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Für Wallace und Stewart

von Mumia Abu Jamal / junge welt 15.09.13

mumiaAufruf zur Solidarität für die Befreiung politischer Gefangener in den USA aus der Isolationshaft. Kolumne von Mumia Abu-Jamal

Vor einigen Wochen brachte Amnesty International eine außerordentlich wichtige Petition an den republikanischen Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, Piyush »Bobby« Jindal, in Umlauf. Darin fordert die Menschenrechtsorganisation für den 72jährigen politischen Gefangenen Herman Wallace eine nach dem Gesetz mögliche »Entlassung aus Mitgefühl«, weil bei bei dem früheren Mitglied der Black Panther Party vor kurzem Leberkrebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Er hatte in weniger als sechs Monaten fast 25 Kilogramm Gewicht verloren. Wallace ist eines der beiden noch inhaftierten Mitglieder der »Angola 3«, zu denen außer ihm noch Albert Woodfox und der inzwischen freigelassene Robert King gehören. Wallace und Woodfox befinden sich jetzt seit über 41 Jahren in Isolationshaft und zählen damit zu den am längsten eingekerkerten politischen Gefangenen der Welt.

Die »Angola 3«, ursprünglich wegen anderer Delikte in Haft, wurden 1972 fälschlich des Mordes an einem Wärter beschuldigt und verurteilt. In Wahrheit waren sie indes nur eines »Verbrechens« schuldig, das ihnen die Knastbürokratie niemals verzieh: Sie traten für die Ziele der Black Panther Party (BPP) ein und besaßen die Kühnheit, hinter den Mauern des Staatsgefängnisses von Angola, Louisiana, ein Kollektiv der BPP zu gründen. Weil sie es also gewagt hatten, in diesem größten Hochsicherheitsgefängnis der USA, das auf dem Gelände einer früheren Sklavenplantage errichtet worden war, zu rebellieren, fabrizierte man eine Anklage gegen die drei Aktivisten und steckte sie in die finstersten Isolationslöcher Louisianas. Man hegte die Hoffnung, sie würden dort in Vergessenheit geraten. Dank einer wachsenden Solidaritätsbewegung ging diese Rechnung jedoch nicht auf. Tausende treten heute in einer Kampagne für Herman Wallace’ sofortige Freilassung ein, und die gleiche Forderung muß auch für Albert Woodfox erhoben werden.

In einem weiteren Südstaat der USA kämpft seit einiger Zeit auch die Volksanwältin Lynne Stewart im Gefängnis gegen den Krebs. Ihr Ehemann Ralph Poynter hat seine Ein-Mann-Mahnwache vor dem Weißen Haus nicht nur abgehalten, um gegen das Unrecht zu protestieren, das seiner Frau widerfahren ist, sondern auch, um öffentlich Druck zu machen für ihre »Entlassung aus Mitgefühl«, damit sie nicht einsam in einer Zelle des Federal Medical Center im texanischen Bundesgefängnis Carswell sterben muß.

Lynne Stewart und Ralph Poynter haben zusammen über dreißig Jahre lang ein Anwaltsbüro betrieben, das für viele Rat- und Hilfesuchende aus der Arbeiterklasse, aus armen Bevölkerungskreisen und für politische Aktivisten, die Widerstand gegen das Imperium leisten, oftmals die letzte Rettung war.

Im Rahmen der Verteidigung eines ihrer Mandanten, des aus Ägypten stammenden erblindeten muslimischen Geistlichen Umar Abd Ar-Rahman, soll Lynne gegen offensichtlich rechtswidrige Sondervorschriften im Strafvollzug verstoßen haben. Diese waren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 unter dem Namen »Special Administrative Measures« (SAMs) erlassen worden. Der angebliche Verstoß gegen diese Regeln wurde als Vorwand genommen, der engagierten Anwältin durch Entzug ihrer Zulassung nicht nur Berufsverbot zu erteilen, sondern eine der besten Verteidigerinnen, die es je in New York gegeben hat, sogar ins Gefängnis zu werfen.

Auf diese Weise landete die 73jährige Anwältin ebenfalls in Isolationshaft und ist nun angesichts ihrer schweren Erkrankung praktisch zum Tode verurteilt.

Aus diesen Gründen ist der Kampf, den Ralph Poynter für seine Frau führt, auch unser Kampf. Und auch der Kampf für die Freilassung von Herman Wallace ist unser aller Kampf. Durch eine gemeinsame Anstrengung wäre es zu schaffen, daß beide wieder die klare Luft der Freiheit atmen können und ihnen die notwendige medizinische Pflege zuteil wird.

Übersetzung: Jürgen Heiser
Petitionen für Wallace und Stewart: www.freedom-now.de

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