, um sich in die Gemeinschaft integrieren zu können. Die Qualität des Essens ist sehr schlecht. Wir brauchen eine Kücheneinrichtung – damit wir für uns selbst kochen können. Indem sie uns diese Gelegenheit nicht geben, verhungern sie uns zu Tode. Auch verstehen wir nicht, was die Sicherheit-Leute im Camp sagt, also wollen wir Leute, die mit uns kommunizieren können. Zuletzt sind die Sanitäranlagen und die Hygiene insgesamt sehr schlecht. Wir müssen mit 8 Personen in einem winzigen Zimmer leben.

Wie viele Leute schließen sich dem Protest an?
Am Anfang waren wir 209 – nur Leute aus Sierra Leone. Aber jetzt sind wir fast 250, weil andere Nationalitäten beigetreten sind: Gambianer, Araber, Senegalis.
Eine Neonazi-Gruppe wollte am Samstag, dem 23.12 gegen euch protestieren. Was ist an diesem Tag passiert?
Wir haben von dieser Demonstration nichts gesehen. Aber es kamen viele deutsche Unterstützer mit einer Demonstration zu unserem Camp. Sie waren sehr nett, sie tanzten und feierten mit uns. Das haben wir wirklich genossen.

Was sind die wichtigsten Gründe um Sierra Leone zu verlassen?
Wir haben verschiedene Gründe. Einige flüchteten wegen politischer Einschüchterung. Wir haben ein Zwei-Parteien-System in Sierra Leone und immer wenn eine Partei in der Macht ist, wird die andere eingeschüchtert. Einige sind aufgrund von Belästigung durch die Polizei geflohen. Einige Frauen wegen der Genitalverstümmelung.
Wie ist die aktuelle Situation eures Protestes?
Wir haben am Freitag, dem 15. begonnen zu protestieren. Wir sagten, wir würden weder zur Schule noch zu den 80-Cent-Jobs gehen. Wir sind am Samstag, den 16. bis zum Mittwoch den 20., in einen Hungerstreik getreten. An dem Tag haben wir eine Demonstration in Deggendorf organisiert. Wir hatten eine friedliche Demonstration, wir sind keine Kriminellen. Am Donnerstag haben wir mit Verhandlungen begonnen, also haben wir unseren Hungerstreik gestoppt. Aber der Schul- und Arbeitsstreik werden weitergehen und wir sind jederzeit bereit, den Hungerstreik wieder aufzunehmen. Jetzt wegen Weihnachten wurden die Verhandlungen gestoppt, aber wir hoffen, dass wir bald Resultate haben werden. Sie haben versprochen, niemanden abzuschieben, bis wir die Verhandlungen beendet haben.
Ergänzung:
Diese letzte Antwort ist durch zeitliche Überschneidung (Übersetzung und Rücksprache) überholt.
In einer aktuellen Pressemitteilung vom Abend des 27.11 schreiben die Geflüchteten:
„Aus den heutigen Verhandlungen mit dem BAMF sind wir optimistisch, dass die Behörden nicht bereit sind, sich um die Notlage zu kümmern und die isolierte Situation der Flüchtlinge in Deggendorf zu ändern. Mit unserem Verständnis dieses Teils fordern wir eine bundesweite Solidarität für unseren Kampf gegen die Flüchtlingsverfolgung in Deggendorf und ganz Bayern.
Ein Treffen ist für den 13. Januar 2018 in München geplant. Aber mehr Informationen über den Veranstaltungsort werden später kommuniziert, sobald er fertig ist.“
28.12.2017
https://perspektive-online.net/2017/12/wir-sind-keine-kriminellen/

Die Gemeinschaft ist die Bewegung – Lasst uns weitermachen! Lasst es uns einfach tun!
Liebe alle,
bitte leitet unsere Jahresendgrüße im Vertrauen auf deren weitere Unterstützung an andere Gemeinschaften weiter; für eure bisherige Unterstützung von The VOICE Refugee Forum sprechen wir euch allen unsere besten Wünsche aus!
Revolutionäre Grüße: Wir haben unsere Arbeit erledigt! Danke euch!
The VOICE Refugee Forum
“Wir mögen nicht beisammen sein, aber alle zusammen sind wir mehr!“ - Die Gemeinschaft ist unser Netzwerk und unsere Verbindung in den täglichen Kämpfen der Flüchtlingsgemeinschaft gegen die Ungerechtigkeit von Abschiebung und sozialer Ausgrenzung.
Lasst uns weitermachen! Lasst es uns einfach tun!
Die Gemeinschaft ist die Bewegung!
Wir hoffen auf weitere Spenden und auf eure Unterstützung bei der Weiterverbreitung dieses Dokuments zu den Gemeinschaften von Flüchtlingsaktivist*innen und Anti-Abschiebungs-Aktivist*innen!
Wir verbleiben in Solidarität mit den Flüchtlingskämpfen.
Beste Grüße
Osaren Igbinoba

Liebe Aktivist*innen und Unterstützer*innen!
Wir haben unsere Arbeit erledigt! Danke euch!
Im Jahr 2017 gelang es uns, mehr Flüchtlingsgemeinschaften in mehr Städten und Dörfern in Deutschland zu erreichen und wir wollen mehr tun als nur dies. Es kann niemals wahre Demokratie ohne Bewegungsfreiheit geben. Bewegungsfreiheit ist die Wurzel von Migration und Migration kann nicht gestoppt werden, nicht einmal durch das höchst abscheuliche Konstrukt der durch Deutschland angeführten EU.
Das deutsche Boot ist voll, heißt es. Ja, das deutsche Boot ist voll tiefstem Rassismus und höchster Heuchelei. Wenn die verfassungsmäßig garantierte Menschenwürde nichts bedeutet, solange es Flüchtlinge betrifft, muss nicht nur eure Vernunft, sondern euer Verstand in Frage gestellt werden. Die Verschmähung und Verleumdung von Flüchtlingen, so wie sie bei den letzten Wahlen beobachtet werden konnte, bekräftigt dies. Es war im Wesentlichen eine Glorifizierung des Wettrennens nach unten zu stinkenden Grund mit dem Motto: „Wer kann am fiesesten zu den Flüchtlingen sein?“ Und trotzdem wollen sie uns glauben machen, dass sie in unseren Ländern Kriege führen, um dort Menschenrechte durchzusetzen. Doch sie helfen nicht nur der anhaltenden Versklavung von Afrikanern in Nordafrika und anderen Orten, indem sie das System begründen, das diese schrecklichen Verbrechen erleichtert; sie kollaborieren mit den Autoritäten in jenen Ländern, damit diese Verbrechen fortgeführt werden können. Wie Menschenrechtsgruppen und vor allem Amnesty International jüngst betont hat: Die EU ist verantwortlich für das, was im Nordafrika passiert.
Ja, nicht einmal täglicher Rassismus und Diskriminierung, die so sehr in die gesellschaftliche Struktur in Deutschland eingewoben sind, können die natürliche Kraft der Migration verhindern. Über Jahrhunderte sind Deutsche und Europäer generell in großen Scharen aus einer Reihe von Gründen aus diesem Kontinent geflohen – einschließlich Krieg, Hunger, religiöser Verfolgung oder einfach „um ein besseres Leben zu führen“. Wie oft ist ihre historisches Erinnerung beladen mit dem Lob von Tapferkeit, visionärer Kraft, Fleiß, Voraussicht und all den Superlativen, die man sich vorstellen kann. Jetzt, da ihre ökonomische und politischen Interessen, getankt mit ihrer übermütigen Gier, unsere Länder zerstört haben und die meisten von uns gezwungen sind, unsere Länder zu fliehen, um menschliche Würde, Sicherheit und Schutz oder – schlimmer noch – ein besseres Leben zu suchen, ist Migration zu einem Verbrechen geworden. Ein Verbrechen, das alle Sorten von Bestrafung hervorruft, einschließlich der Duldung dessen, dass man ertrinkt, während wohlmeinende Individuen davon abgehalten werden zu helfen.
Migration hat zu tun mit Ko-Existenz, und es gibt kein Land ohne eine Geschichte der Migration. Man kann Migration nicht stoppen. Je eher dies verstanden wird, desto besser sind die Chancen auf eine humane Migrationspolitik statt der momentanen Besessenheit, Migration zu stoppen, die unter Garantie versagen wird.
Wir wollen euch für die enorme Unterstützung danken, die ihr uns dieses Jahr gegeben habt, sei es offen oder anonym. Alles wurde wohl verwendet und dokumentiert. Davon wird unser Netzwerk in Deutschland und darüber hinaus politisch und finanziell unterstützt.
Wie in den vergangenen Jahren waren wir in der Förderung von Ansätzen der Selbsthilfe für Flüchtlinge und Migrantinnen aktiv und die Förderung unsere Menschenrechte war das Herz unserer Aktivitäten und unseres Engagements, das durch über unseren Verein Förderverein The VOICE e.V. Göttingen finanziert wurde.
Wir waren erfolgreich in unseren Kämpfen, indem wir mehr Flüchtlinge erreicht haben und eine selbstermächtigende und ein unabhängige politische Netzwerkarbeit unserer Gemeinschaften initiiert haben. Wir hoffen, dass dieser Erfolg zu einer Roadmap für die Stärkung der Flüchtlingsgemeinschaft führen wird. Mit der anhaltenden Unterstützung der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen in Hamburg und Wuppertal ist es uns gelungen, Flüchtlinge nicht nur in Thüringen, sondern auch in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Hamburg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hessen zu erreichen - in vielen, vielen Orten im ganzen Land!
Der generelle Schwerpunkt unserer Arbeit in 2017 kann mit den folgenden Punkten zusammengefasst werden.
die Organisation von Konferenzen, Seminaren, Treffen und Zusammenkünften für Flüchtlinge zum Austausch von Erfahrungen, zur Weiterbildung, zur Information über die rechtliche Situation in Bezug auf ihre Lebenssituation und zu den Möglichkeiten politischer Selbstorganisation
Erleichterung der Teilnahme von Flüchtlingen in soziokulturellen und politischen Programmen und an Veranstaltungen zur Verteidigung der Menschenrechte
Erleichterung von Mobilität und Kommunikation von Flüchtlingen zur Überwindung der Isolation und zur Förderung politischer Ermächtigung durch die Unterstützung bei Reise-, Internet- und Telefonkosten
Unterstützung von Flüchtlingen und Migrantinnen zur Erlangung ihrer legalen und politischen Rechte
Öffentliche Aufklärung zu Schlüsselthemen wie Lebensbedingungen und Menschenrechtsverletzungen an Asylbewerbern, rechtliche Situation, Rassismus
Ermahnung der so genannten deutschen Demokratie durch die Aufdeckung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie rassistische Polizeibrutalität, Isolierung von Flüchtlingen und Abschiebungen
“Wir mögen nicht beisammen sein, aber alle zusammen sind wir mehr!“ - Die Gemeinschaft ist unser Netzwerk und unsere Verbindung in den täglichen Kämpfen der Flüchtlingsgemeinschaft gegen die Ungerechtigkeit von Abschiebung und sozialer Ausgrenzung. Lasst uns weitermachen! Lasst es uns einfach tun!
Wir danken euch allen nochmals für eure Spenden und die Unterstützung unserer Kampagnen. Noch viel mehr kann getan werden, wenn ihr uns dauerhaft unterstützt und mit der Flüchtlingsgemeinschaft in Deutschland Solidarität zeigt. Power für die Break Deportation Community in Thüringen!
Unsere Medien sind unsere Gemeinschaft!
Unsere Stärke ist unser Netzwerk!
Unsere Netzwerk wird geleitet durch unsere Prinzipien!
Schließ dich uns an, unterstütze uns und wir werden niemals aufgeben!
Mit eurer Solidarität geht unser Kampf weiter!

The VOICE Refugee Forum!
Förderverein The VOICE e.V.
Sparkasse Göttingen
Kontonummer: 127829
BLZ: 260 500 01
IBAN: DE97 2605 0001 0000 1278 29
BIC: NOLADE21GOE
Wir sind dankbar für jede Spende (steuerabzugsfähig, Spendenquittung auf Wunsch)

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