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Knast für VW Arbeiter nach Kritik an den Arbeitsbedingungen

26.05.18

220px-Day113kstreetbIm nordchinesischen Changchun begannen 2016 Leiharbeiter des Joint Venture Unternehmens FAW-Volkswagen einen Kampf um ihre Arbeitsbedingungen. Ihre Forderungen beschränkten sich auf die Einhaltung des bestehenden Arbeitsrechts. Sie wollten ihre Forderungen ohne Arbeitsniederlegungen durchsetzen und beschränkten ihren Kampf auf juristische Mittel und öffentliche Proteste. Diese Proteste waren gewaltfrei.


Die Behörden reagierten mit einer Erhöhung der Polizeipräsenz am Werk. Am 26.5.2017 wurden drei Leiharbeiter festgenommen. Der gewählte Sprecher der Arbeiter, Fu Tianbo, ist seitdem in Haft.
Der VW Konzern leugnet jegliche Mitverantwortung für die Repression gegen kritische Beschäftigte im Unternehmen. Es handle sich um ein Vorgehen des chinesischen Staates, auf den man keinen Einfluss habe. Das ist nicht haltbar. Fu Tianbo wurde zuerst in den Räumlichkeiten des Unternehmens festgehalten,
bevor die Polizei ihn in Obhut nahm.
Die Situation erinnert an den erst kürzlich in den Medien verbreiteten VW Skandal, in dem sich der Konzen in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur an politischer Verfolgung und Unterdrückung von VW Arbeitern beteiligt haben soll. Auch hier schob man die alleinige Verantwortung auf die brasilianischen Behörden.
Zum Anlass der nun ein Jahr überschreitenden Inhaftierung von Fu Tianbo findet vor dem Tor 3 des VW Werks Hannover ( Mecklenheidestraße 119) am 29.5.2018 um 13°° ein Protest statt.
FREE FU TIANBO!
 Sofortige und bedingungslose Feilassung Fu Tianbos!
 Für die Einhaltung des Arbeitsrechts und freie gewerkschaftliche Betätigung
in allen VW Werken weltweit!
Dieser Protest wird unterstützt von:
Forum Arbeitswelten e.V. (NGO – Arbeitswelten in China und Deutschland )
IGL (Interessengemeinschaft der Leiharbeiter)
Die Leihkeule (Leiharbeiter Kollegenzeitung) LabourNet Germany (Treffpunkt der gewerkschaftlichen Linken mit und ohne Job)
chefduzen.de (Forum der Ausgebeuteten)

Hintergrund:
Im November 2016 begannen Leiharbeiter in Changchun ihren Kampf um Equal Pay, die gleiche Bezahlung wie die Stammbeschäftigten. Diese würde ihnen nach dem chinesischen Arbeitsrecht zustehen, aber auch nach der „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“, die von der Konzernleitung mit dem europäischen und dem Weltkonzernbetriebsrat vereinbart worden war. Die chinesische Werksleitung und die Behörden in Changchun reagierten mit einer Welle von Repressionen, die sich in erhöhter Polizeipräsenz, Festnahmen
von Aktivisten und Zensur von sozialen Medien zeigte. Die Leiharbeiteraktivisten Ai Zhenyu, Wang Shuai und Fu Tianbo wurden inhaftiert. Während Ai Zhenyu und Wang Shuai nach kurzer Zeit auf freien Fuß
gesetzt wurden, sitzt Fu Tianbo seit Mai letzten Jahres in Haft. Er wurde zunächst im FAW-VW Gebäude festgesetzt und kam erst später in Polizeigewahrsam. Weitere Aktivisten wurden beschattet und bedroht.
Der Weibo-Account (eine Mischung aus facebook und twitter) des Sprechers der Leiharbeiter wurde gelöscht, ebenso andere Postings über den Verlauf der Proteste.
Dennoch führten die Proteste, die auch international unterstützt wurden, im Dezember 2017 zu einem Teilerfolg. Überraschend wurden 900 Leiharbeiter in die Stammbelegschaft übernommen, was ihren Lohn etwa verdoppelte. Aber: Geknüpft war diese Übernahme an den Verzicht auf Klagen gegen bisheriges
Unrecht beim einbehaltenen Lohn. Für Leiharbeiter, die nicht in der Produktion, sondern in der Verwaltung arbeiten, wurde keine Lösung gefunden. Anstelle der Leiharbeit hat FAW-VW nun Arbeitsverhältnisse geschaffen, die z.B. als „Praktikum“ noch weitaus prekärer sind. Und Fu Tianbo, der gewählte Sprecher, ist immer noch in Haft. Deshalb ist für die Kolleginnen und Kollegen aus Changchun der Kampf noch nicht beendet.

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