Schweiz: Neuigkeiten zu  Billy,Sylvia und Costa

Schweiz: Neuigkeiten zu Billy,Sylvia und Costa

Üb. Feb. 2015 von mc, Menzingen, CH, aus it.
https://silviabillycostaliberi.noblogs.org/post/2015/02/13/il-processo-a-billy-silvia-costa-si-avvicina-rilanciamo-la-lotta-alle-nocivita/
 

Der Prozess gegen Billy Silvia Costa nähert sich: den
Kampf gegen die  Schädlichkeiten neu lancieren
Es sind fast fünf Jahre seit unserer Verhaftung in der Schweiz
vergangen, als bei einer Polizeisperre auf dem Albispass im Kanton Zürich im Auto, mit dem wir unterwegs waren, Sprengstoff, einige Propangasflaschen, Benzinkanister und einige Kopien eines mit Earth Liberation Front Switzerland unterzeichneten Bekennungsschreiben
aufgefunden wurden.

Ziel des Angriffs war gemäss Bekennungstext das „Binning and Rohrer Nanotechnology Center“ von IBM, eine damals im Bau stehende Struktur, mit der die ETH (Eidgenössische Technische
Hochschule) Zürich eng zusammenarbeitet.

Der Prozess fand eineinhalb Jahre nach unserer Verhaftung statt, mit
folgenden drei Anklagen: strafbare Vorbereitungshandlungen zur
Brandstiftung; Verbergen und Transport von Sprengstoff; unerlaubter
Handel (Einführung) mit Sprengstoff. Die vom Bundesstaatsanwalt Hansjörg
Stadler beantragten Strafen zwischen 3 Jahren und 4 Monaten und 3 Jahren
und 8 Monaten wurden vom Bundesrichter Walter Wütrich weitgehend
angenommen und das Gericht bestätigte alle Anklagepunkte ausser den
unerlaubten Handel (Einführung) von Sprengstoff, wofür wir freigesprochen wurden.
Gleichzeitig hatte die Staatsanwaltschaft Turin unverzüglich
umfangreiche Ermittlungen zu den von den Schweizern bei uns gefundenen
Sprengstoffpatronen eingeleitet um deren Herkunft zu bestimmen. Nach
Abschluss der Ermittlungen sind die vom Staatsanwalt Enrico Arnaldi Di
Balme gegen uns erhobenen Anklagepunkte ebenfalls drei: terroristische
Handlung mit tödlichen Sprengsätzen, Besitz und Transport im
öffentlichen Raum von Sprengstoff und Hehlerei von Sprengstoff mit den
erschwerenden Umständen des terroristischen Zweckes.
In diesen 5 vergangenen Jahren wurde unsere Analyse der Gegenwart bloss
weiter bewahrheitet, folglich konnte unser anarchistisches und
ökologisches Fühlen bloss noch stärker werden.
Die Nano- und Biotechnologien sind im Rennen zur immer schärfer beschleunigten
Plünderung und Zerstörung der Erde die jüngsten Wege des
kapitalistischen techno- industriellen Systems. Wie alle vorherigen Wege
(man denke an die Ära der Industrialisierung) gaukelt uns auch dieser
als das wahres Wunderwerk vor, was, wie wir uns leicht vorstellen
können, sich zum Albtraum entwickeln wird.

Diese Technologien entstehen aus der vom Informationszeitalter
gebrachten Veränderung der früheren aus Hebeln und Räderwerken
bestehenden mechanistischen Weltanschauung, die von einer aus
Informationsbits gemachten mathematischen Anschauung verdrängt wurde, in
der die ganze Realität auf einen Logarithmus zurückgeführt werden soll.
Eine Anschauung, die sich durchgesetzt hat weil sie den Bedürfnissen des
Systems am besten dient.  In ihrer Durchsetzung hat sie der Wissenschaft
bisher kaum vorstellbare Möglichkeiten zur Erfüllung jener Aufgabe
erschlossen, die ihr durch die Phasen und die Autophagie des Systems
immer dringlicher gestellt wird: die lückenlose Aneignung aller Dinge
des Universums, um sie bis in ihre kleinsten infinitesimalen
Bestandteile bzw. ihre „Bits“ zu zerlegen. Mit dem Ziel, auf irgend eine
universelle Basiseinheit zu stossen, wodurch die Wissenschaftler die
Gesamtheit des Bestehenden auf eine derartig ausreichende
Austauschbarkeit und Gleichwertigkeit reduzieren können, um dann mit der
Ingenieurisierung dieses neuen (weil vorher unzulänglichen) Rohstoffes
alle Dinge dieses Universums für die Bedürfnisse der Herrschaft
verwendbar zu machen. Diese Technologien sind also für das System ein
Pfeiler, um darauf die Produktions- und Versorgungsprozesse neu zu
gründen, die für sein Wachstum grundlegend sind. Ein Wachstum, von dem
man auf einem schon weit über seine Möglichkeiten hinaus ausgeplünderten
Planeten wünscht, dass es endlos sei. Und die Konvergenz der
Wissenschaften, wie auch bei den GVO, ist von einer Entwicklung das
Letzte der Versprechen, das die ökologische Krise, in die uns dieselbe
ökozidische Entwicklung gestürzt hat, hätte lösen sollen.
Wie schon in einem früheren Text gesagt, wurde das „Binning and Rohrer
Nanotechnology Center“  wenige Monate vor unserem Prozess in der Schweiz
in Betrieb genommen und eingeweiht. Seit etwa drei Jahren bietet es 950
m² zur Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung über neue Elemente und
Baustoffe in nanometrischer Skala an. Es ist eine Forschungsanstalt, die
den Forschern von IBM, ETH und anderen Partnern ermöglichen wird, das
Wissen und vor allem die Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologien
viel weiter, viel viel weiter als bis zu den heute erreichten
Anwendungen in der Kosmetik, in den Pneus oder den Nanotechsprays zu
treiben. Das versichert uns Matthias Kaiserwerth, Direktor der Struktur.
Für uns, da kann IBM oder die ETH noch so sehr prahlen, sie hätten ein
in der Welt einzigartiges Labor – obwohl sie irgendwie auch recht haben
– ist es eine Tatsache, dass die Orte, in denen die Ingenieurisierung
und Manipulierung des Lebens und des Planeten vorangetrieben werden,
zahlreich und vor allem ziemlich überall anzutreffen sind. Von den
Forschungszentren der Multis bis zu den Unis, von den Wissenschaftspolen
bis zu den nationenübergreifenden Forschungsanstalten, es ist eine Welt,
die sich parallel zu unserer Lebensrealität bewegt und über unseren
Köpfen hinweg eine Zukunft plant und errichtet, die man uns auferlegen
wird und deren Umrisse wir schon jetzt ausmachen können. Eine Welt mit
Namen und Anschrift.

Im Verlaufe der Jahre verspürten wir immer stärker die Dringlichkeit zum
Versuch, Kämpfe gegen diese Entwicklung aufzubauen und dabei genau vom
Verständnis ihrer Unabdingbarkeit für das System und auch für die
Schädlichkeit der bio- und nanotechnologischen Entwicklungen auszugehen.
Eine Schädlichkeit, was man klären muss, nicht für die menschliche
Gesundheit oder als Umweltproblem sondern als Verhältnis zwischen Macht
und Technologie, das in der Neugestaltung/Ersetzung/Zerstörung der
Ökosysteme und des Lebens umgesetzt wird. Also ein weit umfassender
Begriff von Schädlichkeit, der direkt zur einzig eigentlichen
Schädlichkeit führt, nämlich zum System selbst. Es ist eine
Dringlichkeit, die wir weiter verspüren und darum, vor diesem aktuellen
Sprung nach vorne des technologischen und industriellen Systems, bleiben
wir überzeugt, wie sehr sie in eine zwingend radikale Kritik umgesetzt
werden muss, und dass sie nicht vom sozialen und wirtschaftlichen
Kontext absehen kann, von dem diese Schädlichkeiten sowohl Produkt als
auch Notwendigkeit sind.  Eine Kritik, die ihrerseits fähig sei, die zu
ihrem Ausdruck und zu ihrer Weiterentwicklung benötigten Ströme an Tinte
und Worten in Kampf und direkte Aktion zu verwandeln. Wir bleiben also
immer noch von der Notwendigkeit überzeugt, radikale Umweltkämpfe gegen
diese todbringende technoindustrielle Tendenz zu entwickeln, aber mit
der klaren Trennlinie, dass der Kampf ausschliesslich als eine wirkliche
Chance um alles in Frage zu stellen betrachtet wird und nicht als Raum
zum Versuch, für sich eine Rolle im politischen Trauerspielchen zu
ergattern oder um „ökologisch nachhaltige“ Alternativen zum System
feilzubieten.

Wir sehen, wie die orte der technowissenschaftlichen macht sich in eine
Konstellation von ultra-spezifischen Interessen und Projekten
dezentralisieren und molekularisieren, obwohl sie schlussendlich immer
und zwingend miteinander verbunden sind. Es ist immer unklarer und
schwieriger zu verstehen, wo man am wirksamsten eingreifen und
zuschlagen kann. Eine andauernde Inspirationsquelle in diesem Sinne
sind, einerseits, diejenigen auf der ganzen Welt, die sich der
Dringlichkeit des Kampfes weiter bewusst sind und Projekte, Kampagnen,
Mobilisierungen und Kämpfe voranbringen um das zu verteidigen, wovon man
sich als Teil fühlt, und andererseits die Sabotagen und die
zerstörerischen Angriffe gegen die Räderwerke, aus denen das
industrielle, technowissenschaftliche, patriarchale und kapitalistische
System besteht.
Sich über den Kampf aufs Spiel zu setzen, das wissen wir sehr gut,
heisst früher oder später mit der Repression abrechnen zu müssen und das
kann man nicht vermeiden. Was man aber nicht nur vermeiden kann sondern
muss, ist die von der Repression Betroffenen alleine zu lassen. Die
Unterstützung für die Gefangenen ist etwas, wovon man nicht absehen kann
und neben der eher unmittelbaren Solidarität und Hilfe ist die
Weiterführung der Kämpfe, wofür die GenossInnen bezahlen, ebenso wichtig
und grundlegend.

In unserem Fall, nun ausserhalb jener Mauern, haben wir die Energien der
Vielen wahrlich geschätzt, die, neben der Herzlichkeit der eher
unmittelbaren und notwendigen Hilfe durch Abende und Initiativen, in den
vergangenen Monaten unserem spezifischen Fall, aber auch und vor allem
den Themenfeldern Raum gegeben haben, zu denen uns eine
Auseinandersetzung und die Übermittlung unseres Empfindens am Herzen
liegt. Das bleibt für uns fundamental.

Auf den 23. April wurde die Vorverhandlung festgelegt, wo entschieden
wird ob dieser „déjavu“ Prozess gemacht wird oder nicht. Unsererseits
verspüren wir nicht so sehr ein Interesse daran, auf unseren
spezifischen Fall, auf den Prozess gegen uns aufmerksam zu machen,
sondern viel mehr die Lust, diesen Moment in eine Gelegenheit, auch der
Mobilisierung, verwandeln zu können, um diese Thematiken und das uns
vereinende Empfinden neu zu lancieren.

Nicht die Repression ins Zentrum stellen, sondern, ohne an andere zu
delegieren, das Handeln gegen die Bio- und Nanotechnologien, gegen das
Nukleare, gegen jede andere Schädlichkeit dieses todbringenden Systems
und, im Wesentlichen: gegen diese Gegenwart der Vernichtung und Verheerung.
Für die Befreiung der Erde. Für die Befreiung der Tiere.
Billy, Costa, Silvia, Februar 2015

Auf den Prozess hin befinden wir uns in der Lage, zahlreiche juristische
Kosten decken zu müssen, wir bitten alle um Unterstützung mit
Benefiz-Initiativen und Spenden auf das auf Marta Cattaneo ausgestellte
Postgirokonto mit IBAN Code: IT11A0760111100001022596116 bitte mit
Grundangabe:
solidarietà a Silvia Billy Costa

Für Kontakte:
nfo@resistenzealnanomondo.org
www.resistenzealnanomondo.org
www.silviabillycostaliberi.noblogs.org

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