Zwei Wochen Streik

Zwei Wochen Streik

Spanien: Bergleute protestieren gegen Kürzung von Beihilfen und befürchten Minenschließungen. Polizei setzt Gummigeschosse gegen Straßenblockaden ein

 
Asturische Bergarbeiter haben am Montag erneut Autobahnen und Brücken im Nordwesten Spaniens blockiert. Seit zwei Wochen befinden sich die Beschäftigten der Kohlebergwerke in einem unbefristeten Streik, um gegen eine von der Regierung in Madrid angekündigte 63prozentige Kürzung der Beihilfen für den Industriezweig zu protestieren. Die Arbeiter und Gewerkschaften, aber auch die Unternehmer, befürchten, daß die Streichung von zwei Dritteln der Unterstützung zur Schließung der meisten Kohlebergwerke führen würde. Vor allem in Asturien sowie in Kastilien und León, wo sich die meisten Minen befinden, wird der Ausstand befolgt.

Seit Streikbeginn haben die Kumpel insgesamt 140 Straßen mit Barrikaden und brennenden Autoreifen blockiert. Auch Eisenbahnverbindungen wurden durch solche Protestaktionen beeinträchtigt. Dabei kam es etwa in der Ortschaft Ciñera in der Provinz León zu einer regelrechten Straßenschlacht zwischen den Streikenden und der Staatsmacht. Der Bürgermeister des Ortes, Juan Manuel López del Moral, wurde dabei von einem Gummigeschoß der Polizei getroffen, als die Beamten Bergleute verfolgten, die eine nahegelegene Fernverkehrsstraße mit tonnenschweren Kohlehaufen versperrt hatten. Die Anwohner stellten sich auf die Seite der Protestierenden. »Einige Nachbarn haben den Kumpeln die Tür geöffnet, damit sie sich in den Häusern verstecken konnten. Sie kämpfen für ihr Recht, und hier weiß jeder, welche Bedeutung der Bergbau hat«, sagte eine Frau dem Internetportal Leonnoticias.com.

Der regionale Vertreter des Gewerkschaftsbundes CCOO, Rubén Darío, erklärte mit Blick auf die jüngst vollzogene Verstaatlichung des spanischen Energiekonzerns YPF durch die Regierung in Buenos Aires: »Anstatt Argentinien zu kritisieren, müßten wir Bereiche wie den Bergbau oder den Energiesektor umgehend nationalisieren.«

Die Bilder der streikenden Bergleute, die ihre Barrikaden mit Steinwürfen und Feuerwerkskörpern gegen die Polizei verteidigen, die wiederum Tränengas und Gummigeschosse gegen die Kumpel einsetzt, gehen um die Welt. Seit Streikbeginn am 29. Mai haben sich fünf Bergleute im Schacht Candín bei Langreo in 600 Meter Tiefe verschanzt. In Madrid demonstrierten Tausende Bergleute aus dem ganzen Land gegen die Politik der Regierung. Die Polizei ging auch hier gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Eine junge Studentin wurde festgenommen und soll wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt für zwölf Jahren ins Gefängnis gesteckt werden.

Der für Asturien im spanischen Parlament sitzende Abgeordnete Gaspar Llamazares von der Vereinigten Linken (IU) nannte es »unanständig«, daß zur »Rettung der spanischen Banken« 100 Milliarden Euro aufgebracht werden sollen, »während sich die Zentralregierung weigert, 70 Millionen Euro beizutragen, damit der Kohlebergbau in Spanien überlebt«. Auch die »Empörten« solidarisierten sich durch eine Erklärung der Umweltschutzkommission der Bewegung 15-M mit den Arbeitern und ihren Familien. Allerdings fordern diese, diese Hilfen für einen industriellen Umbau zu investieren, um nicht einen Zweig aufrechtzuerhalten, der auf fossilen Brennstoffen basiert. Für den kommenden Montag ist in den spanischen Bergbauregionen ein Generalstreik angekündigt.

Asturien ist historisch für die Arbeitskämpfe seiner Bergleute berühmt. Im Oktober 1934 wurde hier ein von der gesamten spanischen Linken getragener Aufstand gegen das Regime von Alejandro Lerroux blutig niedergeschlagen. Die Regierungstruppen, die 3000 Menschen ermordeten, wurden vom späteren Putschgeneral Francisco Franco geführt. Gegen dessen Herrschaft richtete sich 1962 ebenfalls in Asturien der erste große Bergarbeiterstreik unter der faschistischen Diktatur.

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