[UK] Bristol: Toby Shone spricht aus dem Gefängnis von Bristol, und erklärt seinen Fall

[UK] Bristol: Toby Shone spricht aus dem Gefängnis von Bristol, und erklärt seinen Fall

„Mein Name ist Toby Shone, und ich bin ein inhaftierter Anarchist im Gefängnis von Bristol.

Ich wurde in Großbritannien, als Teil der Operation Adream, mit vorgehaltener Waffe von der Anti-Terror-Einheit entführt. Die Repression richtete sich gegen die Kritik und Praktiken der anarchistischen Gruppe 325 Collective und der Website 325.nostate.net. Operation Adream ist ein Angriff des britischen Staates, in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern gegen anarchistische Direktaktionsgruppen, Gegeninformationsprojekte, Gefangenensolidaritätsinitiativen und die neue anarchistische Kritik an der technologischen Singularität und der vierten und fünften industriellen Revolution. Mit der Operation Adream wurde das erste Mal, dass Anti-Terror-Gesetze gegen die anarchistische Bewegung im Vereinigten Königreich eingesetzt.

Ich wurde am 18. November 2020 vom Regime, durch eine Spezialeinheit der Polizei, nach einer Verfolgungsjagd durch den abgelegenen Forest of Dean, der an der Grenze zu Südwales liegt, eine Stunde nördlich von Bristol, als Geisel genommen. Zur gleichen Zeit fanden koordinierte Razzien an fünf Adressen im Forest of Dean statt, die sich gegen kollektive Wohnprojekte, Treffpunkte und eine Lagereinheit richteten. Ich wurde unter bewaffneter Aufsicht zu einer nahe gelegenen Polizeistation gebracht. Dort hat man mich in Isolationshaft genommen und ich wurde viele, viele Male verhört. Ich weigerte mich, während der Verhöre mit den Mördern in Uniform zu sprechen und zu kooperieren.

Ich wurde in vier Fällen wegen Terrorismus angeklagt. Eine Anklage auf Abschnitt 2 lautete, Verbreitung von terroristischen Publikationen als mutmaßlicher Administrator von 325.nostate.net. Zwei Anklagen wegen Abschnitt 58, Besitz von Informationen, die zum Zwecke des Terrorismus genutzt werden. Dabei handelt es sich um zwei Videos. Eines davon zeigte, wie man eine explosive Hohlladung improvisiert. Das andere, wie man einen Mobilfunksender in Brand setzt. Außerdem wurde ich wegen Abschnitt 15 angeklagt, Finanzierung von Terrorismus, und zwar im Zusammenhang mit Kryptowährung-Geldbörsen, die auf 325.nostate.net gehostet wurden und zur Unterstützung anarchistischer Gefangener und Publikationen verwendet wurde. Ich habe alle Vorwürfe bestritten.

Während der Verhöre wurde ich auch beschuldigt, Mitglied der FAI/IRF, der informellen anarchistische Föderation/Internationale Revolutionäre Front zu sein. Ich wurde beschuldigt, fünf Dokumente geschrieben und mehrere Aktionen in der Gegend von Bristol durchgeführt zu haben, die den Zellen der FAI sowie der Earth- and Animal Liberation Front zugeordnet wurden. Dazu gehörte ein Brandanschlag auf eine Polizeistation, das Niederbrennen eines Mobilfunksenders und die Befreiung von Tieren.

Bristol ist ein Gebiet im Vereinigten Königreich, in dem in den letzten Jahren unzählige anarchistische Sabotageakte und direkte Aktionen stattgefunden haben, die trotz millionenschwerer Ermittlungen und medialer Hexenjagden, gegen Anarchisten*innen in der Stadt, erfolglos blieben.

In den kollektiven Räumen und Treffpunkten wurden während der Operation Adream hunderte von Exemplaren der Zeitschrift 325 #12, Dutzende anarchistischer Pamphlete, Bücher, Aufkleber, Plakate und Flugblätter, Laptops, Mobiltelefone Drucker, Festplatten, Kameras, Radiofrequenzstörsender, GPS-Geräte, Rauch-, Lärm- und Flash Wurfkörper, Nachbildungen von Schusswaffen und Bargeld von der Polizei beschlagnahmt. Unter den gegen mich vorgelegten Beweisen waren zahlreiche anarchistische Publikationen, darunter die Zeitschrift 325 #12, die sich mit der vierten und fünften industriellen Revolution befasst und das Pamphlet „Incendiary dialogues“ von Gustavo Rodríguez, Gabriel Pombo da Silva und Alfredo Cospito, die von Black International Editions veröffentlicht wurden. Auch der Text „What is anarchism“ von Alfredo Bonnano, Dark Nights Newsletter, das kleine Buch „Anarchie, civil or subversive?“ von 325 und Dark Matter publications, ein Flyer in Solidarität mit den anarchistischen Gefangenen Alfredo Cospito und Nicola Gai und ein Flyer gegen die COVID-19-Lockdowns mit dem Titel „Face the fear, fight the future“, sowie viele andere Texte und Publikationen in Solidarität mit anarchistischen Gefangenen und revolutionären Organisationen wie der CCF (Conspiracy of Cells of Fire).

Ich wurde in das Wandsworth-Gefängnis in London gebracht, nachdem ich vor dem Westminster Magistrates Court inhaftiert und unter antiterroristischen Bedingungen festgehalten wurde. Es war mir zehn Tage lang untersagt im Gefängnis zu telefonieren, und Briefe zu erhalten. Sechs Wochen lang durfte ich meine Anwälte nicht sehen. 23,5 Stunden war ich in Isolationshaft und manchmal durfte ich 48 Stunden meine Zelle, bis auf das Holen einer Mahlzeit, nicht verlassen. Kein Hofgang in den ersten 3 Wochen und danach nur alle zwei Wochen für 35 Minuten. Kein Fitnessraum, keine Bibliothek, keine Bildung, keine Aktivitäten. Ich wurde in einer kerkerähnlichen Zelle ohne Tageslicht ohrenbetäubend lautem Baulärm ausgesetzt, da ich von der Antiterroreinheit neben einem neuen, im Bau befindlichen Teil des Gefängnisses untergebracht wurde. Meine Briefe, Telefonanrufe und Kontakte wurden routinemäßig überwacht und zensiert, wobei der Zugang zu meinen Anwälten, meiner Post und meinen Büchern ständig behindert wurde. Viele, viele Monate lang habe ich nicht den vollständigen Fall gegen mich erhalten.

Die Operation Adream, die ungleiche, unverbundene Elemente zusammenfügt, was typisch für repressive Maßnahmen in Südeuropa ist, hat sich in ganz Europa verbreitet. Sie wird nun auch von der britischen Polizei durchgeführt. Operation Adream versucht, die Verschwörung Cells of Fire als eine Fortsetzung der bewaffneten marxistisch-leninistischen revolutionären Organisation 17. November darzustellen. Dieses Hirngespinst wird zum Zwecke der Unterdrückung in dieser Operation genutzt, da die Gruppe 17. November in Großbritannien verbotene ist. Am wichtigsten ist, dass die Operation Adream darauf abzielte die verschiedenen anarchistischen Gruppen, Verlagsprojekte und Initiativen zur Unterstützung von Gefangenen als eine Reihe von organisatorischen zentralen Stellen für die Ausführung und Verherrlichung des Terrorismus darzustellen.

Das Verfahren wurde vom Leiter der Staatsanwaltschaft Max Hill QC genehmigt. Die Ermittlungen ergaben zumindest die Beteiligung niederländischer und deutscher Polizisten, den versteckten Einfluss von Sicherheitsdiensten und eine internationale Dimension der Operation, die auf früheren Repressionswellen in Spanien, Italien und Griechenland beruht. Während meiner Verhöre wurde mir ein vorformuliertes Skript mit Fragen vorgelegt. Nicht einmal die Ermittler schienen zu verstehen warum mir manche dieser Fragen vorgelegt wurden. Die ganze Operation diente als Marionette, deren Fäden von anderen gelenkt wurde, um ein politisches Ziel zu erreichen. Dazu kann ich nur den ermordeten Anarchisten Bartholomäus Vanzetti zitieren, der bemerkte: „the higher of them, the more jackass.“ Es ist sicherlich angemessen, denn am 6. Oktober 2021 wurde ich vor dem Bristol Crown Gericht für nicht schuldig befunden. Verurteilt wurde ich jedoch wegen des Besitzes und von Betäubungsmitteln der Klassen A und B: dem psychedelischen Arzneimittel LSD, DMT, Psilocybin, MDMA und Marihuana, die alle in den Gemeinschaftsräumen beschlagnahmt wurden. Ich wurde zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt.

Ich kämpfe auch gegen eine Anordnung zur Verhinderung schwerer organisierter Kriminalität, die von der Anti-Terror-Einheit und der Staatsanwaltschaft gefordert wird. Durch diese Anordnung würde ich, wenn ich endlich entlassen werde, 5 Jahre Hausarrest erhalten, mit einer Straferhöhung von bis zu 5 Jahren, falls ich gegen die Auflagen verstoße. Die Anordnung würde meine täglichen Bewegungen, meine Kontakte zu anderen, meinen Wohnsitz, die Verwendung von Geld, Geräte, internationale Reisen völlig einschränken. Sie verlangt, dass ich genaue Informationen über alle meine Freunde*innen, Bekannten und Verwandten an die Polizei weitergebe und dient lediglich dazu meine Freundschaften und mein Lebensumfeld zu überwachen und zu kriminalisieren. Mein Prozess dazu ist frühestens für den 15. Januar angesetzt [ Prozess-Start: 11. Februar], und die Ermittlungen gegen mich gehen weiter, ebenso wie die Operation Adream, die sich gegen das Kollektiv 325 richtet.

Ich möchte all denen danken, die mich unterstützt haben. Mein Herz ist offen und stark und ich bin entschlossen. Ich sende euch allen eine große Umarmung und ein Lächeln.“

Dies ist eine Abschrift einer Audioaufnahme.

Bald werden weitere Informationen über die Anordnung zur Verhinderung schwerer organisierter Kriminalität folgen, die sie gegen Toby verhängen wollen und über den Prozess, der jetzt für den 11. Februar angesetzt ist.

Es ist an der Zeit, auf Tobys Fall aufmerksam zu machen und Solidarität zu zeigen!!

Weitere Informationen zu Tobys Fall findet ihr unter: https://darknights.noblogs.org/post/tag/toby-shone/. Bitte übersetzt den Text und verbreitet ihn in euren eigenen Kreisen und Publikationen.

Toby Shone A7645EP
HMP Bristol
19 Cambridge Road
Bishopston
Bristol
BS7 8PS
UK

ABC Wien

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