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Über die Aktionen des 25. November und eine Rede des Roten Frauenkomitee Hamburg

30.11.15

frautagOft ist es der Fall, dass Aktionen und Demonstrationen der progressiven Bewegung mehr den Charakter von Pflichtveranstaltungen als kämpferischer Ereignisse haben: Aktionen werden gemacht um zu sagen „wir haben unsere Pflicht gemacht“, sozusagen das Datum im Kalender abgehakt, ohne wahre Anstrengungen um die Bewegung in der Tat vorwärts zu bringen. Leider sieht es so aus als ob der 25. November, der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen, dieses Jahr an vielen Orten in der BRD diesen Charakter gehabt hat. Wenn wir uns die Berichte von verschiedenen Städten angucken können wir zu keiner anderen Schlussfolge kommen. Kennzeichnend ist der Fall von Hamburg, eine bundesweit bekannte „Hochburg“ der „ außerparlamentarischen Linken“, wo nur um die 100 Demonstranten auf die Straße gingen. Klar ist: Falls das gesamte Umfeld der Frauengruppen und Verbänden, die in der Vorbereitung dieser Demonstration waren, diese mit voller Kraft unterstützt  hätten, dann würde die Anzahl von Demonstrationsteilnehmern sich in den Tausenden befinden. Falls es nicht als eine Pflichtveranstaltung gehandhabt würde. Natürlich hat die gegebene Situation mit dem Verständnis der Rolle der Frau in der revolutionären Bewegung zu tun. Entweder sieht man den Kampf für die Emanzipation der Frau als einen „Nebenwiderspruch“, was für uns ein klarer revisionistischer Standpunkt ist, oder man sieht den proletarischen Feminismus als einen Eckpfeiler jeder revolutionären Tätigkeit. Die Arbeit der Genossinnen der Roten Frauenkomitees in verschiedenen Städten ist deswegen für uns vorbildlich und jeder Revolutionär muss es unterstützen. Unten die Rede der Genossinnen von Hamburg.

Rede des Roten Frauenkomitee Hamburg auf der Demonstration des 25. November 2015:
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Genossinnen und Genossen
Freundinnen und Freunde
Gewalt gegen Frauen und sexuelle Übergriffe sind Ausdrücke des Patriarchats und damit Teil des Übels dieses herrschenden imperialistischen Systems und müssen ebenso bekämpft werden. Denn dieses System ist der Grund dafür dass weltweit mehr Frauen durch Gewalt als durch eine Krebserkrankung oder in Kriegen sterben. Laut Amnesty International sterben täglich mehr Frauen an den Folgen geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Gewalt als an anderen Menschenrechtsverletzungen. In Europa ist jede dritte Frau betroffen. Es wird schwierig für die Herrschenden, dieses Europa weiterhin als ach so fortschrittlich darzustellen. All die Kriege, die durch die sogenannten Menschenrechte legitimiert werden. Sie geben es selber zu: In diesen Kriegen werden Gewalt an Frauen, sowie Vergewaltigungen als Waffe genutzt um ganze Nationen und ihre Volker zu unterwerfen und zu demütigen.

Gewalt gegen Frauen muss von jedem der sich als fortschrittlich oder revolutionär sieht bekämpft werden. Der Kern der Unterdrückung der proletarischen Frau besteht jedoch in der ökonomischen Unterdrückung. In der BRD wird der Wert der Arbeitskraft der Frauen auf zwei Drittel der Arbeitskraft der Männer geschätzt. Das führt dazu, dass Männer in der Regel die größere Menge an Geld nach Hause bringen. Unterstützt durch reaktionäre Gesetze wie das Ehegattensplitting ist damit der Mann der ERNÄHRER und der Frau bleiben neben wenigen Stunden Arbeit am Tag die Kinder, der Einkauf, das Kochen, Putzen, Waschen und alles was noch zur gesellschaftlichen Reproduktion gehört. So wird die von der Reaktion gewünschte Arbeitsteilung innerhalb der Familie manifestiert und wir Frauen in Abhängigkeit vom Mann gehalten. Der Kern der patriarchalen Unterdrückung ist nicht die Gewalt gegen Frauen, sondern am Ende das Privateigentum.
Die Gewalt gegen Frauen, gegen die wir heute gemeinsam Schulter an Schulter auf die Straße gehen, ist Teil des Imperialismus und von ihm legitimiert. Die formale „Gleichberechtigung“ ist ein schlechter Witz.
Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde, wenn wir ehrlich zueinander sind, wird sich daran auch nichts ändern wenn wir einmal im Jahr für ein paar Stunden durch die Innenstadt laufen.
Es wird Zeit dass wir unsere Aufgaben in die Hand nehmen und Gewalt gegen Frauen als das erkennen was sie ist. Frauen sind unterdrückt und Unterdrückung erzeugt Widerstand!
Das imperialistische System wird uns in diesem Kampf nicht zur Seite stehen! Wieso sollte es auch?! Es will gar nicht, dass wir gleichberechtigt sind! Es braucht uns Frauen, die Hälfte der Menschheit in Unmündigkeit und Ketten, unter dem Joch des Patriarchats! Denn das Patriarchat ist entstanden mit der Klassengesellschaft. Genauso wie die Klassengesellschaft kann das Patriarchat nicht mit Reformen, Gesetzesänderungen oder in Diskussionszirkeln abgeschafft werden. Es muss zerschlagen werden. Wir Frauen müssen es zerschlagen!
Niemand wird kommen und uns die Emanzipation schenken. Auch nicht wenn wir darum betteln.

Wollen wir die Emanzipation?
Dann müssen wir sie uns erkämpfen!
Kampf dem Patriarchat und dem Imperialismus!
Proletarischer Feminismus für den Kommunismus!
November 2015                                           
Rotes Frauenkomitee Hamburg

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