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Artikel anlässlich der Ermordung von Berkin Elvan und der Kriminalisierung des Protests von Mitgliedern der Anatolischen Föderation...

17.06.18

berkin elvanWir gedenken Berkin Elvan, der vor 5 Jahren von einer Polizeieinheit der AKP gezielt mit einer Gasgranate beschossen wurde und nach fast einem Jahr im Koma an seinen Kopfverletzungen verstorben ist.

Der Tod des damals 14-jährigen Berkin hat nicht nur Millionen Menschen in der Türkei bewegt, sondern Menschen in der ganzen Welt.

Die Türkei im Juni 2013 war überlagert von den Gezi-Protesten, ein von Istanbul ausgehender, sich innerhalb kurzer Zeit auf das gesamte Land ausdehnender Volksaufstand. Was wie ein kleiner Aufschrei gegen die Rodung eines Parks auf dem Taksim Platz aussah, wurde zu einer Massenbewegung. Der Unmut gegen die AKP-Regierung war schon lange vor den Protesten zu spüren, der Angriff auf friedlich protestierende Menschen brachte das Fass jedoch zum Überlaufen.

Es kam zu täglichen Auseinandersetzungen zwischen der Zivilbevölkerung und dem Sicherheitsapparat, wobei der Staat 8 Menschen tötete und Hunderte schwer verletzte.
Das Viertel Okmeydani, in dem Berkin mit seiner Familie lebte, war ständig Polizeibelagerung und Repression ausgesetzt. Die BewohnerInnen des Viertels sind für ihren widerständigen Geist bekannt. Umso mehr mobilisierte die Polizei ihre Kräfte dort hin, um die Teilnahme der dortigen Bevölkerung am Gezi-Widerstand zu verhindern.
In dieser Atmosphäre der Belagerung machte sich Berkin am Morgen des 16. Juni 2013 auf den Weg zur Bäckerei, um Brot zu kaufen. Eine Polizeieinheit mit Panzer schoss ihm ohne Vorwarnung eine Gasgranate direkt auf den Kopf. Berkin lag 269 Tage schwer verletzt in einem Krankenhaus im Koma und verstarb am 11. März 2014. An seiner Beerdigung nahmen 3 Millionen Menschen aus allen Städten der Türkei teil. Tayyip Erdogan, damals Ministerpräsident, beschimpfte den getöteten Jungen in aller Öffentlichkeit als Terroristen und schämte sich nicht zu sagen: “Ich habe den Befehl dazu erteilt!“

Berkin rang 269 Tage lang im Koma um sein Leben. Es wurde über den ganzen Zeitraum eine Mahnwache vor dem Krankenhaus abgehalten, um Gerechtigkeit für Berkin Elvan zu fordern und die Hoffnung auf sein Überleben aufrecht zu erhalten. Selbst diese Forderung wurde von der AKP mit Angriffen und Festnahmen beantwortet. Viele Menschen wurden sogar verhaftet und verurteilt, weil sie gegen den Mord an Berkin Elvan Protest einlegten und Gerechtigkeit forderten.

Bis zur Prozesseröffnung gegen einen Polizisten, den mutmaßlichen Mörder von Berkin Elvan dauerte es dreieinhalb Jahre. Im Rahmen der Ermittlungen wurden die Beweise von Anfang an behindert bzw. manipuliert. Im März 2015 besetzten 2 Männer das Büro des in diesem Fall ermittelnden Staatsanwaltes, um die Veröffentlichung der Namen der verantwortlichen Polizisten zu erzwingen. Nach stundenlangen Verhandlungen wurde das Büro von einem Sondereinsatzkommando gestürmt. Im Zuge dessen wurden die beiden Männer und der Staatsanwalt getötet.
Es dauerte noch einmal 2 Jahre, bis ein Prozess gegen den mutmaßlichen Täter mit dem Vorwurf des „vorsätzlichen Mordes“ eröffnet wurde. Die Forderung nach Verurteilung bleibt jedoch weiterhin aufrecht. Der Angeklagte ist bis jetzt nicht nur auf freiem Fuß, sondern er versieht immer noch seinen Dienst als Polizeibeamter. Er muss nicht einmal persönlich bei Gericht erscheinen, sondern es wird per Videokonferenz verhandelt.

Der Polizeiangriff auf Berkin Elvan, der sein junges Leben beendete, jährt sich am 16. Juni 2018 zum 5. Mal!
Bis heute erregt sein Fall höchste Aufmerksamkeit auf nationaler und internationaler Ebene. Personen, die gegen dieses Unrecht in Österreich demonstrierten, werden jetzt kriminalisiert, indem ihr Protest gegen außergerichtliche Hinrichtungen in der Türkei und jegliche Forderung nach Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit als „Gutheißung einer terroristische Straftat“ ausgelegt wird.

Berkin bleibt unvergessen! Die Verantwortlichen müssen verurteilt werden!

Politischer Protest ist Menschenrecht und darf nirgendwo kriminalisiert werden!

Solidaritätskomitee Anatolische Föderation

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