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[Deutschland] Thomas Meyer-Falk: Statement für die Internationale Woche der Solidarität mit Anarchistischen Gefangenen 23. – 30. August 2021

08.08.21

anarachist.gefFür eine Gesellschaft frei von Herrschaft zu streiten und zu kämpfen kann dazu führen, dass Menschen in die Verliese der jeweiligen Regime geworfen werden. Dort sollen die Körper auf engstem Raum eingesperrt und der widerständige Geist in Ketten gelegt, an die kahlen Betonwände geschmiedet werden.

Wer nicht bereit ist sich zu unterwerfen, dem droht eine lange, eine sehr lange Zeit hinter Gittern. Aber es sind Aktionswochen wie jetzt im August 2021, die ein Band knüpfen zwischen den Menschen vor und jenen hinter den Gefängnismauern. Eine Verbundenheit zwischen Menschen, deren Herz für Befreiung und für Freiheit schlägt.

Eine der Herausforderungen scheint mir zu sein, eine lebendige Solidaritätsbewegung über sehr lange Zeiträume intakt zu halten, denn auch wenn immer mehr Staaten offiziell auf die Todesstrafe verzichten, gehen sie dazu über Menschen auf Jahrzehnte hin wegzuschließen. Was für manche als eine noch viel schlimmere Strafe erscheinen mag, die schier ewig dauernde Wegsperrung. Um den Menschen in den Knästen zu helfen die Hoffnung am pulsieren zu halten, aber auch zugleich jenen Genoss*innen die aktiv vor den Mauern kämpfen die Gewissheit zu geben, sie werden niemals vergessen werden, können Aktionswochen ein essentielles Mittel der Bekräftigung sein!


Ich selbst wurde im Oktober 1996 verhaftet, nach Stuttgart-Stammheim eingeliefert, und saß die ersten 11 Jahre in Isolationshaft (in der Gesetzessprache hieß das „Einzelhaft: unausgesetzte Absonderung von anderen Insassen“). Obwohl die ein-/ausgehenden Briefe von der Knastleitung mitgelesen, vielfach auch kopiert wurden, waren diese Briefe ein Band zu den Menschen draußen. Das hat solch eine Kraft gegeben, in Worten lässt sich dies nicht wirklich beschreiben.

Je öfters heutzutage auf konkrete physische Gewalt in den modernen Kerkern verzichtet werden mag, umso mehr geraten Hoffnungslosigkeit, Verlassenheit, Isoliertheit zu den Waffen des Regimes mit welchem die Genoss*innen zerbrochen werden wollen.

Dem etwas lautstarkes und kämpferisches entgegen zu setzen, auch dafür steht in meinen Augen die „Week of Solidarity“.

Thomas Meyer-Falk, z.Zt. Justizvollzugsanstalt (SV)
Hermann-Herder-Str. 8, 79104 Freiburg
https://freedomforthomas.wordpress.com

Thomas Meyer-Falk: Statement for the International Week of Solidarity with Anarchist Prisoners August 23-30, 2021.

To argue and fight for a society free of domination can lead to people being thrown into the dungeons of the respective regimes. There, the bodies are to be locked up in the tightest of spaces and the resistant spirit put in chains, forged against the bare concrete walls.

Those who are not willing to submit face a long, a very long time behind bars. But it is weeks of action like now in August 2021 that forge a bond between the people in front of and those behind the prison walls. A bond between people whose hearts beat for liberation and for freedom.

One of the challenges seems to me to be keeping a vibrant solidarity movement intact over very long periods of time, because even as more and more states are officially renouncing the death penalty, they are shifting to locking people away for decades at a time. What may seem to some to be an even worse punishment, the sheer eternity of being locked away. In order to help the people in prison to keep hope alive, but also to give those comrades who are actively fighting in front of the walls the certainty that they will never be forgotten, action weeks can be an essential means of affirmation!

I myself was arrested in October 1996, taken to Stuttgart-Stammheim, and spent the first 11 years in solitary confinement (in legal language, this was called „solitary confinement: uninterrupted segregation from other inmates“). Although the incoming/outgoing letters were read by the prison administration, and often copied, these letters were a bond to the people outside. This gave such strength, words cannot really describe it.

The more often concrete physical violence is dispensed with in modern prisons, the more hopelessness, abandonment, isolation become the weapons of the regime with which the comrades want to be broken.

In my eyes, the „Week of Solidarity“ also stands for setting something loud and militant against this.

Thomas Meyer-Falk, z.Zt. Justizvollzugsanstalt (SV)
Hermann-Herder-Str. 8, 79104 Freiburg


https://www.abc-wien.net/?p=11222#more-11222

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