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Kolumbien: Killer schießt auf deutsche Sympathisantin der Proteste in Cali

29.07.21

sproesser am_monument_des_widerstands_horizontalCali. Die Frankfurterin Rebecca Linda Marlene Sprößer hat am Donnerstag in Cali ein Attentat überlebt. Ihr kolumbianischer Freund schwebt zwischen Leben und Tod. Die 34-Jährige begleitet die Proteste seit drei Monaten. Sie hat dabei selbst aufgezeichnete Videos über die Gewalt gegen die Protestierenden in den Social Media veröffentlicht und an Medien geschickt. Ende Juni hatte sie Todesdrohungen bekommen, nachdem sie ein kritisches Gespräch mit einer Gruppe von Polizisten gepostet hatte.

Am Donnerstag saß Sprößer mit einem Freund an einem öffentlichen Ort. Der Killer ging unvermittelt auf sie zu und hörte nicht auf zu schießen, bis seine Waffe leer war, so Sprößer. Der Freund hat alle 13 Schüsse abbekommen. "Wäre er nicht gewesen, wäre ich jetzt tot", schrieb sie auf Facebook. Die Schüsse streiften sie und hinterließen leichte Wunden.

Sprößer reiste im März als Touristin nach Cali, um Salsa zu lernen und wollte zwei Wochen bleiben. "Ich habe mich komplett in die Leute von Cali und ihre Lebensweise verliebt. Deshalb entschied ich, doch länger zu bleiben", erzählte sie in einer Reportage über sie im Leitmedium El Espectador.

Sie nahm vom ersten Tag des Generalstreiks an den Protesten teil und unterstützte die Aktivist:innen der "Erste Linien" vor allem in "Puerto Resistencia" (Hafen des Widerstands). Die Erste Linien sind Jugendliche mit Helmen, Schutzbrillen und Schildern, die die anderen Protestierenden vor der Polizei schützen. In Interviews mit kolumbianischen, spanischen und deutschen Medien wie der Frankfurter Rundschau und dem WDR prangerte sie die Exzesse der Polizei an.

Ende Juni, ein Tag nachdem sie einer Gruppe von Polizisten kritische Fragen gestellt hatte und sie dabei aufzeichnete, bekam sie einen anonymen Anruf. "Sie sagten, sie würden mich verschleppen, töten, verschwinden lassen und dass sie den Demonstranten die Schuld dafür geben würden", sagte sie gegenüber El Espectador. "Ihnen sei scheißegal, was die deutsche Botschaft dazu sagt", hätten sie ihr auch mitgeteilt, berichtete Sprößer auf Facebook. Auch die kolumbianische Freundin, die sie bei dem Gespräch mit den Polizisten begleitete, bekam an dem Tag Todesdrohungen.

Per Instagram erhielt Sprößer Hass-Nachrichten, die sie als eine "Ratte der Drogenentführer und Guerilleros" bezeichneten, die "Kinder vergewaltigen". Sie habe keine Anzeige erstattet, weil sie nicht an die kolumbianischen Institutionen glaube, erklärte sie. Einige Tage später haben Personen auf einem Motorrad versucht, ihr die Tasche und das Handy zu entreißen. Sie hielt ihre Sachen fest und wurde einige Meter mitschleppt, bis sie auf den Boden prallte. Das Motorrad verschwand.

Von Hans Weber
amerika21

https://amerika21.de/2021/07/252820/killer-auf-deutsche-cali-kolumbien?fbclid=IwAR0ZowmnrIsYu1jZZIovRqxiG9OVaQl6kTBaMnEWuwBouwougvvsY71d79g

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