Dimitra Zarafeta: Ich schachere nicht um meine Freiheit

Folgender Text stellt keine Analyse der bürgerlichen Justiz oder der Repression dar, sondern ist die geschuldete Antwort auf den Antrag der Staatsanwaltschaft anlässlich der Frist zur Verlängerung oder Nicht-Verlängerung meiner U-Haft (für weitere sechs Monate). Es handelt sich um eine Forderung, die nicht nur bezüglich ihrer Auswirkung fürchterlich ist – was mich anbelangt geht es um die Verlängerung bis April vor (dann werde ich anderthalb Jahre in Haft sein) – sondern auch weil sich der Staatsanwalt K. Mastroantonakis nach einem Jahr auf vorgeschobene Ausreden stützt, da er es nicht geschafft hat, den Grund seiner Forderung zu rechtfertigen.

Wie auch die selbe Akte aus der ersten Untersuchung berichtet, ist von der ersten Anhörung bis heute keinerlei neues Element hervorgegangen, das die Gründe der Anwendung der U-Haft gegen mich stützt. Jene Gründe, die natürlich auch nicht im ersten Jahr vorgelegen haben. Trotz all dem unterstellen sie mir, dass ich aufgrund meines Mietvertrages im Ausland, welcher am 30.11.2025 ausläuft, der Flucht verdächtigt werde. Jenen Vertrag habe ich in den ersten Monaten meiner Haft unter Vorlage aller entsprechenden Dokumente gekündigt. Dennoch haben die Ermittlungsrichterin K. Kioulepoglou und der Staatsanwalt sich entschieden, dies offenbar ein zweites Mal demonstrativ zu ignorieren (selbiges war nach einem halben Jahr passiert).

Und während ich mich von Anfang an als permanent Wohnhaft bei meinen Eltern gemeldet habe, fahren sie damit fort ihre Begründung des nicht-permanent gemeldet seins anzuführen und schreiben, „die Annahme, ich sei nicht Fluchtgefährdet, ist unbegründet“. Hinter dem Vorwand des nicht-permanent gemeldet seins jedoch verweigert der Staatsanwalt das vorher von mir an den Tag gelegte Verhalten anzuerkennen, als ich direkt freien Willens aus dem Ausland nach Griechenland zurückgekommen bin als ich vom tragischen Geschehen in der Arkadias erfahren habe. Mit diesem Vorschlag haben sie das Verhalten nicht nur nicht anerkannt, sondern bestrafen sie mich im Prinzip für diese meine Entscheidung indem sie sie ganzheitlich ignorieren. Somit, anstatt mein Handeln als Garantie für mein Erscheinen im Gericht zu werten, stellen sie mich als der Flucht verdächtig dar.

Und während in obiger Angelegenheit die Art meines Verhaltens keine Rolle spielte, führt der Staatsanwalt in der Folge willkürlich als Charaktereigenschaften „gefährlich, hart, antisozial und das menschliche Leben verachtend“ auf, nur um meine U-Haft zu verlängern. Es zeigt sich der Doppelstandart der bürgerlichen Justiz. Es sind Charaktereigenschaften, die mit meiner anarchistischen Identität unvereinbar sind, denn die Anarchie verteidigt das Leben anstatt das Überleben, die Freiheit statt der Unterwerfung, die Solidarität statt des Recht des Stärkeren, die gegenseitige Hilfe statt des Eigennutzes. Eine Ideologie, die Einsperrung ablehnt und die Kritik an der Resozialisierung übt. Wen resozialisieren durch wen? Nach welchen Kriterien?

So vergräbt dich die Resozialisierung in diesem immensen Grau um dich die gleiche Erstickung mit den bestimmt nicht schuldigen Frauen teilen zu lassen. Verarmte Frauen, von der Armut in ein Leben in Kleinkriminalität gezwängt, Frauen ganz alleine innerhalb oder außerhalb der Mauern, wo ihr Leben immer von anderen bestimmt wird, drogenabhängige Frauen, deren Abhängikeit, während sie wegen Kleinstmengen inhaftiert sind, vom Gefängnis verstärkt wird und das die Drogen mit einer Handvoll Psychopharmaka ersetzt, misshandelte Frauen, die sich zu Reaktionen auf ihre Misshandlungen entschieden haben, Roma-Frauen, für die dies ausreicht, um sie mit aufgeblasenen Vorwürfen übereinander zu stapeln. Alle zusammen sitzen sie in diesem Mikrokosmos des Gefägnisses, wo durch die Einschränkungen und die Entbehrungen alles noch intensiver erlebt wird. Unter ständiger Rache und Strafe, Abwertung und Entwürdigung, führt die so genannte Reszialisierung am Ende zu ihrer Entmenschlichung – zur Verdammung, von Haft zu Haft zu gelangen, als ob es eine Drehtür gäbe.

Beobachter sein all dessen in den endlosen toten Stunden der trostlosen Dimension des Gefängnisses. In einer Umgebung lebend mit Verhalten und Bewegungen, die sich widerholen, mit dem Lärm des Schlüssels in der Tür der Zelle, der dein Hirn perforiert, mit der Angst das Ich zu verlieren. In Käfige betonierte menschliche Leben, von Ermittlungsrichtern und Staatsanwälten, die die Akten durchblättern als seinen sie Broschüren.

Für alle Verantwortlichen stelle ich klar: ich befinde mich hier weil ich die Verantwortung für meine politische Identität als Anarchistin übernommen und meine politischen und kameradschaftlichen Beziehungen verteidigt habe, welche die einzigen Beweise für die Verfolgung sind.

Und ich werde darauf bestehen diese zu verteidigen, wie auch die Erinnerung an den Gefährten Kyriakos Xymitiris, der die Brücke des Umsturzes ohne Möglichkeit zur Rückkehr überquert hat. Auf das niemals jener Tag komme, an dem ich in den Spiegel sehen werde und darin Eine erblicke, die von dem abgestoßen ist, was aus ihr geworden ist.

Freiheit für die Gefangenen Genoss*innen

Kyriakos Xymitiris lebt

Dimitra Zarafeta, Frauengefängnis Korydallos

https://de.indymedia.org/node/707010