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2 Briefe von dem rebellischen Gefangenen Andreas Krebs, der seit August in Landsberg eingesperrt ist

30.09.13

Amberg, den 01.06.2013

solidarity-188x250Hallo mein Freund!

Ein super-dickes Dankeschön für Deinen tollen Brief und besonders auch wieder für die Briefmarken! Auch für alles Andere, was Du mir geschickt hast, danke ich Dir von Herzen!
Leider habe ich nur Deine Zeile und die Bruce-Lee-Fotos bekommen. Alles Andere hat man wieder mal, für mich einfach unverständlich, zu meiner Habe genommen.
Ich bekam es also noch nicht einmal zu Gesicht. Ich verstehe das einfach nicht, warum man mir ständig etwas einbehält und die Gründe wie „Gefährdet die Sicherheit und Ordnung der Anstalt“ oder auch oft „Unerlaubte Zusendung“, sind für mich nur vorgeschobene Gründe.


Hinter vorgehaltener Hand ist mir aber schon gesagt worden, dass man Angst hätte, wenn ich anderen Gefangenen die zugesendeten Schriften zum Lesen weitergebe und da dann doch der Ein oder Andere wäre, der dann auf die Barrikaden geht.
Aber was soll ich machen? Ich bin langsam müde und weiß wirklich nicht mehr, wie ich mich sonst noch zur Wehr setzen soll.
Bei mir haben sich aber in den letzten Wochen sehr positive Dinge ergeben, wo ich nie damit gerechnet hätte.
Nach sieben Monaten Stress, Psychoterror und ständigen Schikanen, ist man endlich auf mich zugegangen und ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht so einer Reaktion.
Ich möchte Dich vorab darum bitten, ruhig auch meinen Brief herum zu zeigen und vielleicht auch eine Kopie davon zu machen und denen zu schicken, die erneut über mich im Internet schreiben und berichtet haben.
Du bist mir ein guter Freund geworden, wo ich also Alles ausführlich erkläre und erzähle und es natürlich kein Vergleich ist, als wenn ich Anderen schreibe, wo nicht so ein Bezug besteht. Außerdem will ich mich nicht wiederholen, ich glaube, Du verstehst schon, was ich sagen will. Ich nehme mir bei Deinen Briefen einfach viel mehr Zeit als sonst.
Nun aber zu meinen letzten Wochen mit den ganzen Vorfällen.
Es kam also an einem Abend wieder ein hoher Beamter (Schichtdienstleiter) und der hatte wieder einige Anhalteverfügungen mit dabei, die er mir unter die Nase hielt. Darin wurde mir mitgeteilt, dass man einen Teil meiner Postsendungen einbehält. So Post von Damien und aus Magdeburg das „Gefangenen Info“.
Ich war also wieder stinksauer und unglaublich geladen über diese Aktion.
Der Beamte, der mir das mitteilte, merkte schon, wie sauer ich war, aber ich quatschte ihn nicht an, da er ja nur der Laufbursche ist und dafür nichts kann.
Am gleichen Tag erhielt ich auch noch einen Brief von meiner Ex, wo klar aus ihren Zeilen hervor geht, dass sie mir schon öfters schrieb und sich wunderte, warum ich nicht antworte. Also heißt das für mich, dass mich manche Briefe erst gar nicht erreichen.
Das Fass war also voll und ich war kurz vor dem explodieren.
Was mache ich also? Das einzige, was mir bleibt, war wieder eine Beschwerde bei Gericht zu machen und sofort in den Hungerstreik zu gehen. Natürlich teilte ich letzteres schriftlich der Anstaltsleitung mit.
Es vergingen einige Tage, auch das Wochenende, und niemand vom System kam auf mich zu. Auch keine Vorführung zur Ärztin, was eigentlich nach drei Tagen Hungerstreik vorgeschrieben ist.
Im Dienstzimmer wurde über mich ein Bericht geschrieben, ob ich das Essen verweigerte. Mittag, abends, alles habe ich verweigert und gleichzeitig nichts mehr getrunken.
Über meine lieben Mitgefangenen kann ich nur den Kopf schütteln und es bestätigt jeden Tag aufs neue: 90% Arschlöcher.
90% reicht gar nicht. Entweder sind es Nazis, die ohne Probleme von Seiten der Anstalt ihre Tattoos wie 88, Hakenkreuz, SS und und und zur Schau stellen dürfen und sogar ihre Zellen ausstaffieren.
Mittlerweile gibt es hier eine richtige Gruppe mit ihren eigenen Wappen.
Da sagt keiner etwas, aber ich muss mir sagen lassen, dass ich aufhören soll mit meinem „Links-Radikalen“.
Dann haben wir einen Überschuss von Sexualstraftätern, besonders von Leuten, wo man es nie erwartet hätte.
Dann die Ratten, die alles zu ihrem Vorteil nutzen und selbst den Beamten Lügen über andere erzählen, nur damit sie weiter von sich ablenken, weil sie selber was treiben, oder Vergünstigungen von der Anstalt erhoffen. Und dann gibt es Arschlöcher, die anstelle von Solidarität mir gegenüber, sich vor meiner Zelle um mein verweigertes Essen streiten.
Das ist kein Witz, die haben sich alle nur um mein Essen gestritten, oder klopften an meiner Türe und fragten: „Andi, kann ich Dein Essen haben?“
Was für ein Pack. Von meiner Station mit ca. 50 Personen waren nur drei Leute, die mir jederzeit ihre Hilfe angeboten haben und mir gegenüber Solidarität zeigten und mir Mut und Kraft zusprachen. Alle anderen...
Ehrlich, mein Freund, es sind so viele Leute, die wirklich die letzten Arschlöcher sind, die kuschen und und und.....
Möchtegern-Gangster, die draußen eine große Nummer waren, hier drinnen andere Gefangene kommandieren und sobald das Rollkommando sie absondert aus irgendwelchen Gründen, brechen sie zusammen und packen aus. Das sind Männer, gell?
Nun weiter zu meinem HS.
Ich bekam dann auch noch einen Brief vom Oberlandgericht Nürnberg und meine Rechtsbeschwerde wegen der alten Sache mit dem Handy u. a. vom Oktober wurde abgelehnt.
Alles, Anwalt und so weiter war umsonst und wie konnte ich nur glauben, dass ich auch nur einen Teil Recht bekomme.
Nach sechs Tagen Hungerstreik und sechs Tagen nichts mehr trinken (mir ging es durch den Flüssigkeitsmangel echt schlecht und mein Kreislauf spielte total verrückt) wurde mir von meinem Stationsbeamten mitgeteilt, dass die neue Abteilungsleiterin mit mir sprechen möchte. Ich überlegte hin und her, ob ich zu ihr gehen soll oder die Vorführung verweigere.
Zudem hatte ich null Bock, mich zwei Stunden in einem stickigen Warteraum zu setzen,eingepfercht mit -zig Gefangenen.
Also sagte ich zu meinem Stationsbeamten, dass es mir vom Kreislauf her nicht gut geht.
Er ging und kam nach zehn Minuten wieder zurück und sagte, dass ich nicht warten müsste und sofort dran komme.
Also sagte ich zu, rauchte eine und dann wurde ich auch schon in die Verwaltung gebracht. Ich habe das Büro von der Abteilungsleiterin Frau Hermann betreten und mit anwesend war der Hausdienstleiter und mein Stationsbeamter. Sie stellte mir etwas zum Trinken hin und fragte, was denn los sei. Ich erklärte meine Beweggründe und habe auch nichts ausgelassen und sagte ihr auch, dass mein Verhalten und Protest nichts gegen sie persönlich zu tun hat, sondern gegen ihre Vorgesetzten, die mir seit dem Vorfall im Oktober das Leben schwer machen und mich in allem einschränken, wo es nur geht.
Logisch sagte ich ihr auch, dass ich so und so lange habe, nichts erwarte und mir sehr wohl klar ist, dass ich bis zum letzten Tag sitze.
Ich muss und will mich auch nicht verstellen und wenn diese staatliche Ratte, die gegen mich falsch aussagte, mir wieder über den Weg läuft, dass gleiche wieder passieren wird wir vor ca. zwei Monaten, wo ich diese durchschüttelte. Und dabei ist es mir wurscht, ob Beamte dabei sind.
Sie machte mir also folgendes Angebot, um die Wogen etwas zu glätten:
J. hat in der Anstalt angerufen und bestätigte, dass man mich im Falle einer kurzen Verlegung (Besuchertransport) nach Hamburg auch besuchen würde.
Also meinte die Abteilungsleiterin, dass sie mir diesen Transport ermöglichen würde, damit ich mal eine Luftveränderung habe und so würde ich zu Allem, was bis jetzt gewesen sei und die ganzen Schikanen, Abstand gewinnen.
Der nächste Vorschlag wäre, wenn ich möchte, kann ich mich innerhalb Bayerns verlegen lassen. Na ja, mit diesen Gedanken spielte ich schon, aber ob es meine Situation verbessert bezweifele ich. Knast ist Knast, Beamte bleiben Beamte, nur dass eben diese Ratte mir nicht mehr über den Weg laufen würde. Aber dafür tritt dann eine andere an seine Stelle. Leider gibt es mehr Ratten als Andere. Dann kam die Krönung ihres Entgegenkommens: Ich bekomme hier in der Anstalt eine vernünftige Arbeit und zwar als Hofkehrer. Das heißt, ich bekomme einen Knastausweis und darf mich nun frei und ohne Einschränkung auf dem Anstaltsgelände bewegen. Egal wohin, ich halte nur einen Beamten, der mir gerade über den Weg läuft an und bitte ihn die oder die Türe aufzusperren. Kennt er mich nicht, weil es vielleicht ein Neuer ist, zeige ich einfach meinen Ausweis. Ich sehe einfach nur zu, dass es auf dem Anstaltsgelände sauber ist.
Keiner ist da, der mir Anweisungen gibt, ich sehe nichts, höre nichts und jeder lässt mich in Ruhe.
Bei den Betriebsgebäuden habe ich eine Art kleines Büro und ich teile mir meine Aufgaben selbst ein, so dass ich auch Feierabend machen kann, wie ich es meine.
Also im Klartext: und nach sieben Monaten Psychoterror inkl. Absonderung und Kontrollen über Kontrollen, passiert so etwas.
Ich konnte es erst nicht glauben und habe das alles nicht verstanden. Erst dachte ich mir, da ist etwas faul, aber das, was sie wollte, war für mich okay. Sie und ein paar andere, also auch der Arbeitsinspektor, möchten einfach nur, dass ich wieder anfange, zu essen und zu trinken und im Falle einer Begegnung mit dieser Ratte, dass ich ihm nichts mehr tue und auch ihn nicht mehr beachte.
Obwohl ich der ganzen Sache sehr misstrauisch gegenüber stand, sagte ich zu und habe versprochen, den HS zu beenden und dass ich diese eine Person nicht mehr weiter beachten werde.
Anschließend verließ ich mit meinem Stationsbeamten das Büro von der Abteilungsleiterin und auf den Weg auf meine Station habe ich durch jemanden vom Rollkommando erfahren, warum ich voriges Jahr wirklich abgesondert war. Nicht wirklich wegen dem Fund des Handys, sondern weil jemand von diesen Ratten behauptet hat, dass ich im Besitz einer Stichwaffe wäre.
Ich hörte schon öfters von dieser Sache, aber da der Knast viel aus Gerüchten besteht gab ich nichts darauf.
Nun wurde mir aber dieses Gerücht bestätigt und dieser Beamte meinte weiter, dass er nun wisse, dass diese Ratten gelogen haben, nur um mich los zu werden.
Ich sagte, wenn du schon weißt, dass mir Unrecht getan wurde, warum habt ihr dann das alles zugelassen. Er antwortete, wir (Rollkommando) mussten in erster Linie der Sache nachgehen.
Eine Frechheit, dachte ich mir und nun kennt man mich doch so viele Jahre und auf so etwas würde ich gar nicht kommen und außerdem, für was?
Jetzt sieht man erst mal, was es für Schweine unter unter den Gefangenen gibt. Falsche Beschuldigungen um sich selbst Vorteile zu erhoffen.
Eine Sau wurde ja bereits schon auf 2/3 entlassen und auch der andere geht im Oktober vorzeitig.
Ich habe sehr viele Jahre Haft hinter mir, aber dass Gefangene zu solchen Methoden greifen, das ist auch mir neu.
Als ich an diesem Tag dann in meiner Zelle war, ließ ich das Gespräch mit meiner neuen Abteilungsleiterin mir durch den Kopf gehen und konnte es immer noch nicht glauben und ganz besonders, dass überhaupt irgend jemnd von der Anstalt auf mich zugeht, denn bis dato war es doch den Herrschaften egal, was los ist.
Ich denke mal - und so bekam ich es an den darauf folgenden Tagen durch andere Beamte zu verstehen – es hat die Veröffentlichung meiner Sache durch Hamburg und Berlin Früchte getragen und ich weiß, dass sowohl meine Post als auch Alles, was über mich veröffentlicht wird, sehr genau beobachtet wird.
Man geht auch davon aus, dass die neuen Ereignisse und gewisses Entgegenkommen in den letzten Tagen, ebenfalls veröffentlicht werden. Die Anstalt beobachtet also sehr genau, was über mich berichtet wird, ob Internet oder auch Zeitungen. Und das ist auch gleich der richtige Anlass, mich bei Allen, ob Münchener, Hamburger, Berliner und so weiter, zu bedanken für die Unterstützung, Anteilnahme und Solidarität. Ich bin sehr froh und stolz, solche Freunde zu haben, die für einen da sind. Insbesondere auch die angebotenen Besuche, ob von Dir, aus Berlin, Frankfurt oder J. Und von den Hamburgern, die extra aus Hamburg angereist kam.
- EIN DANKE AN EUCH ALLE -
Nun weiter zu den letzten Ereignissen.
Das Problem mit der Post und den ständigen Anhalteverfügungen wird sich nicht ändern. Da mischen andere mit und an erster Stelle sind es die zuständigen Beamten in der Poststelle, denen es nicht passt, was ich schreibe über die Zustände, über die ich berichte und die Zusendungen, die ich erhalte, was mir beigelegt wird und die große Anteilnahme.
Da ist mindestens einer von den drei oder vier Beamten dabei, dem dass bei der täglichen Kontrolle nicht passt, der die Post anhält und sofort an die richtige Stellen weiter reicht.
Nazis bekommen allerhand an Hetzbriefen auch mit Symbolen versehen, NSU-Berichte und so weiter, da sagt keiner etwas. Nazis, die ihre Zellen ausstaffieren mit allem möglichen Zeug und und und, da sagt echt keine Sau etwas.
Ich musste mir schon anhören: nun lassen sie doch dieses Links-Radikale und ich antwortete nur, darf es vielleicht ein bisschen Rechts sein?
Wenn ich zum Duschen gehe, so sind von 20 Mann, sieben mit riesigen Zeichen: SS, Hakenkreuz und so weiter versehen.
Im Hofgang bei guten Wetter, laufen sie mit Oberkörper frei herum, sichtbar für jeden Ausländer, Beamten, Kameras, etc.
Niemand sagt und macht etwas dagegen.
Die meisten Ausländer sagen nicht, um keinen Ärger von den Gefangenen oder auch Disziplinarstrafen von der JVA zu erhalten. Oder sie können nur sehr schlecht deutsch, so dass sie sich nicht richtig verständlich machen können. In manchen anderen Anstalten dürfen Gefangene die Zeichen nicht öffentlich zur Schau tragen und müssen die Symbole verdecken oder etwas drüber kleben, sonst hätte dies unter Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen.
Nicht so hier in Amberg, wo dieses Nazi-Pack noch schalten und walten darf, wo kein Beamter etwas sagt und manche Bedienstete sogar mit denen sympathisieren.
Die Anhänger dieser Gruppen werden sogar mehr. Sie lassen sich bestimmte Tattoo`s machen und bekunden ihre Zugehörigkeit zu einer ganz bestimmten Gruppe durch ein selbstentworfenes Wappen, dass jeder sichtbar in der Zelle hängen hat. Im übrigen und ganz nebenbei, diese Ratte, die  gegen mich aussagte, ist auch so ein Drecksack und da habe ich so oder so nichts Falsches getan. Ach, da möchte ich noch etwas zum Gespräch mit der Abteilungsleiterin erwähnen.
Ich erzählte ihr auch, was da mit meinem Wasserkocher gelaufen ist, als ich auf diese Ratte los ging und man aus Schikane oder nicht, nach einem Jahr mir diesen abgenommen hat. Am gleichen Tag, als ich auf die Station zurück kam, brachte mir nach kurzer Zeit, und ohne dass ich etwas sagte, mein Stationsbeamter einen Wasserkocher, den ich solange behalten darf , bis ich mir einen Eigenen leisten kann. Ganz plötzlich ging alles.
Zu meiner neuen Abteilungsleiterin möchte ich noch etwas los werden.
Es war keine Heuchelei oder sonstiges von ihr, sondern ich habe schnell bemerkt, dass sie es ernst meint und versuchte, mir zu helfen. Das aber auch ihr die Hände gebunden sind und sie jetzt nur am Anfang ihres beruflichen Einstiegs ist. Ihre Vorgesetzten werden sie mit der Zeit schon ausbremsen, was ich verdammt schade finde.
Es ist einfach so, jemand, der sich für Gefangene einsetzt und engagiert ist, ist mit der Zeit nicht gerne gesehen.
Als Abteilungsleiterin war sie für mich sehr positiv. Dennoch bin und bleibe ich weiterhin sehr vorsichtig, denn diese Freiheiten, die ich nun plötzlich habe, sind schon krass.
Es gibt auch Beamte, die hinter meinen Rücken sich das Maul zerreißen und für sie unverständlich ist, wie man mir soviel Freiheiten geben kann und dass ich wahrscheinlich diese Arbeit eh nicht lange mache.
Ist das nicht motivierend? Na ja, die sich so das Maul hintenrum zerreißen, können mich mal!
Bis jetzt kann ich mich aber nicht beklagen und man lässt mir meine Ruhe. Ich mache meinen Job und den ganzen Tag sehe und höre ich nichts.
Und jetzt Mitte Juni werde ich auf Besuchertransport geschickt und werde mich in der letzten Juni-Woche für sieben Tage in Hamburg-Fuhlsbüttel befinden, worauf ich mich wirklich schon sehr freue!
Ich sehe die letzten Ereignisse mal so: das ist die Entschädigung für extremen Psychoterror, Absonderung, Arrest, Post und und und. Allerdings bin ich trotzdem auf der Hut und mal sehen, ob sich jemand anderes Etwas einfallen lässt, ich traue kaum noch jemandem. Ich möchte Dich nun bitten, mein Freund, diese Zeilen zu kopieren und an ein paar Adressen für mich zu schicken, vielleicht mit ein paar anhängenden Zeilen von Dir.
Ich habe leider keine Möglichkeit sowas zu kopieren und vom Postwertzeichen ganz zu schweigen.
Ich möchte, dass dieser Erfolg auch veröffentlicht wird und dass der Kampf nicht umsonst war, dass endlich etwas passiert ist.
Jetzt mal was anderes, und zwar versucht Mark aus Stadelheim seit längerem Kontakt zur Münchener Soliwerkstatt aufzunehmen, aber leider vergebens und er vermutet, dass seine Post Euch nie erreicht.
Er würde sich sehr freuen, wenn man ihm schreibt und er hat mich darum gebeten, jemanden von den Münchnern (also Dir) Bescheid zu geben.
Dann hat er mich um noch etwas gebeten.
Und zwar hat ihm ein Till geschrieben, der die Münchner auch kennt und als Mark diesem geschrieben hat, kam sein Brief zurück. Mark bittet also darum, dass sich dieser Till nochmal mit korrekter Adresse bei ihm meldet und vielleicht kennt jemand aus Deiner Soli. Till ja. Kannst Du mal bitte anfragen?
Ich hatte Mark vor längerer Zeit mal erzählt, dass ich Kontakt zu Dir habe und daraufhin hat er mich darum gebeten, Dich zu Fragen wegen diesem Till und dass er zu Euch keinen Kontakt aufnehmen kann, warum auch immer. Ihr habt doch dort ein schwarzes Brett, oder? Nun vielleicht kannst Du ja einen Zettel aufhängen.
Hey, mein Freund, wenn ich von Hamburg zurück komme, nach dem 26.06., würde ich mich sehr freuen, wenn Du mal zum Besuch kommst, aber nur wenn es für Dich auch in Ordnung und wirklich nicht zu viel Stress ist.
Ich muss Dich dann nur zur gegebenen Zeit in die Besucherliste eintragen lassen, sonst kommst Du nicht in die Anstalt.
Die Voraussetzungen für einen Besuch hatte ich Dir ja in einem Infoblatt mitgeteilt, oder?
Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon, wenn Du mich besuchen kommst und Du kannst, wenn du möchtest, auch jemanden aus der Soli mitbringen, das ist überhaupt kein Thema.
Wie aber bereits gesagt, muss ich jeden, der mich besuchen möchte, vorher in eine Besucherkartei eintragen lassen. Und du musst quasi dann in der Anstalt anrufen und einen Besuchstermin vereinbaren.
Nun noch zu einigen Dingen aus Deinem Brief und deinen Fragen.
Reaktionen auf meinen HS?
Viele denken, nur weil ich im Internet stehe oder eine Zeitung über mich berichtet, dass ich Unmengen von Zuschriften bekomme. Nein, es ist das Gegenteil. Zwei Karten bekam ich bisher aus Berlin mit netten Zeilen der Anteilnahme und besten Wünschen.
Aber ich finde das gar nicht so schlimm und ich erwarte auch nichts Anderes.
Das, was mir nur wichtig ist, ist zu wissen, dass viele Menschen das lesen und dass ich vielleicht den Anstoß zum Denken gebe. Und wenn es nur ein paar Leute sind, die aufgewacht sind, dann ist das schon ein Erfolg. Wie gesagt, ich erwarte nicht, dass mir -zig Menschen schreiben.
Natürlich fehlt mir oft der Zuspruch von anderen, man fühlt sich sehr oft alleine in seinem Kampf und ob das alles noch einen Sinn macht, schießt einem ständig durch den Kopf. Aber weißt Du, das Schöne ist, wenn dann von Dir, den Hamburgern, insbesondere J. und auch Mark, Post kommt und Ihr mich in Allem motiviert und ich Kraft tanke. Es gibt natürlich vereinzelt noch andere Personen, wie Sonja, mit der ich regelmäßig schreibe.
Aber sie hat sehr viele eigene Probleme.
Dann habe ich noch eine nette Bekannte auch aus Frankfurt (ehemals RAF) und so weiter, die auf meiner Seite sind und mit denen das Briefe-Schreiben und die Diskussionen darin sehr viel Freude machen.
Also das ist so mein Halt.
Zum Thema Nazis habe ich Dir ja schon einiges erklärt und es existieren einzelne Gruppen.
Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einigen türkischen und italienischen Mitgefangenen deswegen unterhalten und alle würden es gut heißen, wenn diesbezüglich etwas veröffentlicht wird.
Du, für die beigelegten Briefmarken möchte ich mich nochmals recht herzlich bedanken!
- Vielen Dank !!! -
Und auch ein super-dickes Dankeschön für die mega-tollen Bruce-Lee-Fotos.
Ich bin schon als Kind ein totaler Kampfsportfan, speziell B. Lee und die Teilnehmer am jährlichen K1-Finale in Tokio.
Alles andere an Sport hat mich nie wirklich interessiert. Du hast mir auf jeden Fall eine riesen Freude damit gemacht, riesengroß sogar! Ich selbst habe über 10 Jahre Schotokan Karate praktiziert und nebenbei noch etwas Muai-Thai und Boxen beim 1. FCN in Nürnberg.
Das alles ist natürlich schon Jahre her. Also mein Freund, nochmals Dankeschön!!!
Du, weil ich Dich doch am Anfang des Briefes darum gebeten habe, diesen teilweise oder auch komplett zu kopieren und an bestimmte Stellen zu schicken, vielleicht mit ein paar Zeilen von Dir, möchte ich noch was sagen.
Zum ersten gehörst Du zu einer der wenigen Personen, denen ich blind vertraue und deswegen auch zu Dir sage, Du kannst mit meinen Zeilen verfahren, wie Du möchtest.
Außerdem möchte ich nicht alles zig mal doppelt und dreifach schreiben, verstehst Du?
Du und insbesondere J. schreibe ich von Anfang an alles detailliert auf und daher würde es mich freuen, wenn Du Dinge weiterleitest, vorausgesetzt es ist OK für Dich.
Wichtig wäre mir in erster Linie:
Gefangenen Info
c/o Soziales Zentrum
Alexander-Puschkin-Str. 20
39108 Magdeburg
Tempest
Reichenberger Straße 63a
10999 Berlin
die Hamburger und Deine Münchner.
Es müssen viele sehen, dass es sehr wohl auch als Einzelner etwas bringt, wie in meinem Fall. Vielleicht spornt es Andere an und dass mein Kampf nicht umsonst war. Natürlich tragen auch Andere mit dazu bei, wie mit den ganzen Veröffentlichungen. Das war und ist ein zusätzlicher Druck für das System.
Nun aber weiter zu Deinen Fragen.
Natürlich ist es erlaubt, zu rauchen, aber auf Grund des Nichtrauchergesetzes nur in bestimmten Bereichen in der Anstalt. Jede Zuwiderhandlung wird mit einer Einkaufssperre bestraft.
Man darf auch nur eine begrenzte Zahl an Tabak in seinem Haftraum haben, weil man sonst verdächtigt wird, illegale Geschäfte zu betreiben und der Tabak wird eingezogen und zur Habe genommen.
Zu Deiner Frage, was bei einer Arbeitsverweigerung passiert. Also, wenn ein Gefangener so etwas macht ist er total für'n Arsch.
Zuerst einmal bekommt man so schnell keine Arbeit mehr und man hat für die nächsten drei Monate den Vermerk „Schuldhaft ohne Arbeit“ eingetragen. Das heißt, man hat kein Recht auf das monatliche Taschengeld, zumindest für die nächsten drei Monate.
Dann bekommt man unabhängig davon eine Disziplinarstrafe und dem Gefangenen werden solange er „Schuldhaft ohne Arbeit“ ist, die Haftkosten angerechnet.
Du siehst, man bekommt ein Diszi und wird zusätzlich bestraft, zumindest die nächsten drei Monate.
In der Regel ist es aber so, entweder man stellt sich in der Arbeit blöd an, oder man lässt sich ständig krank schreiben, dann wird man die Arbeit auch los und muss sie nicht verweigern.
So, mein Freund und Bruder, dann schließe ich für heute diesen Brief und bedanke mich nochmals recht herzlich bei Dir!
Bleib so wie du bist.
Grüße bitte wieder alle aus Deiner Soli.
Liebe Grüße und bis bald
Andreas
Hallo, Alle zusammen!                                                                    13.8.13

Wie ihr sicher schon erfahren habt durch die Hamburger Solidaritätswerkstatt, mit denen ich in engem Kontakt stehe, wurde ich von Amberg nach Landhut verlegt und so einiges hat sich in den letzten Wochen ergeben, was ich Euch nun zur Veröffentlichung etc. mitteilen möchte (als Ergänzung zu meinem letzten Brief/Bericht an Euch).

Wie ihr also wisst, bekam ich in der JVA Amberg die Stelle als Hofkehrer unter der Voraussetzung der Aufhebung meines Hungerstreiks und dass ich die Ratte, weswegen ich abgesondert war, in Ruhe lasse.
Da unter anderem auch vieles durch die Hamburger über meinen Kampf im Internet verbreitet wurde, zeigte auch dies und sehr viele Zuschriften, das meiste wurde beschlagnahmt, Wirkung. Der Anstalt blieb also nichts anderes übrig, als auf mich zu zu gehen.
Ich durfte mich frei auf dem ganzen inneren Anstaltsgelände bewegen und das ging auch alles ohne weitere Zwischenfälle für einige Wochen klar.
Bis plötzlich fast täglich Haftraumkontrollen und Leibesvisitationen kamen. Das Rollkommando kam fast ständig und ich wurde ständig gefragt, wo ich das ein oder andere Telefon oder Drogenpaket verstecke.
Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass ich beobachtet wurde, bis es mir durch Sicherheitsbeamte bestätigt wurde.
Man wollte mich von Anfang an irgendwelcher Dinge überführen und ich wurde von Anfang an innerhalb der Mauern observiert.
Zu keinem Zeitpunkt ist man in irgend einer Wiese fündig geworden und alle Verdächtigungen waren haltlos.
Ich erfuhr mit der Zeit immer mehr, das Mitgefangene den Beamten Tipps zu meiner Person gaben, nur damit sie selbst gut da stehen und sich etwas an Vergünstigungen erhofften.
Ich kam aus den Kontrollen und ständigen Filzungen nicht mehr raus. Der Neid war sehr groß und mittlerweile wurde mir auch bewusst, dass die Anstaltsleitung nur mit dem Vorsatz gehandelt hat.
Ich hatte natürlich den ein oder anderen Verdacht und war kurz davor, mir einzelne Personen vorzuknöpfen.
An einem Montag kam dann ein Sicherheitschef, der mich fragte, ob ich denn nicht in die JVA Landshut möchte und ich habe um Bedenkzeit gebeten.
Am Dienstag wurde ich dann zu meiner Abteilungsleiterin vorgeführt, wo ich erklärte, die Schnauze mit den ganzen Ratten voll zu haben.
Weiter erklärte ich, das ich auf Grund der seit fast einem Jahr anhaltenden Schikanen in eine andere Anstalt möchte und willigte in die Verlegung in die JVA Landshut ein.
Prompt war ich Tags darauf schon in einem Sammeltransporter.
Die nachfolgenden Ereignisse zeigen mir, man wollte mich los werden.
Für 200 Kilometer war ich eine Woche unterwegs und während meiner zwei Tage Aufenthalt in Stadelheim hatte ich Dauerbeleuchtung und der Hausarbeiter schließt hinter den Gefangenen die Türen und auch Kostklappen. Er verrichtet Tätigkeiten des Beamten, was mich fast zur Explosion brachte. Angekommen in Landshut stieg ich aus dem Viehtransporter und musste gleich mal im Beisein von Beamten Urin abgeben, was in meiner 16 jährigen Hafterfahrung das erste Mal war.
Dann musste ich mich umkleiden und bekam vorerst nichts von meinem Hab und Gut, was ich in Amberg hatte. Ich wurde direkt auf die Station verlegt, also keinen Zugang oder sonstiges. Auf meinem Weg zur Station alles ging unterirdisch vonstatten, sah ich überall nur Kameras und Türen die elektronisch funktionierten.
Alter Schwede dachte ich mir, das ist ein ganz neuer und wirklich absoluter High-Tech-Knast.
Man macht hier keinen Schritt, und ich meine keine Schritt, ohne Überwachung. Auf einer Station, überwiegend Einzelzellen, sind Maximum 18 Gefangene und die Gruppen werden absichtlich so klein gehalten zwecks Übersichtlichkeit und besserer Kontrolle.
Auch die Station selbst ist mit mehreren Kameras überwacht.
Das Essen wird portioniert auf Tabletts ausgeteilt. Kein Nachschlag und keiner bekommt zu viel oder zu wenig. Die Leute sind sehr sehr ruhig und niemand erhebt das Wort. Mit Diszis (Disziplinarstrafen) ist man hier schon wegen Kleinigkeiten sehr schnell und auch eine Absonderung geht hier ruck-zuck. Nach zwei Tagen fand die Kammer endlich Zeit, meine Habseligkeiten zu kontrollieren und ich bekam gerade mal die Hälfte meiner Sachen, da hier sehr Vieles verboten ist. Was mein Zeichnen und Schreiben betrifft, bin ich also sehr eingeschränkt. Auch Bastelmöglichkeiten gibt es kaum. Mein letzter Verdienst kam aus Amberg und davon hat erst mal das Gericht einige Kosten abgezogen, somit kann ich mir weder Briefmarken noch sonst irgend etwas kaufen und bin hier so ziemlich für´n Arsch.
Einige Tage darauf erhielt ich aus der Soli in München Besuch, worüber ich mich sehr freute. Allerdings, die Zustände für den Besuch selbst waren ein Hammer. Eine halbe Trennscheibe (ich habe nichts mit Drogen zu tun und auch keinen Eintrag), dazu eine Kamera und ein aufmerksamer Bediensteter. Es gibt beim Besuch keinerlei Getränke und auch sonst keine Zuwendungen. Nach dem Besuch von einer Stunde musste ich mich zur Kontrolle komplett entkleiden, wie erniedrigend. Seit letzten Montag befinde ich mich in einen Betrieb wo Spielzeug-Traktoren für die Fa. Bruder gebaut werden. Eine Soll-Arbeit und für 8 Stunden muss man wirklich hart schuften. Es gibt noch Betriebe wie MTU, BMW und Fa. Pabst.
Zum Ausrücken in die Arbeit bekommt man einen Knastausweis und durchläuft einen Metalldetektor. Nach der Arbeit wird man gleich drei mal in Folge kontrolliert. Man darf nichts bei sich haben. Man darf auch zum Hofgang nichts übergeben oder annehmen. Ein Zusammenhalt gibt es hier kaum, die Leute sind ruhig und jeder hofft auf irgend etwas.
Nach meiner jetzigen Beurteilung ist hier der Verrat noch größer, als es in Amberg war.
Ich möchte behaupten, dass dies eines der sichersten Gefängnisse und einer der Modernsten in Europa ist. Ich wurde zu einer Sozialarbeiterin gebracht wegen Vollzugsplan.
Tja, hier gibt es nichts für mich und auf Nachfrage wegen einen Zugangsgespräch wurde mir nur gesagt, für Amberger gibt es kein Zugangsgespräch. Erwähnenswert ist auch noch, wer ein Gewaltdelikt hat, muss sich erst mal bewähren, bevor man hier zum Kraftsport darf, gegebenenfalls Absolvierung eines Antigewalttrainings. Es gibt aber auch etwas Positives, die Anstalt ist Nazifrei und nicht so verseucht wie in Amberg, wo die Rechten sich offen zeigen und Ausleben können.
Man kann hier auch kochen und das nötige beim Einkauf bestellen, wenn man die Kohle hat.

Tja, meine Lieben, so ist also momentan der Stand der Dinge. High-Tech vom Feinsten und ich bin immer noch sprachlos. Alles ergibt nun einen Sinn und ein Gesamtbild. 14 Monate, dann beginnt für mich ein neuer Kampf, ein noch größerer. Ich hoffe ihr könnt mit meinen Infos zu den Geschehnissen der letzten Wochen etwas anfangen. Solltet Ihr beabsichtigen, mir eine Ausgabe der GI zu schicken, so wird sie hier mit Sicherheit nicht ausgehändigt. Also schenkt Euch das Porto. Sagt mir aber bitte Bescheid, ob Euch diese Zeilen erreicht haben, das wäre mir sehr wichtig!

Solltet Ihr noch etwas wissen wollen, dann sagt mir Bescheid. Ich werde gerne alle Fragen und was Euch interessiert beantworten. Es ist nur eine Kurzfassung von dem, was ich gesehen und erlebt habe. Es wäre sonst einfach zu viel und wer weiß, ob die Zeilen dann ihr Ziel auch erreichen.

Bis dahin die besten Grüße an Euch nach Magdeburg
Andreas

Andreas Krebs
Buchnummer 488/2013
Abteilung co
Haftraum 16
c/o JVA Landshut
Berggrub 55
84036 Landshut

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