Prosfygika-Aktivist nach 138 Tagen Hungerstreik in Klinik eingeliefert

Der Hungerstreik des Prosfygika-Aktivisten Aristotelis Chantzis gegen Verdrängung und Räumungspläne in Athen hat eine kritische Phase erreicht. Nach 138 Tagen wurde er mit schweren neurologischen Symptomen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der griechische Aktivist Aristotelis Chantzis ist nach 138 Tagen Hungerstreik in ein Athener Krankenhaus eingeliefert worden. Chantzis protestiert im Namen der Prosfygika-Gemeinschaft gegen ein umstrittenes Stadterneuerungsprojekt und drohende Räumungen des historischen Viertels in der griechischen Hauptstadt.

Nach Angaben der Gemeinschaft verschlechterte sich sein Gesundheitszustand am späten Montagnachmittag erheblich. Chantzis habe starken Gewichtsverlust erlitten und unter Sprach- sowie Bewegungsstörungen gelitten. Zudem seien akute neurologische Symptome aufgetreten. Daraufhin wurde er mit einem Rettungswagen in das George-Genimatas-Krankenhaus gebracht.

Trotz seines kritischen Zustands erklärte der Aktivist vor seiner Einlieferung, seinen Protest fortsetzen zu wollen. „Der Kampf weicht nicht zurück – er beginnt erst jetzt. Wir tragen Verantwortung für 400 Menschen und für unsere Gemeinschaft. Unsere Forderungen sind legitim, und wir werden nicht aufgeben, bis Gerechtigkeit erreicht ist“, sagte Chantzis.

Internationale Ärzt:innen warnen vor irreversiblen Schäden

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte in den vergangenen Tagen der Besuch einer internationalen medizinischen Delegation in Prosfygika. Die Gruppe, der unter anderem die türkische Gerichtsmedizinerin und Menschenrechtsaktivistin Şebnem Korur Fincancı angehörte, untersuchte die Situation vor Ort und führte auch eine medizinische Begutachtung von Chantzis durch.

In ihrer Stellungnahme warnten die Mediziner:innen vor einer akuten Lebensgefahr. Das Risiko dauerhafter und nicht mehr umkehrbarer Schäden am Nervensystem sei inzwischen äußerst hoch. Die Delegation rief die internationale Öffentlichkeit dazu auf, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und sich mit der Situation auseinanderzusetzen.

Konflikt um Räumungen und Stadterneuerung

Im Zentrum des Konflikts steht die historische Prosfygika-Siedlung an der Alexandras-Allee in Athen. Die Gebäude, die ursprünglich für aus Kleinasien vertriebene griechische Flüchtlinge errichtet wurden, entwickelten sich Anfang der 2010er Jahre zu einem selbstverwalteten Wohn- und Solidaritätsprojekt. Die rechte Mitsotakis-Regierung will die Kommune zerschlagen und die Gebäude unter dem Deckmantel der „Neugestaltung“ räumen lassen.

Mit seinem Hungerstreik fordert Chantzis die Rücknahme entsprechender Vereinbarungen durch die Regionalverwaltung Attikas. Zudem verlangt die Gemeinschaft Garantien gegen die Vertreibung der rund 400 Bewohner:innen sowie die Möglichkeit, die Gebäude mit eigenen Solidaritätsfonds zu sanieren, ohne auf öffentliche Mittel angewiesen zu sein.

Solidarität vor dem Krankenhaus

Unterdessen führen Unterstützer:innen und Mitglieder der Prosfygika-Gemeinschaft vor dem Krankenhaus, in dem Chantzis behandelt wird, eine Mahnwache durch. Zu den Teilnehmer:innen gehört auch die Aktivistin und Anwohnerin Suzon Doppagne, die seit dem 1. Mai ebenfalls einen Hungerstreik für dieselben Forderungen führt. Die Protestierenden kündigten an, ihren Widerstand gegen die Räumungspläne fortzusetzen und für den Erhalt der selbstverwalteten Lebensräume in Prosfygika zu kämpfen.

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