Palästina-Solidarität: Schottische Aktivist:innen greifen Rüstungsfirma Brunton an

Mit Hammer, Feuerlöscher und roter Farbe attackieren Aktivist:innen in den frühen Morgenstunden des 1. Januars das Werk der Rüstungsfirma Brunton in Edinburgh. Es ist die erste größere Sabotage seit dem Verbot von Palestine Action in Großbritannien.
In den ersten Stunden des neuen Jahres 2026 drangen Aktivist:innen einer autonomen Aktionsgruppe in die Edinburgher Rüstungsfabrik des Unternehmens Brunton ein. Auf einem Video ist zu sehen, wie die Aktivist:innen mit Hämmern und Feuerlöschern die Server, Maschinen und Computer zerstören.

Auf den Geräten und an den Wänden hinterließen sie Schriftzüge in roter Farbe: „There’s only one way this ends“ („Es gibt nur einen Weg, es zu beenden“) und „Drop Leonardo“ („Beendet die Zusammenarbeit mit Leonardo”). Die Lage für die Palästinenser:innen im Gazastreifen ist weiterhin lebensgefährlich. Israel stoppte zuletzt wieder Hilfslieferungen, die für die hungernden, vertriebenen Menschen dort bestimmt waren. Auch Bombardierungen halten an.

Leonardo im Visier
Beenden wollen die Aktivist:innen die Mittäterschaft der Rüstungsfirma am Genozid in Palästina. Mit „Drop Leonardo“ beziehen sie sich auf die italienische Rüstungsfirma Leonardo, mit der Brunton zusammenarbeitet und Zulieferer ist. Leonardo produziert Laserleitsysteme für F-35-Jets und liefert Waffensysteme und andere militärische Ausrüstung nach Israel.

Allein in den letzten zwei Jahren erzielte das Unternehmen 1,2 Milliarden Pfund Gewinn und schüttete im Jahr 2024 über 400 Millionen Pfund Dividende an seine Aktionär:innen aus. Sowohl Leonardo als auch Brunton sind Teil des britischen Branchenverbands ADS, zu dem auch die Rüstungsunternehmen BAE Systems, Thales, GKN und Serco zählen.

Auch das Leonardo-Werk selbst wurde bereits mehrmals angegriffen. Anfang Dezember wurden die Tore des Werks blockiert und dutzende Aktivist:innen ketteten sich an Fahrzeuge, um den Zugang zu blockieren. Hinter der Aktion steht die Gruppierung Palestine Action, die ohne juristische Prüfung im Juli 2025 als terroristische Organisation verboten wurde. Die Aktivist:innen forderten die britische Regierung in Westminster mehrfach dazu auf, den Waffenexport zu stoppen.

Auch der israelische Waffenhersteller Elbit Systems und deren Investoren sind im Visier von Palestine Action. Die Aktivist:innen ketteten sich vor dem Werk fest, bestiegen das Dach des Gebäudes, warfen Fenster ein und markierten das Werk mit roter Farbe. Ihre Aktionen konnten erwirken, dass das Unternehmen seinen Standort in Bristol in England still und leise räumte – und das, obwohl der Vertrag bis zum Jahr 2029 gültig gewesen wäre.

Shut Elbit Down
Auch in Deutschland gab es eine erfolgreiche Aktion, die sehr an die Aktion im Brunton-Werk erinnert. Am 8. September 2025 drangen fünf Aktivist:innen im Alter von 23 bis 39 Jahren in das Elbit-Systems-Werk in Ulm ein und verursachten einen Sachschaden im Wert von einer Million Euro. Nach der Aktion ließen sich die vier der Aktivist:innen mit irischer, britischer, spanischer und deutscher Staatsangehörigkeit widerstandslos festnehmen.

Das Bündnis Shut Elbit Down veranstaltete nur wenige Wochen später vom 17. bis zum 21. September das Shut-Elbit-Down-Camp, an dem zeitweise bis zu 100 Personen teilnahmen. Auf dem Aktionscamp wurden verschiedene Workshops zu Elbit Systems und den zunehmenden Repressionen gegen die Palästina-Bewegung abgehalten. Und es gab eine spontane Kundgebung vor einer Außenstelle der JVA, in welcher derzeit ein Mitglied der Aktivist:innen in U-Haft sitzt, die sich an der Aktion gegen das Elbit-Werk in Ulm beteiligt haben soll.

Die Solidaritätsarbeit mit den sogenannten Ulm 5 wurde zuletzt mittels einer Bustour praktisch gemacht: Der Bus fuhr eine Rundfahrt zu jeder JVA, in der ein Mitglied der Ulm 5 sitzt. Vor Ort wurde eine Kundgebung abgehalten, und die Gefangenen wurden gegrüßt.

Hungerstreik gegen Repressionen der Palästina-Solidarität in Großbritannien
Das Verbot von Palestine Action und die massiven Repressionen haben zur Folge, dass es in Großbritannien dieser Tage ausreicht, ein T-Shirt oder Schild zu tragen, auf dem man seine Unterstützung für die Gruppe kundtut, um eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten zu bekommen. Allein bis Ende September wurden 1.630 Personen im Zusammenhang mit Palästina-Solidarität verhaftet: Eine Zunahme von über 600 Prozent. Um gegen diese Repressionen, gegen die bestehenden Haftbedingungen und die Dauer der Untersuchungshaft zu protestieren, traten Anfang November acht Aktivist:innen in den Hungerstreik.

Vier der Aktivist:innen mussten ihren Hungerstreik mittlerweile abbrechen, einige von ihnen nach einem Krankenhausaufenthalt. Vier weitere Aktivist:innen führen ihn immer noch fort – in verschiedenen Knästen, die über das Land verteilt sind.

https://perspektive-online.net/2026/01/palaestinasolidaritaet-schottische-aktivistinnen-greifen-ruestungsfirma-an