Leserbrief zum Artikel Syrien: Mobilmachung in Rojava vom 14.12.2018:  Wunderbare Freundschaft

Leserbrief zum Artikel Syrien: Mobilmachung in Rojava vom 14.12.2018: Wunderbare Freundschaft

Wenn der Feind uns lobt und bewundert, dann gibt es entweder ein Problem bei uns, oder der Feind ist sehr korrekt. Es ist beschämend, von einem Staat wie den USA und vom Präsidenten der CIA, des größten Feindes der Weltbevölkerung, ein »wunderbarer Verbündeter« genannt zu werden.
Bei einem Essen, welches vom Jüdischen Institut für Nationale Sicherheit Amerikas (JINSA) organisiert wurde, wurden die Ableger PYD und YPG der PKK in Syrien von Mike Pompeo als »wunderbare Verbündete“ bezeichnet. Weiter führte der frühere CIA-Direktor aus: »Während meiner Amtszeit haben wir mit den Kurden in Syrien zusammengearbeitet. Sie waren wunderbare Verbündete.

Wir bemühen uns jetzt, dass sie am Tisch auch einen Platz bekommen. Sonst gibt es keine Fortschritte. Wir fordern, dass alle Gruppen an einer zukünftigen Regierung Syriens beteiligt werden.« Mitte Oktober haben diverse Zeitungen dies wiedergegeben. (…) Demnach kann man davon ausgehen, dass die USA entschlossen sind, an den Friedensgesprächen für Syrien auch die Kurden teilnehmen zu lassen.
Warum? Die Verbündeten bzw. Kollaborateure sollten sich nicht zu früh freuen. Die USA wechseln sehr schnell ihre »Verbündeten« und ihre Vorgehensweisen. Was ist zum Beispiel in Afrin und Manbidsch passiert? Die USA haben die YPG im Stich gelassen, indem sie mit den Faschisten in der Türkei zusammenarbeiteten. In einigen Gebieten, die unter dem Schutz der USA stehen, versuchen die PYD/YPG an der Macht zu bleiben. Das ist aber keine Politik zugunsten der Bevölkerung im Nahen Osten, sondern stärkt die USA. Was haben diese in Syrien vor? Dazu sagte Pompeo folgendes: »Bevor wir unsere politischen Ziele nicht erreicht haben, werden wir uns nicht aus Syrien zurückziehen. Neben der Zerschlagung des IS haben wir noch zwei Ziele: zum ersten eine politische und friedliche Lösung in Syrien und zweitens den Rückzug der Iraner und ihrer Verbündeten.« Die USA sind genauso Kriegsverbrecher, Besatzer und Lügner wie alle anderen Imperialisten. Die Invasion der USA in Syrien stand nach der Zerstörung des Sozialismus als nächster Tagesordnungspunkt auf dem Programm. Nach der Invasion im Irak war nun Syrien an der Reihe. Das dahinterstehende Projekt nannte sich »Greater Middle East«. Der angebliche Grund für die Invasion war, dass die »Diktatur« beendet werden sollte. Dann wurde die IS-Terrorbande erfunden. Um diese zu bekämpfen, wurden verschiedene Organisationen aufgerüstet und bewaffnet und ins Feld geschickt. Mittlerweile ist der IS weitgehend außer Gefecht. Aus den Äußerungen Pompeos geht aber hervor, dass die USA dennoch nicht die Absicht haben, Syrien zu verlassen. »Weil wir gegen den IS gut gekämpft und ihn gestoppt haben, haben die USA uns als Verbündete angesehen und mit Waffen versorgt« – die PKK/YPG täuschen sich selbst und das kurdische Volk mit diesen Argumenten. Was ist die Tatsache? Da die kurdischen Nationalisten den USA bewiesen haben, dass sie bereit sind, sich ausnutzen zu lassen und für die USA zu kämpfen, haben sie dafür mehrere Ladungen Waffen bekommen.
Wer redet von »wunderbaren Verbündeten«? Der US-Imperialismus. Wer ist Pompeo? Der ehemalige CIA-Direktor. Er steht für folgendes: Foltergefängnisse in verschiedenen Ländern. Der Iran gilt der CIA als größter Terrorunterstützer und muss angegrifen werden. Auch muss für die CIA die nordkoreanische Regierung gestürzt werden, Operationen sind durchzuführen, um sie in die Schranken zu weisen. Alle politischen Maßnahmen, die mit Bezug auf den Nahen Osten ergriffen werden, müssen aus Sicht der CIA die Sicherheit Israels gewährleisten. Angeblich ist Israel ein demokratisches Land, das den Frieden möchte, ist ein Vorbild in Sachen Pressefreiheit und hat eine wachsende Wirtschaft. In Zukunft, so Pompeo, soll der ganze Nahe Osten so sein.
Aber ist Israel wirklich demokratisch, will den Frieden, ist eine Heimat der Preessefreiheit? Um die Besetzung Palästinas zu rechtfertigen, wird Israel seit langem als das »einzige demokratische Land im Nahen Osten« verkauft. Tatsache ist aber, dass Israel der Auftragskiller der USA in der Region ist. Deswegen ist Israel für die USA unverzichtbar.
»Mit Hilfe der PKK/YPG möchten die USA in ihrem Interesse in Syrien ein zweites Israel schaffen«, ist seit längerem zu hören. Wie im Irak unter Barsani, kann auch in Syrien von der PKK ein »kurdischer Staat« gegründet werden. Das wird aber nichts bringen, solange die YPG im Namen der USA kämpfen. Ihre Kollaboration mit den USA wird zum Kampf der Weltbevölkerung gegen die Unrechtssysteme nichts beitragen. Das muss die kurdische nationalistische Bewegung einsehen. Sie muss diese Allianz beenden. Denn ihre Linie stärkt den Imperialismus und schwächt die Völker.

Muzzafer Dogan, JVA Schwerte
https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=42297

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