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Blut an euren Händen!

19.02.20

knast1Gefangene aus der JVA Pankow teilten uns am 15.02.20 mit, dass am Morgen des 14.02.20 die Gefangene Miriam gestorben ist. „Sie hat sich in der Nacht die Halsschlagader mit einem Messer aufgeschnitten und wurde gestern früh tot aufgefunden“. Auch in der JVA Tegel ist am 15.02.20 der Gefangene Mohamed gestorben. Bei beiden Verstorbenen wird medial über Selbstmord berichtet.

Es gibt keinen Selbstmord im Knast!

Entgegen der Darstellungen der Leitmedien und des Justizministeriums, gibt es keinen Selbstmord im Knast. Diese Darstellung dient lediglich dazu, die Verhältnisse, welche dazu führen, dass Menschen hinter Gittern sterben, zu maskieren. So betont auch eine Gefangene aus der JVA Pankow: „Sie hat es vorher angekündigt und man hat ihr einfach nicht geholfen! Man wusste Bescheid, und trotz Ankündigung wurde einfach nichts getan!“. Miriam hätte am Donnerstag ihren Prozess gehabt, wobei sie anstelle des Totschlags für Mord angeklagt werden sollte. „Diesen Umstand hat sie einfach nicht verkraftet“.

Durch Justiz, durch Knast, durch ihr System sterben Menschen. An diesem Wochenende in Pankow und in Tegel. Hier wurde Mohamed am Morgen des 15.02 tot in der Zelle 42 in der Teilanstalt II aufgefunden. Die TA II ist bekannt dafür, unter menschenunwürdigsten Bedingungen Menschen wegzusperren, sie verwahren und verharren zu lassen. Der Twitter-Post von jvaberlintegel leaks gibt einen kurzen Einblick in diesen Zustand. Demnach befand sich Mohamed „auf einer der EWA Stationen, welche extremen Einschränkungen unterliegen wie verkürzte Aufschlusszeiten, keine Freizeitmöglichkeiten usw.“

Es ist kein Geheimnis, dass die TA II bauliche Mängel aufweist und dadurch u.a massiv gesundheitsschädigend ist, dass Gefangene oft bis zu 23 Stunden Einschluss haben, Aufschlüsse oft nicht stattfinden, es keine Freizeit- oder Ausgangsmöglichkeiten gibt und auch die medizinische Versorgung de facto meistens einfach nicht vorhanden ist. All das ist seit Jahren bekannt und auch der Post auf Twitter weißt darauf hin, dass die Bedingungen in den Knästen für den Tot des Gefangenen Mohamed verantwortlich sind.

Wir werden uns mit beiden Morden durch Justiz und Knast weiterhin auseinandersetzen und sobald sie uns erreichen, weitere Informationen dazu veröffentlichen.

Knast ist dabei mehr als nur ein System – es funktioniert nur, weil Menschen es funktionieren lassen. Für das Leben, für die Freiheit aller Gefangenen nehmt die Verantwortlichen für Knast in die Mängel! Beteiligt euch außerdem am 15.03.20 an der bundesweiten Demonstration von Death in Custody „Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamsituationen jetzt!“ und tragt eure Wut auf die Straße!

Wir Gedenken an Miriam und Mohamed. Eurer Tot wird nicht vergessen. Solange es Knäste gibt, solange Menschen hinter Gittern sterben müssen, werden wir nicht aufhören, für die Freiheit aller Gefangenen und gegen Knäste zu kämpfen.

von: Soligruppe Berlin der GG/BO

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