KOLUMNE VON MUMIA ABU-JAMALMutulu Shakur: Frei und mittellos

In der schwarzen Befreiungsbewegung der USA ist Mutulu Shakur eine Legende. Als ehemaliges Mitglied sowohl der Black Panther Party als auch der Black Liberation Army ist er weithin als Verfechter des schwarzen Freiheitskampfs bekannt. Er wurde vor Jahrzehnten angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er 1979 an der Befreiung von Assata Shakur aus einem US-Gefängnis beteiligt gewesen sein soll. Sie saß zu unrecht in Haft und floh nach Kuba, wo ihr politisches Asyl gewährt wurde und sie seitdem sicher und in Freiheit leben kann.

Bevor Shakur verhaftet wurde, verdiente er sich als engagierter Arzt große Anerkennung. Er war in traditioneller chinesischer Akupunktur ausgebildet und setzte seine Kunst in den 1960er und 1970er Jahren zur Behandlung vieler Drogenabhängiger ein. Er war Mitbegründer mehrerer Einrichtungen zur Gesundheitsversorgung der mehrheitlich schwarzen und puertoricanischen Bevölkerung in der New Yorker Bronx. Von 1971 bis 1978 arbeitete er dort für das Entgiftungsprogramm des Lincoln Hospital und behandelte Drogenabhängige statt mit Methadon sehr erfolgreich mit Akupunktur. Danach war er Mitbegründer und bis 1982 Kodirektor der »Black Acupuncture Advisory Association of North America« und des »Harlem Institute of Acupuncture«. Die Menschen in den New Yorker Ghettos liebten Doktor Shakur, weil er sich unermüdlich für die Armen und Schwachen einsetzte.

Seit wenigen Monaten ist der 72jährige politische Gefangene wieder in Freiheit. Aber nach Jahrzehnten, die er in US-Bundesgefängnissen eingesperrt war, ist er sehr krank und braucht jetzt eure Hilfe zum Überleben. Das Solidaritätskomitee »Family & Friends of Mutulu Shakur« erklärte dazu: »Am Morgen des 16. Dezember 2022 wurde Dr. Mutulu Shakur auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Die Entscheidung beruhte auf den Feststellungen, dass er unter Berücksichtigung seines vorbildlichen Verhaltens in der Haft, seines schlechten Gesundheitszustands und der bereits verbüßten Haftzeit ›keine Gefahr für die Gesellschaft darstellt‹. Mutulu ist jetzt bei seiner Familie. Dieser Sieg wurde durch die unerschütterliche Unterstützung seines Anwaltsteams, seiner Familie und der solidarischen Gemeinschaft, zu der ihr alle gehört, erreicht. ›Family & Friends of Mutulu Shakur‹ ist sehr dankbar für die Unterstützung, die Mutulu während seiner langen Inhaftierung erfahren hat. Im Kreis seiner Familie kann er sich jetzt endlich auf seine Gesundheit und Heilung konzentrieren. Wie Mutulu konkret zu helfen ist, kann unter mutulushakur.com/support nachgelesen werden. Lasst uns alle den Erfolg seiner Freilassung feiern und unser Engagement für eine gerechtere Zukunft vertiefen.«

Übersetzung: Jürgen Heiser

Dequi Kioni-Sadiki, Sprecherin des »Jericho Movement to Free All Political Prisoners« erklärte zum Aufruf in der New Yorker Amsterdam News. »Wir sammeln Spenden, damit Dr. Shakur seine relative Freiheit genießen kann. Nach Jahrzehnten der Mangelernährung, der medizinischen Unterversorgung und der Folter« sei er »als Covid-Überlebender und Krebskranker nach Hause« gekommen. Er sei mittellos und brauche »als Heiler jetzt selbst Heilung«. Mutulu Shakur sagte jüngst in einer seiner wenigen öffentlichen Erklärungen: »Dieses Land ist nicht mehr dasselbe wie zum Zeitpunkt meiner Verurteilung.« Er werde sich jedoch »immer für die Freiheit und Gleichheit der afroamerikanischen Bevölkerung, der Randgruppen und der unteren Klassen in diesem Land und im Ausland« einsetzen. »In diesem Kampf ging es nie um mich, sondern darum, den Willen des Volkes durchzusetzen.« (jh)

junge Welt 8.5.2023