„Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“
Hallo,
Daniela hatte ein Grußwort für die Rosa Luxemburg Konferenz (RLK) am 10.1.2026 geschrieben, welches Alex und Ariane vortragen sollten. Die Grußbotschaft ist als Brief von Daniela an Ariane geschickt worden, der dann vor dem 10.1.2026 von der Generalbundesanwaltschaft (GBA) als Beweismittel beschlagnahmt wurde. Der Staatsschutz wollte wohl verhindern, dass der Beitrag von Daniela nicht auf der RKL verlesen werden kann, nachdem ihre Grußbotschaft auf der RLK 2025 begeistert aufgenommen wurde. Jetzt endlich ist der Brief angekommen. Die Grußbotschaft veröffentlichen wir hier, ebenso wie die junge Welt auszugsweise in der Printausgabe und vollständig auf der Online-Seite vom 11. 2.2026.
Hier die aktualisierten Prozesstermine im Februar (Prozessort: Weitzmühlenerstr. 48 in Verden-Eitze):
17.2.2026 um 10 Uhr
24.2.2026 um 10 Uhr
25.2.2026 um 9 Uhr
Mit solidarischen Grüßen
Gruppe: Solidarität mit Daniela
solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de
Grußwort von Daniela Klette auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin am 10. Januar 2026
Liebe Genoss*innen.
Vor einem Jahr übermittelte Rolf Becker auf der 30. internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz mein Grußwort. Viele haben mir danach begeistert davon erzählt, wie ausdrucksvoll er das gemacht hat und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass es bei ihm in so guten Händen war. Während ich hier sitze und schreibe, habe ich in den Nachrichten gehört, dass Rolf Becker gestorben ist. Ein so großer Verlust – ein besonderer Mensch, Genosse. Dessen Leben immer mit dem Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse verbunden war. Er fehlt heute und wird doch präsent bleiben. Mein Mitgefühl gilt besonders denen, die nah mit ihm lebten, seinen Freundinnen, Genossinnen und seiner Familie.
Ich war im Februar 2024 nach 3 Jahrzehnten solidarisch erfüllten Lebens in der Illegalität festgenommen worden. Nun bin ich im 2. Jahr Gefangene in Vechta. Ein Urteil im 1. Justizverfahren soll in wenigen Monaten gegen mich gesprochen werden. Ein Ende meiner Gefangenschaft ist nicht abzusehen. An 49 Tagen wurde ich 2025 an Händen und Füßen gefesselt mit einem Polizeiaufgebot zur eigens für diesen Prozess umgebauten 3,6 Millionen Euro teuren ehemaligen Reithalle transportiert.dieser ebenfalls von einem Polizeiaufgebot belagerte Ort ist so gewählt, dass es für Prozessbeobachter
*innen eine große Herausforderung ist, ihn überhaupt zu erreichen. Ein zweifellos abschreckendes Szenario, dass dem Zweck dient, meine angebliche „Gemeingefährlichkeit“ vorzuführen, die eine Fiktion staatlicher Behörden und der bürgerlichen Medien ist. Stets wird vertont, es sei ein ganz normales Verfahren, was sich bereits durch dieses Szenario widerlegt. Es widerlegt sich auch durch das unbedingte Bemühen der Staatsanwaltschaft, trotz besseres Wissens unsere Gefährlichkeit und angebliche Gewalt- und Tötungsbereitschaft für den Raub von Geld herbei zu fabulieren.
Wenn etwa im Prozess sogar eine tragischerweise durch den Überfall retraumatisierte Zeugin das höfliche und zurückhaltende Auftreten derer, die ihr bei einem der Überfälle begegneten, betont, was in diesen Moment beruhigend auf sie wirkte, ist das nicht das, was die Staatsanwaltschaft hören will. Auch nicht, dass dieses beruhigende Verhalten durch weitere Aussagen bestätigt wird. Kein Wunder, denn ihr Ziel ist es, die Fahndungshetze gegen Burkhard und Volker weiterhin zu legitimieren sowie eine möglichst hartes Urteil mit möglich langer Haftdauer gegen mich zu erreichen. Damit folgt sie der traditionsreichen Geschichte der deutschen Justiz – wer sich nicht unterwirft und nicht verrät und nicht als gebrochener Mensch vorgeführt werden kann, wird durch staatliche Macht abgestraft.
Dieser Angriff, mit dem ich hier konfrontiert bin, ergibt sich nicht nur aus den mir vorgeworfenen Taten, sondern er richtet sich gleichzeitig auch gegen die Geschichte des fundamentalen Widerstandes in der BRD, mit der auch mein Leben verbunden ist. Diese ist Teil der Widerstandsgeschichte, in der in Jahrzehnten weltweit Menschen in unterschiedlichsten Formen und Bewegungen wegen Kapitalismus, Imperialismus und Patriarchat aufgestanden sind. Und es ist zugleich die Geschichte von Versuchen, Emanzipation und Befreiung zu erreichen, die seit Jahrhunderten existiert. In den nicht versiegenden Träumen von einer gerechten Welt, in der die Menschen einander zugewandt und mit Respekt und in Einklang mit allen anderen Lebewesen und der Natur leben und in den heutigen Versuchen, dies zu erreichen, lebt sie fort.
Die BAW (Bundesanwaltschaft) steht für den nächsten Prozess gegen mich schon in den Start- löchern.
Hierbei soll ich angeklagt werden
-1. für einen versuchten militanten Angriff am Anfang der 1990er Jahregegen die damals wohl mächtigste Bank Westeuropas
-2. wegen der Zerstörung eines Gefängnisneubaus in Weiterstadt durch die RAF 1993
-3. wegen einer bewaffneten Antikriegsaktion der RAF gegen den Irakkrieg 1991
In den beiden seit 1991 von den USA geführten Kriegen gegen den Irak und wegen der nachfolgenden Sanktionen wurden viele tausende Kinder getötet. Jahre später darauf angesprochen antwortete die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, diese Kriege seien trotzdem richtig gewesen. Kein/e Verantwortliche/r für die vielen tausenden getöteten Menschen und einem zerstörten Land und für die weitere Kette der westlichen Krieg im Nahen Osten bis hin zum heutigen Genozid in Gaza und für die durch Waffengewalt und Sanktionen verursachten Millionen von Toten verbrachte auch nur einen Tag seines/ihres Lebens in einem Gefängnis. Die mir vorgeworfenen Widerstandsaktionen richteten sich gegen wesentliche Aspekte des ganzen brutalen Irrsinns dieses Systems.
Gegen Kriege, die nur dem Profit der Wenigen dienen, gegen die Macht des Kapitals, und gegen ein Gefängnissystem, dass Arme, Aufmüpfige, Migrant*innen in Abschiebehaft, Widerständige und politische Gefangene disziplinieren, brechen und wegsperren soll. Alles, wogegen sie sich auflehnten, existiert heute heftiger fort denn je zuvor. Wenn ich nur darauf schaue, in welch rasender Geschwindigkeit sich die Einschätzungen von vor einem Jahr zu Militarisierung und Kriegsertüchtigung dem dafür auf allen Ebenen notwendigen Umbau der Metropolenesellschaften bewahrheitet haben. Diese Militarisierung bedeutet auch das Ausblenden und Verdrängung aller sozialen Belange und ökologischer Dringlichkeiten aus dem gesellschaftlichen Diskurs. Stattdessen soll Angst erzeugt werden – vor den die sozialen Systeme angeblich überfordernden Hilfesuchenden, ob Geflüchtete oder arme Menschen, die zudem meist Kriminelle oder zumindest Schmarotzer seien
- vor dem Verlust der Existenzberechtigung bei ausbleibender Steigerung der Profite der Konzerne
- vor dem angeblich kriegsdürstenden Russland und der wachsenden Stärke Chinas.
Das soll den Boden dafür bereiten, auf dem die Menschen alles akzeptieren, oder, falls nicht, mit wachsender Repression unterdrückt werden.
Davon sind derzeit in der BRD die Palästina-Solidaritätsbewegung, die antikapitalistische Antikriegsbewegung und Teile der Antifa-Bewegung besonders betroffen sind. Auch mit politischen Gefangenen solidarische Menschen werden durch die staatliche Repression angegriffen.
Die Probleme durch die Krise des westlichen kapitalistischen Systems sollen auf den unteren Teil der Gesellschaften durch Lohnabbau, Einsparungen und Beschneidung in sozialen gesundheitlichen und fürsorgenden Bereichen abgewälzt werden – trotz der Gewissheit, dass sich durch Armut, Krankheit und Verzweiflung ausbreiten werden.
Nach Außen setzt die sogenannte „Westliche Wertegemeinschaft“ auf die militärische Option zum Erhalt bzw. zur Durchsetzung von Macht. In der Perspektive dieser Politik der Macht des militärisch Stärkeren sollen Millionen zum Kanonenfutter werden und diesmal auch wieder in den westeuropäischen Kernländern, wie wir es schon aus den beiden von Deutschland begonnenen Weltkriegen wissen. Auch wenn es noch so irrational ist – die Bereitschaft, die Welt für den Profit der Wenigen in den Abgrund zu befördern, liegt in der Logik kapitalistischer Herrschaft.
„Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“
es sind Viele, die im Zusammenhang vielfältiger Widerstandsgeschichten gegen den kapitalistischen Irrsinn in den weltweiten Gefängniskomplexen eingesperrt sind. Mumia Abu Jamal, seit 44 Jahren politischer Gefangener in den USA, Ahmad Sa`adat, Gefangener aus dem palästinensischen Widerstand der PFLP in Israel, die Filton 24 – Gefangene aus der Bewegung Palestine Action in England (die zum Zeitpunkt der RLK im Hungerstreik sind), die Ulm 5, Maja, Hanna und alle anderen Antifas, Andreas Krebs und die gefangenen Gefährtinnen Marianna, Dimitra und Dimitris Chatzivasileiadis in Griechenland, die seit Jahrzehnten Gefangenen aus der Grapo/PCR in Spanien und den BR in Italien, die gefangenen Genossinnen in der Türkei, die seit Monaten gegen Isolationsfolter und Sonderhaftgefängnisse im Hungerstreik sind, die inhaftierten kurdischen Genoss*innen in den deutschen Knästen und die tausenden Gefangenen aller Kontinente, die ich hier nicht aufzählen kann. Sie alle leben inmitten dieses kapitalistischen irrsinns. Alle brauchen eine Perspektive internationaler gesellschaftlicher Befreiung und die Perspektive der Freiheit.
Solidarität gibt Kraft, diesen Irrsinn zu überleben und Gegenöffentlichkeit schützt.
Überall auf der Welt bewegt Menschen dringlicher denn je die Frage, wie die turbulent auf Zerstörung hinauslaufende Verhältnisse zu überwinden sind.
Und diese Frage bewegt auch mich.
Ich denke, dafür wird Verschiedenes wichtig sein: alles dafür zu tun, den 3. Weltkrieg und was er schon im Vorfeld mit sich bringt, zu verhindern. Weiterhin gegen den hinter einem angeblichen Waffenstillstand versteckt fortgeführten Genozid in Gaza und der schrittweisen Annektion des Westjordanlands durch Israel Widerstand zu leisten und die fortschreitende Vernichtung der ökologischen Lebensgrundlagen aufzuhalten.- Die Aggressionen und Zerstörungen zu stoppen wird uns nur in großen Bewegungen gemeinsam und internationalistisch gelingen.
Ich finde es auch wichtig, dass diejenigen, die schon lange in den Kämpfen dabei sind, die Verantwortung übernehmen, die Fragen der Jüngeren danach zu beantworten, woran es liegt, dass wir bis heute nicht durchgekommen sind …….. so klar und behutsam wie möglich herauszuarbeiten, was Fehler waren, die nicht wiederholt werden müssen und was objektive Hürden, die wir auf neu herauszufindenden Weisen überwinden müssen. Das ist selbstverständlich ein Prozess, der Zeit braucht. Und es muss auch ganz bewusst wieder um Wege menschlicher Emanzipation gehen, herauszufinden, was wir in die Welt setzen können, das über ein Leben in der kapitalistischen Gesellschaft und unter ihren Regeln hinausweist und den Glauben an die Quasi naturgegebene (oder neuerdings wieder Gott gegebene) Macht dieses Systems überwinden kann.
Danke für die Gelegenheit mit meinen Gedanken hier sein zu können, trotz meiner isolierenden Lebensbedingungen, die mich von den politischen Diskussion ausschließen sollen.
Ich bin gespannt darauf, von den internationalen Beiträgen und euren Auseinandersetzungen zu erfahren und wünsche euch interessante und produktive Diskussionen und eine gute Zeit auf der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz.
Herzliche, solidarische und kämpferische Grüße
Daniela Klette










