Beitrag ausdrucken

Redebeitrag vom 24.07 zu Maria und warum wir ihre Namen nicht vergessen (dürfen)

26.08.20

Spruch-Maria-1-600x450Genau sieben Monate nach dem Vorfall, veröffentlichen wir unsere Rede vom 24.7 von der Gedenkdemo für Maria. Gleichzeitig wollen wir auch nochmal die wichtige Arbeit von Gruppen und Initiativen hervorheben, welche der fragwürdigen polizeiliche Narrativen aktiv und beständig entgegentreten. Polizeigewalt darf nicht einfach so hingenommen werden.


Die wohl bekanntesten Bemühungen, sind die von der Oury Jalloh Initiative. Ihr Aktivismus und Arbeit sorgen dafür, dass der Fall nach 15 Jahren immer noch bekannt ist. Aber sie sind nicht die einzigen. Im Falle von Maria, hat die Anarchist Black Cross Berlin immer wieder zu Gedenkdemos aufgerufen. An Hussam Fadl, welcher 2016 von der Polizei erschossen wurde, erinnert die KOP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt), durch Kundgebungen und Öffentlichkeitsarbeit und fordert die Wiederaufnahme des Verfahrens. Auch Freund*innen und Familienmitglieder kämpfen nicht selten für eine konsequente Aufklärung der Todesursache, selbst wenn ihre Liebsten öffentlich und offiziell kriminalisiert werden. So auch zum Beispiel im Fall von Mohamed Idrissi, welcher am 18 Juni dieses Jahres in Bremen erschossen wurde.

Dies soll nur eine kleine Aufzählung sein, der vielen Bemühungen von Freund*innen, Familienmitglieder, Aktivist*innen, Gruppen, Initiativen und Kampagnen, welche dafür sorgen, dass die ganzen Namen nicht in Vergessenheit geraten. In viel zu Fällen leider, fehlt es an sozialen Netzwerken und politischem Engagement um genügend öffentlichen Druck von Außen auf Justiz und Polizei zu üben. Das macht die Recherche der Death in Custody Kampagne deutlich.
In diesem Sinne informiert euch und beteiligt euch an Veranstaltungen gegen (tödliche) Poizeigewalt. Diesen Samstag (29.8) findet in Moabit auch eine Demo statt, um an Ferhat Mayouf zu gedenken, welcher am 23.07 dieses Jahres im Knast starb.

Jedes Todesopfer von Polizei- und Knastgewalt ist eins zu viel.

Hier der Redebeitrag zur Gedenkdemo vom 24.07:

Liebe Genoss*innen, ich grüße euch im Namen der Rote Hilfe Berlin. Maria ist am 24 Februar dieses Jahres durch einen Polizeieinsatz gestorben. Sechs Monate sind seither vergangen. Die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft wurden schon vor Monaten eingestellt. Tödliche Polizeigewalt wie bei Maria, waren und sind keine Einzelfälle! Am 18 Juni starben gleich zwei Menschen in Deutschland durch Polizeischüsse. Eine Person in Bremen, die andere in Niedersachsen.

Die weltweiten Proteste nach dem Tod von George Floyd in den U.S.A., zeigen wie viele Menschen klare Konsequenzen nach polizeilichem Handeln verlangen. Praktische Forderungen wie defund oder gar abolish the police, machen deutlich wie Gewalt Teil des Systems ist. Auch in Deutschland werden Forderungen der Polizei gegenüber laut.
Es ist nicht erstaunlich, dass Polizeigewerkschaften, sowie law und order Freund*innen wie Horst Seehofer sich mit aller Kraft gegen jede Kritik wehren. Dies wird vor allem durch eine Umkehrung von Tätern und Opfern vollzogen. Das in Berlin vor kurzem eingeführt Antidiskriminierungsgesetzt, wird diskreditiert als Angriff auf die Bullen, da diese jetzt auch für ihr rassistisches Verhalten belangt werden sollen. Auch die geforderte Racial Profiling Studie wird vom Innenministerium vehement geblockt. Stattdessen soll die Gewalt gegen Polizeibeamte Augenmerk einer Untersuchung sein, da der Respekt vor dem Gewaltmonopol in Deutschland am Schrumpfen sei.

Wie soll Respekt aussehen, gegenüber Polizist*innen die Menschen durch Kontrollen und ähnliche Maßnahmen erniedrigen, in Knäste stecken, abschieben, in Demos reinprügeln und immer wieder für Verletzungen und Todesfälle verantwortlich sind?

Darüber hinaus zeigen sich die Beamt*innen immer wieder unfähig und auch nicht gewillt den rechten Terror zu bekämpfen, wie bei der Neuköllner Anschlagsserie. Vergessen wir nicht wie sicher sich faschistische Bullen in der Struktur gerade fühlen, Munition stehlen und Drohbriefe mit NSU 2.0 unterschreiben.

Die Polizei ist ungeeignet gesellschaftliche Konflikte zu lösen, für die sie mit verantwortlich ist. Die Polizei ist eine reale Gefahr für viele Menschen. denn sie kann sich nicht aus Situationen zurückziehen und reagiert oft überzogen und unverhältnismäßig. Jeder Einsatz kann tödlich enden.

Die Polizei muss sich strukturell komplett verändern, durch Druck von Außen und von der Straße.

Die schwarze und migrantische Jugend organisiert sich immer mehr und will Rassismus und Polizeigewalt nicht mehr hinnehmen. Auf Demos, wie am sechsten Juni in Berlin, werden die Teilnehmer*innen von Bullen attackiert und machen erneut deutlich, wie gravierend das Problem ist. Als Rote Hilfe Berlin fordern wir alle Genoss*innen dazu auf sich diesen Kämpfen anzuschließen.

Der Fall Maria darf nicht einfach so zu den Akten gelegt werden. Opfer von Polizeigewalt geraten viel zu schnell in Vergessenheit. Nur durch die fortlaufenden Beobachtungen, Dokumentationen, Öffentlichkeitsarbeiten und Protesten von Einzelpersonen und Initiativen, sind uns Namen wie Oury Jalloh und Husam Fadl überhaupt noch bekannt. Wie notwendig diese Arbeit ist, macht auch die Recherche der Kampagne Death in Custody deutlich. Seit 1990 bis jetzt zählt sie alleine 160 Todesfälle durch rassistische Polizeigewalt.

Auch das immer wiederkehrende Narrativ der Messer Frau oder des Messer Mannes welche bei Maria als auch in Bremen und in Niedersachsen vor kurzem wieder gebraucht wurden, muss gebrochen werden. Wir akzeptieren keine Kriminalisierung der Opfer um die Täter*innen zuentlasten.

Erinnern wir uns an Maria und alle anderen Toten der Polizeigewalt und vor allem kämpfen wir dafür, dass es nicht mehr werden.

No Justice – No Peace
Fight the Police

sowie. es zum Beispiel der Fall ist bei Mohamed Idrissi

http://www.berlin.rote-hilfe.de/redebeitrag-vom-24-07-zu-maria-und-warum-wir-ihre-namen-nicht-vergessen-duerfen/