Pressemitteilung des Kinderladens Rock´n´Roll Zwerge e.V., Rigaer Straße 14

Pressemitteilung des Kinderladens Rock´n´Roll Zwerge e.V., Rigaer Straße 14

Arbeiten im Gefahrengebiet:
Fortlaufende Polizeikontrollen machen auch vor Angestellten und Eltern nicht halt. Kinderladen in der Rigaer Straße wehrt sich gegen Polizeischikanen.

Wir, die Angestellten des Kinderladens Rock´n´Roll Zwerge, sind empört über die Polizeikontrollen in der Rigaer Straße.

Am Mittwoch, den 3. Februar, standen einige Mitarbeiter_innen zusammen mit Eltern nach einem Elternabend vor der Tür unseres Kinderladens, als die Polizei mit einem Mannschaftswagen hielt und alle – Kolleg_innen und Eltern – rüde aufforderte, die Ausweise zu zeigen. Diese wurden kontrolliert, doch damit nicht genug. Die Anwesenden wurden trotz Beschwerde und der Erklärung, man sei an seinem – offensichtlichen – Arbeitsplatz, penibel durchsucht.
Etwa eine halbe Stunde wird in unsere Taschen geschaut, Personalien aufgenommen und überprüft, ob wir nicht vielleicht einen offenen Haftbefehl hätten. Das brachiale Auftreten der Polizei ist erschreckend, die Unverschämtheit der Sprüche provozierend und beleidigend. Es werden abwertende Kommentare und rassistische sowie sexistische Äußerungen gegen uns ausgesprochen und das nicht zum ersten Mal. Eine Kollegin wurde bei der Durchsuchung von der Polizei am Fuß verletzt.

Ein paar Tage zuvor wurden ebenfalls zwei Angestellte unseres Kinderladens auf dem Nachhauseweg aufgehalten und kontrolliert, obwohl die Polizei gesehen haben muss, dass diese aus dem Kinderladen gekommen waren.
Ein ehemaliger Kollege, der uns besuchen wollte, wurde vor den Augen der Kinder aufgehalten und direkt vor unserer Tür kontrolliert.

Wir protestieren aufs Schärfste gegen diese Behandlung. Die abwegige Begründung der Polizei lautet stets, dass wir uns ja nicht im Gefahrengebiet aufhalten müssten.
Diese Maßnahmen haben nichts mit Verhältnismäßigkeit zu tun, sondern sind reine Schikane gegen alle, die sich in der Rigaer Straße aufhalten. Wir werden in der Ausübung unserer Arbeit gestört, die Polizei schafft ein Klima der Angst. Die Kontrollen sind ein nicht erklärbarer Eingriff in unsere Bewegungsfreiheit.
Ist man nun auf dem Arbeitsplatz nicht mehr sicher vor Polizeischikane?
Was folgt als nächstes? Werden die Kinder durchsucht nach gefährlichen (Spiel-) Gegenständen?
Als Kinderladen in der Rigaer Straße sind wir gezwungenermaßen Zeug_innen einer Politik, die sich mit Lügen und Hetze im Wahlkampf profilieren möchte. Die Polizei steht auf Dächern, bricht bei unseren Nachbar_innen die Türen auf, kontrolliert Familien mit Babys.
Wir verwehren uns gegen die Hetze gegen einen ganzen Kiez und solidarisieren uns mit allen Betroffenen. Wir fühlen uns wohl in dieser Straße. Wir pflegen ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbar_innen und helfen uns gegenseitig aus. So leihen wir uns z.B. Stühle aus dem Hausprojekt Rigaer 94, um unser Neujahrsfest zu feiern, oder laden zum nachbarschaftlichen Kuchenbasar ein. Solche Aktivitäten in einem seit Jahren gewachsenen Kiez werden nun gestört.

Wir möchten nicht, dass unsere Kinder in einer solchen Atmosphäre der Kontrolle und Polizeipräsenz aufwachsen.
Wir sagen NEIN zu dem politisch gewollten Ausnahmezustand und fordern die Politik auf, diesen zu beenden.

Kinderladen Rock´n´Roll Zwerge e.V.
Rigaer Straße 14
10247 Berlin
Berlin, 11. Februar 2016

Kontakt:
E-Mail: Rocknrollzwerg@gmx.de
Tel: 030/71572335

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