Beitrag ausdrucken

Erneuter Anwerbeversuch durch den Verfassungsschutz Schleswig-Holstein

12.06.19

t-spitzelAm Freitag, dem 7. Juni 2019, kam es in Schleswig-Holstein erneut zu einem Anwerbeversuch durch den Verfassungsschutz. Um ca. 12.30 Uhr klopften zwei Verfassungsschutzbeamte an die Wohnungstür eines jungen Genossen aus dem südlichen Teil des Kreises Ostholstein, welcher sich in antifaschistischen Zusammenhängen in Lübeck bewegt. Die beiden Beamten sprachen den Genossen mit seinem Klarnamen an und stellten sich als Mitarbeiter des Innenministeriums vor, die ein paar Fragen haben.

Unter anderem interessierten sie sich für Auseinandersetzungen, die sich in der Vergangenheit zwischen dem „linken“ und dem „rechten Lager“ ereignet haben sollen. So unterstellte einer der Beamten wörtlich: „Damit haben Sie doch Erfahrung. ‚Nazis aufs Maul‘, das ist Ihnen doch ein Begriff!“.

Als der Genosse diesbezüglich keine Aussage machte und das Gespräch zu beenden versuchte, ließen die Beamten nicht locker und forderten auch die Weitergabe von Informationen über Nazi-Strukturen in Schleswig-Holstein. „Länger raus zu sein heißt ja nicht, dass man keine Informationen mehr hat.“ Einer der Verfassungsschützer erwähnte, dass die linke Szene über „gute Infos“ bezüglich der extrem rechten Szene verfüge, welche teilweise besser seien als deren eigene.

Als der Genosse auch darauf nicht reagierte, fragten die Beamten, ob sie sich Zutritt zur Wohnung verschaffen könnten. Auch das lehnte der Genosse entschlossen ab und fragte nach einem Durchsuchungsbeschluss. Die Beamten gaben an, keinen Durchsuchungsbeschluss zu haben: „Wir sind ja nicht von der Polizei“.

Nachdem zunächst einer der beiden Verfassungsschutzbeamten das Gespräch dominiert hatte, wechselten die Beamten die Gesprächsführung. Der zweite Beamte, der sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte, bot dem Genossen an, dass man sich auch mal auf einen Kaffee in einer Bäckerei treffen könne. Sichtlich bemüht, sympathisch und auf eine freundschaftliche Art und Weise auf den Genossen einzuwirken, bot er ihm an, dass man auch „zum Fußball gehen“ könne: „Ihnen würden keine Kosten entstehen“. Danach verabschiedeten sich die Beamten und übergaben dem Genossen eine Visitenkarte.

Der Verfassungsschutzbeamte, der am Anfang das Gespräch dominierte, stellte sich mit den Namen „Ronald Michaelis“ vor. Er sei schätzungsweise zwischen 180 und 185 cm groß gewesen, ca. 45 Jahre alt, habe eine schlanke, fast schlaksige Statur gehabt, ein schmales „strenges“ Gesicht, eine Glatze, blaue Augen, eine helle Hautfarbe und ein mittelmäßig gepflegtes Erscheinungsbild. Er habe eine hellblaue Jeanshose und Jacke getragen, darunter ein hellgraues T-Shirt. Im Großen und Ganzen eine eher unauffällige Person ohne markante Kennzeichen wie etwa Bart, Tattoos oder Narben. In der Hand hielt er eine Basecap.
Wir dokumentieren eine Veröffentlichung der Roten Hilfe OG Lübeck

https://kiel.rote-hilfe.de/2019/06/11/erneuter-anwerbeversuch-durch-den-verfassungsschutz-schleswig-holstein/