Heute wurden 6 Mitglieder einer internationalen Delegation aus 5 Ländern während ihres Besuchs in der Türkei im Rahmen einer Fact-finding Mission über die sogenannten „Brunnen-Typ“- Gefängnisse und die dort vorherrschenden unmenschlichen Isolationsbedingungen festgenommen.
Bislang gibt es nur geringe Informationen, die infolge der Kontaktaufnahme mit Botschaftsvertretungen von einzelnen Personen und lokalen AnwältInnen erfolgt sind.
So etwa, dass alle 6 verhafteten zusammengelegt worden seien (im Zentrum für Asylsuchende und Migration in Istanbul-Arnavutköy), und zwar grob behandelt würden aber nicht geschlagen.
Ihre Fingerabdrücke wurden abgenommen und ein Foto gemacht.
Türkische Anwälte teilten Au Anfrage mit, dass den DelegationsteilnehmerInnen Verstöße gegen die Aufenthaltsbedingungen vorgehalten würden, eine absurde Anschuldigung.
In mindestens einem Fall erhielten Konsulatsangehörige von der Polizei keine weiteren Informationen über ihre festgenommenen Staatsangehörigen, seien jedoch weiter um Auskunft bemüht.
Wir bitten darum, die Info weiterzuleiten, um deren möglichst rasche Freilassung zu fordern.
Folgende Erklärung wurde heute unmittelbar nach den Festnahmen vom Internationalen Büro der Anwaltskanzlei des Volkes ausgeschickt:
MITGLIEDER EINER INTERNATIONALEN DELEGATION, DIE IN DIE TÜRKEI REISTEN, UM DIE SOGENANNTEN „BRUNNEN-TYP”- GEFÄNGNISSE UND DIE UNMENSCHLICHEN ISOLIERUNGSBEDINGUNGEN ZU BEOBACHTEN, WURDEN FESTGENOMMEN..
Uns wurde mitgeteilt, dass Mitglieder der internationalen Delegation – bestehend aus Anwälten, Journalisten und Menschenrechtsverteidigern, die am 18. Februar 2026 in die Türkei gereist waren, um Vor-Ort-Inspektionen der neu eingeführten ‚Brunnen-Typ‘-Gefängnismodelle (S-, R-, Y-Typ und Hochsicherheitsgefängnisse) sowie der intensiven Isolations-Haftbedingungen durchzuführen – heute Morgen (19. Februar) festgenommen wurden.
Im Anschluss an ihr Treffen mit Anwält*innen der Anwaltskanzlei des Volkes (Halkın Hukuk Bürosu) wurden sie in der Straße, in der sich das Büro befindet, in Gewahrsam genommen und zur Verwaltungsdirektion für Migration (Migration Management Directorate, Arnavutköy, Istanbul) zwecks Abschiebung transportiert.
Folgende Delegationsmitglieder befinden sich derzeit im Gewahrsam und sind von einer Abschiebung bedroht:
Alejandra Matamoros Alexandrova, Anwältin, Plattform gegen Repression Barcelona (Spanien)
Andrea Lucidi, Journalist, Visione TV (Italien)
Tatyana Desyatova, Koordinatorin der Interbrigade in CRCF (Russland)
Dr. Nick Krekelbergh, Doktor der Bioingenieurwissenschaften und Vertreter von Zannekinbond (Belgien)
Jean Pascal Graziani, Vertreter von Supernova und AIF-Frankreich
Fernando Garcia, Kommunistische Partei der Völker Spaniens (PCPE)
Bekanntlich handelt es sich bei „Brunnen-Typ“-Gefängnissen um Einrichtungen, in denen Gefangene vollständig von Sonnenlicht und sozialen Kontakten abgeschnitten sind und einer strengen Isolation unterliegen. Dieses Modell steht im Widerspruch zu den internationalen „Mandela-Regeln“ und stellt ein Vollzugsregime dar, das die Menschenwürde verletzt.
Aktivitäten wie die Überwachung der Haftbedingungen und die Meldung von Rechtsverletzungen sind gemäß den internationalen Verpflichtungen der Türkei und ihren eigenen verfassungsrechtlichen Garantien legal, demokratisch und legitim. Die Inhaftierung und drohende Abschiebung von Delegationsmitgliedern, die sich ausschließlich zum Zweck der Informationsbeschaffung und der Durchführung von Beobachtungen vor Ort in einem völlig legalen Rahmen im Land aufhalten, stellt einen klaren Verstoß gegen das Gesetz und eine Straftat dar. Diese Behandlung internationaler Beobachter ist ein eklatanter Verstoß gegen die Artikel zur Meinungsfreiheit und zum Recht auf Zugang zur Justiz gemäß der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), der die Türkei beigetreten ist.
Dieser Angriff auf die Delegationsmitglieder ist ein Versuch, die Aufdeckung von Rechtsverletzungen und unmenschlichen Isolationsbedingungen in „Brunnen-Typ-“ Gefängnissen vor der Weltöffentlichkeit zu verhindern und zu erschrecken sowie die internationale Solidarität zu behindern.
Wir rufen alle unsere Freundinnen, Kolleginnen und Menschenrechtsverteidiger*innen dazu auf, sich gegen diesen Angriff der türkischen Behörden zu wehren, der darauf abzielt, die internationalistische Solidarität einzuschüchtern, zu unterdrücken und zum Schweigen zu bringen. Wir fordern alle dazu auf, die Delegationsmitglieder zu unterstützen, die sich zum Zweck der internationalistischen Solidarität in der Türkei aufhalten.
Die illegal inhaftierten Mitglieder der internationalen Delegation müssen unverzüglich und bedingungslos freigelassen werden! Das Ausweisungsverfahren muss eingestellt werden!
Beendet die Isolationspraktiken in „Brunnen-Typ“- Gefängnissen!“
Anwaltskanzlei des Volkes – Internationales Büro










