Update und Brief der am 13. April in Barcelona verhafteten Anarchistin

Update und Brief der am 13. April in Barcelona verhafteten Anarchistin

Vor wenigen Tage, als wir die Auslieferung der Gefährtin, die am 13. April unter der Anklage an einem Bankraub in Deutschland teilgenommen zu haben verhaftet wurde, bereits als Tatsache ansahen, erreichte uns die Nachricht der Entscheidung der spanischen Audiència Nacional (Staatsgerichtshof für schwere Verbrechen), ihre Auslieferung noch einen Monat auszustellen. Es handelt sich hierbei um das Ergebnis eines durch unsere Verteidigung eingereichten Antrags, basierend auf dem Prozess der Eheschließung, der durch die Gefährtin bereits vor ihrer Verhaftung eingeleitet worden war.

Genau zum Zeitpunkt der Bekanntmachung der Entscheidung des Gerichts, wurde die Gefährtin in das Frauengefängnis Brieva (Ávila) überstellt, wo sie, wie wir dachten für ihren Flug nach Deutschland vorbereitet werden sollte. Aus diesem Gefängnis erreichte uns ein Brief von ihr an die Außenwelt gerichtet und diesen wollen wir im Anschluss veröffentlichen. Zur Zeit befindet sie sich wieder im Madrider Gefängnis von Soto del Real, in Isolation, in der sie bis zumindest 30. Juni den Hofgang mit anderen Gefangenen teilen wird. An diesem Datum endet der Aufschub ihrer Auslieferung, durch den die Durchführung ihrer Hochzeit ermöglicht werden soll. In der Zwischenzeit wollen wir dazu aufrufen sich weiterhin auf der Straße mit ihr solidarisch, unsere Unterstützung für alle eingesperrten KämpferInnen und unsere tiefste Missachtung für jenes System zu zeigen, das diese entführt hat, um seine elendige Ordnung aufrechtzuerhalten.

Der Brief der Gefährtin:

“Kameradinnen und Kameraden, ich schreibe aus dem Gefängnis von Brieva, Ávila, in das sie mich nach eineinhalb Monaten im Gefängnis von Soto del Real, Madrid, immer unter dem FIES-Regime und in Isolation, überstellt haben. Ich wollte bereits vor Tagen schreiben, jedoch ist die Kommunikation und Information sehr träge und deshalb mache ich dies erst jetzt.

Ich will mich zutiefst für alle Zeichen und Gesten der Solidarität und Hilfe bedanken. Ich habe sie so stark wahrgenommen, dass sie die Mauern, Gitter und das ganze System der Kontrolle und Absicherung durchdrungen haben. Wenn sie es auch noch so versuchen, niemals werden sie unseren Willen und unsere Entscheidung gegen diese Welt des Elends, in der sie uns zwingen zu leben, zu rebellieren, brechen können.

Es sind genau diese schwierigsten Umstände, die uns mehr Stärke und Entschlossenheit geben, um die vielen Fronten der Kämpfe, die wir führen, fortzusetzen und zu schärfen, sowohl hier drinnen als auch draußen. Die Kämpfe für die Befreiung von jeder Unterdrückung und Autorität sind vielfältig, genauso wie die richtigen und legitimen Methoden und Praktiken. Aus der einfachen Negation der Autorität bis zum Angriff oder der Enteignung einer Bank, nur einige Beispiele unter vielen… Das wichtigste ist, dass sich die Aktionen immer selbst erklären und verständigen können; durch ihre Ziele, ihren Zweck und ihren Wert.

Wenn sich die unterschiedlichen Kämpfe untereinander in einem breiteren Kontext verbinden, ergänzen und verstärken sie sich und zerstören darüber hinaus die Spaltung des Alltäglichen und des Persönlichen mit dem Politischen, denn alle Entscheidungen, die wir in unseren persönlichen Leben treffen, werden zu politischen, ebenso wie unsere politischen Entscheidungen, die wir treffen direkt unsere persönlichen Leben betreffen. Obwohl es evident ist, dass wir bei jedem Schritt den wir machen gut aufpassen müssen, um nicht in die Klauen des Staates und seiner Diener zu fallen, wissen wir, dass der Kampf einen Preis hat, da der Staat und seine Mittel der Kommunikation jedes Mal mit mehr Repression und medialer Hetzjagd gegen all jene antworten, die wir ihnen die Stirn bieten.

Ich werde hier weitermachen, auch wenn sie mich wahrscheinlich bald nach Deutschland ausliefern werden. Ich fühle mich stark und entschlossen dieser Situation und allem was noch kommen mag zu trotzen; angesichts des ganzen Stolzes unserer anarchistischen Ideen, Werte und Praktiken und des Lebens, für das wir uns einst entschieden haben und jeden Tag aufs Neue auswählen…

Stärke und Solidarität an alle Kämpfenden, Verfolgten und alle Gefangene!

Der Kampf geht weiter, sie werden uns niemals aufhalten können!

1. Juni 2016 – Strafanstalt Brieva (Ávila, Spanischer Staat)

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