Walter Bond schreibt aus dem Gefängnis

Walter Bond schreibt aus dem Gefängnis

„Befreiung, Anarchismus und Freiheit ist nicht die Freiheit einen Haufen Scheiße kaufen zu können, den du nicht brauchst. (…) Es bedeutet einen Käfig zu zerstören, anstatt gegen Wände anzuschreien hinter denen sich der Käfig befindet. Es bedeutet leben, lieben, bluten und sterben! Es bedeutet gegen die Unterdrückung anderer so zu kämpfen als wäre sie deine eigene, weil sie es ist, oder bald sein wird wenn wir nichts dagegen tun!“

Der Tierbefreiungsaktivist Walter Bond wurde im Sommer 2010 in den USA verhaftet und wird voraussichtlich bis zum Jahr 2021 im Gefängnis sein. In einem offenen Brief aus dem Gefängnis nimmt Walter Stellung zur Animal Liberation Front (ALF) und zu der Verbindung von ALF und weltweiten anarchistischen Kämpfen gegen jede Form der Unterdrückung. Walter Bond ist ein gefangener Aktivist der Animal Liberation Front, der im Sommer 2010 verhaftet wurde. Ihm werden die ALF Lone Wolf Brandanschläge auf die Schaffellfabrik in Denver, Colorado, die Tandy Lederfabrik in Salt Lake City, Utah und das Tiburon Restaurant in Sandy, Utah zur Last gelegt. Am 11. Februar 2011 wurde Walter zu 5 Jahren Haft für das Coloradofeuer verurteilt und am 13. Oktober 2011 wurde er zu weiteren 7 Jahren und drei Monaten für die Feuer in Utah verurteilt. Seine Freilassung wird im März 2021 erwartet.

Walter ist seit 15 Jahren Aktivist in Tierbefreiungs- und antikapitalistischen Zusammenhängen.

 http://www.supportwalter.org/

Hier nun der offene Brief von Walter aus dem Gefängnis:
„Aufstand=Befreiung

Die Tierrechtsbewegung hat eine romantische Liebesbeziehung zur ALF einerseits, und ein Imageproblem in der Öffentlichkeit andererseits. Die alte Schutzfunktion dieser Romanze ist verständlich und ich denke gerechtfertigt … In einem bestimmten Ausmaß. Die 80er Jahre ALF war hauptsächlich darin aktiv Tierlabors und Pelzfarmen zu überfallen und Videomaterial zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, das sie sonst nicht zu sehen bekommen hätte. Die ALF der 80er und frühen 90er Jahre genoss ein Maß an Unterstützung und Schutz aus der legalen Bewegung, was sich in den späten 90er Jahren änderte. Hauptsächlich hing dies mit den großen Gerichten und der zusammenwirkenden Einschüchterung zusammen. Eine Trennung von Spreu und Weizen fand statt und viele Gruppen die ihre Ärsche vor der Verfolgung retten oder ihren Tierschutzwohlfahrtsgedanken in ein unglaublich lukratives Geschäft verwandeln wollten, fingen an die zu denunzieren die sie einst so hoch gehalten hatten. Gleichzeitig begann die ALF mit eskalierenden Taktiken und auf vielerlei Art das Eigentum derer anzugreifen die Tiere nutzen und ausnutzen. Taktiken die logischerweise das angreifen, was Tieren an Leid durch Maschinen und Gebäuden des Mordes widerfährt, selbst wenn es keine abendnachrichtenfreundlichen Vorgehensweisen sind. Manche sehnten sich nach der romantischen ALF vergangener Jahre zurück. Andere haben sich dem revolutionären Anarchismus im Namen völliger Befreiung (TOTALLIBERATION) zugewandt. Die international aktiven Kämpfer*innen der TOTALLIBERATION-Bewegung scheinen ein besseres Verständnis davon zu haben als die amerikanischen Befreiungszuschauer*innen, dass die Steigerung der Taktik eine angemessene Antwort auf die Folter, Schlachterei, Massenmord an Spezies, Umweltzerstörung, Rassismus, Sexismus, Diskriminierung von Homosexuellen (Queerbashing), Klassendiskriminierung und kapitalistischer Dominanz ist.

Warum hängen wir so verdammt fest im Modell der Protesterklärungen der 1960er Jahre? Ich erinnere mich zur DNC gegangen zu sein als ich nach Denver zurückkam. Dort auf dem Capital Hill beobachtete ich wie Ward Churchill eine nette Rede hielt. Ich sah die Band Dead Prez spielen und danach ebenfalls eine Rede halten. Ich beobachtete verschiedene Leute die radikale Verkleidungsspielchen mit ihren schwarzen Bandanas spielten. Danach liefen alle durch die Stadt (mit Polizeieskorte) und riefen Demosprüche und hielten Friedenszeichen in die Luft. Als wir dann am ‘ground zero’ ankamen setzten sich alle auf den Boden und begannen Leider vom Frieden zu singen und von der Überwindung und Patchouli und Nag Champa und alles was Hippies sonst noch so ausmacht lag in der Luft. All die Höflichkeit einer Gruppe die sich ´Wiedergeburt 68´nannte. Dann übernahmen die Anarchist*innen die Straße. Sie liefen umher und riefen ebenfalls Slogans. Gelangweilt von dieser Farce ging ich nach Hause.

Aber das ist immer noch unser Grundmodell was lächerlicherweise als Widerstand bezeichnet wird ob es nun um Tiere, Erde, Menschen oder andere Arten von politischem Protest geht. Vor einem Gebäude zu stehen, sich von der Polizei fotografieren zu lassen, gegen eine Gebäude schreiend (eine rein symbolische Geste, wie jeder Gefangene bestätigen kann. Wir schreien täglich gegen Wände, über Jahre hinweg und die Wände verschwinden einfach nicht). Küssen den Arsch der Medien oder hoffen, dass diese wenigstens Beachtung schenken. Sich darüber wundern wie viele deiner „Kamerad*innen“ FBI-Agent*innen sind. Und dann warten und zuschauen wenn die Systemmedien dich bestätigen. Diese standardisierte Art von Protest ist ein Auslaufmodell. Genau als wenn du dich selbst in vorstädtischer Nachbarschaft wieder findest. Überall wo du hineinrennen kannst ist eine Sackgasse. Dasselbe ist es mit Widerstand. Die Kräfte die wissen, dass sie nicht in der Lage sind Menschen davon abzuhalten Widerstand zu leisten. So halten sie sich an den äußeren Umständen fest. So wie davon abzulenken was die Großkonzerne eigentlich meinen. Und wir fallen darauf herein, immer und immer wieder. Wir surfen im Netz, spielen mit unseren Ipads und Iphones solange bis diese uns besser kennen als unsere Geliebten es tun! Wir stürzen uns in Aktivitäten nur um unseren Modus operativ zu halten, bepackt und verkauft zurück zu uns. Anstatt unser Leben oder unsere Freiheit zu riskieren um Mauern einzureisen, riskieren wir alles um unsere Name mit Sprühfarbe an die Wände zu schreiben. All dies, anstatt die Vergewaltiger*innen, die Rassist*innen, die Kapaitalist*innen oder die Tricks die das Leben beerdigen zu zerstören. Wir belegen Workshops, tanzen im Theater oder fallen über den Rand ruiniert von einer wortlosen Nadel gefüllt mit Drogen!

Befreiung, Anarchismus und Freiheit ist nicht die Freiheit einen Haufen Scheiße kaufen zu können, den du nicht brauchst. Es ist nicht die Freiheit dich langsam mit Drogen selbst zutöten, es ist die Freiheit weg vom System das dir die Depression vermittelt und einen giftigen Tod lustig aussehen lässt. Es bedeutet nicht gegen das System zu protestieren oder es dazu zu bewegen seine schrecklichen Machenschaften zu ändern, sondern das System zu zerstören, damit die Erde wieder wachsen kann! Es bedeutet einen Käfig zu zerstören, anstatt gegen Wände anzuschreien hinter denen sich der Käfig befindet. Es bedeutet leben, lieben, bluten und sterben! Es bedeutet gegen die Unterdrückung anderer so zu kämpfen als wäre sie deine eigene, weil sie es ist, oder bald sein wird wenn wir nichts dagegen tun!

Die neue Art der ALF ist mehr als nur ein mitfühlender Dieb in der Nacht zu sein. Die neue Art der ALF ist eine Teilmenge zu sein mit einem größeren weltweiten Widerstand gegen jede Herrschaft und Gewalt. Wir kommen für die Tiere. Wir kommen für die Erde. Und keine Mauer, kein Zaun, kein Gebäude oder speziesistischer menschlicher Unterdrücker kann uns zurück halten!

Mit klarer Entschlossenheit, kalkuliertem Vorgehen und wild, egal ob alleine oder in der Gruppe. Unsere Wölfe werden kommen um unsere „Sippe“ zu beschützen, und es wird kein Zurück geben!

Tierbefreiung, was es auch koste!

n

Grüße,

Walter Bond

ALF POW“

 http://www.supportwalter.org/

Walter Bond wird voraussichtlich bis zum Jahr 2021 im Gefängnis sein. Er kann weder Facebook noch das Internet nutzen. Wenn ihr ihm schreiben wollt nutzt den Postweg und die Gefängnisadresse:

Walter Bond
37096-013
USP Marion CMU
PO Box 1000
Marion IL 62959

Woran ihr denken solltet, wenn ihr Gefangenen schreibt:

1. Alle Briefe werden von der Gefängnisverwaltung gelesen (also nichts Illegales schreiben).
2. Jedes Gefängnis hat eigene Vorschriften was Post betrifft.
3. Keine Sticker aussen (oder innen) am Brief/Postkarte anbringen (inkl. Air Mail/Par Avion Sticker, wenn man von Übersee schreibt)
4. Keine Büroklammern, Heftzwecken oder andere Extras in die Briefe einfügen.
5. Deine Adresse sollte auf dem Umschlag und auch innen drin stehen, da vielen Gefangenen oft nicht der Umschlag gegeben wird.
6. Kein Geld an die Gefängnisadresse senden (bitte die Supportgruppen der Gefangenen kontaktieren, um sie finanziell zu unterstützen).
7. Gefangene wissen Bücher zu schätzen, aber sie müssen Paperback sein und direkt vom Verlag oder Onlineshop wie Amazon an ihn verschickt werden.
8. Deine Briefe werden dankbar empfangen, selbst wenn du keine Antwort erhältst (Gefangenen wird nur eine begrenzte Menge von Papier, Umschlägen und Briefmarken erlaubt, was es für sie schwierig macht auf jeden Brief zu reagieren).

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