Deutsche Journalistin Eva Michelmann in syrischer Haft gefoltert

Seit fast vier Monaten wird die deutsche Journalistin Eva Michelmann von der syrischen Übergangsregierung festgehalten. Laut einem entlassenen Mitgefangenen wird Michelmann mit physischer Gewalt gefoltert.
Im Januar griff die sogenannte syrische Übergangsregierung die kurdische Selbstverwaltung im Nordosten des Landes an. Im Zuge dieser Offensive gerieten die Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad in die Gefangenschaft der islamisch-fundamentalistischen Regierung. Seit dem 18. Januar befinden sich beide in der Gewalt der Damaszener Übergangsregierung, die äußerst aggressiv gegenüber der kurdischen Bevölkerung Syriens auftritt.

Neue Erkenntnisse zu dem Fall liefert eine Person, die laut Eigenaussage im selben Gefängnis wie Michelmann inhaftiert war. Es handelt sich um einen ehemaligen Kämpfer der Syrian Democratic Forces (SDF), der aus der Haft entlassen wurde. Ihm zufolge werde Michelmann mittels „körperlicher Gewalt“ gefoltert. Weitere Details zu den Haftbedingungen Michelmanns sind nicht bekannt.

Michelmann und Polad befanden sich zum Zeitpunkt ihrer Entführung in den kurdischen Gebieten, um Recherchen über den Islamischen Staat (IS) und dessen zunehmende Aktivitäten durchzuführen. Die Übergangsregierung wird von der islamistischen Gruppierung HTS gebildet, die wiederum aus der syrischen Variante von Al-Qaida entstand. Nach der Machtübernahme begann diese neue Regierung eine brutale Unterdrückung der Minderheiten Syriens, wobei neben Kurd:innen auch Alawit:innen und Drus:innen betroffen sind.

Repression gegen kurdische Journalist:innen in der Türkei und im Irak
Die kurdische Freiheitsbewegung wird außer in Syrien selbst auch in anderen Staaten unterdrückt, in denen es kurdische Regionen gibt. Die Türkei führt seit Jahrzehnten Krieg gegen diese Bevölkerungsgruppe. Dies spiegelt sich auch im Umgang mit kurdischen Journalist:innen wider. So wird Ahmet Güneş, einem Redakteur der Zeitung Yeni Yaşam, von der Istanbuler Polizei Terrorismus vorgeworfen. Güneş soll im Internet während des Überfalls auf die kurdischen Gebiete Syriens Berichte darüber verbreitet haben.

Im Irak ist die Pressefreiheit für Kurd:innen ebenso stark eingeschränkt. Der Journalist Sherwan Sherwani beispielsweise ist dort wegen dem Vorwurf der „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ bereits seit mehreren Jahren inhaftiert. Sherwani befindet sich gegen die Zustände momentan im Hungerstreik. Die Gefängnisleitung verweigert ihm während der Nahrungsverweigerung die medizinische Versorgung.

Alle beschriebenen Fälle können als Indiz für die Relevanz der Berichterstattung durch politische Widerstandsbewegungen gesehen werden. Dessen scheinen sich auch die unterdrückenden Staaten bewusst zu sein, weswegen die jeweils mutmaßlich verantwortlichen Journalist:innen unter dem Vorwurf des Terrorismus in die Gefängnisse geworfen werden.

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