Türkei: Ausverkauf durch Metallgewerkschaften führt zu wilden Streiks

Türkei: Ausverkauf durch Metallgewerkschaften führt zu wilden Streiks

Mitten in der Corona-Pandemie und Wirtschaftskrise liegt die Inflationsrate in der Türkei momentan bei über 30 Prozent, am stärksten steigen die Preise für Lebensmittel und Transport. Trotzdem einigten sich drei Metallgewerkschaften mit dem türkischen Metall-Arbeitgeberverband MESS auf Lohnerhöhungen von nur 27,4 Prozent für das erste Halbjahr. Aus Wut über einen derartigen ‚Ausverkauf‘ kam es zu mehreren wilden Streiks und einer Fabrikbesetzung durch Metallarbeiter:innen.
Schon im Dezember gab es Proteste der Arbeiter:innen, als die Unternehmer:innen eine Lohnerhöhung von nur 12% angeboten hatten. Unter den beteiligten Großkonzernen befinden sich unter anderem große Automobilhersteller wie Ford, Mercedes und Tofaş (Fiat) sowie auch die deutschen Unternehmen Bosch und Siemens.

Die Gewerkschaften „Türk Metal“, „Birleşik Metal-İş“ und „Özçelik-İş“ blieben mit ihren Forderungen von 29,6 – 31% für das erste Halbjahr jedoch ebenfalls hinter der jährlichen Inflationsrate der Türkei, die laut dem türkischen Statistikamt im Dezember schon 36% erreicht hatte – laut der unabhängigen Inflationsforschungsgruppe (ENAgroup) sogar mittlerweile ganze 82%. Für die folgenden sechs Monate forderten die Gewerkschaften Lohnerhöhungen, angepasst an die Inflationsrate plus 3 – 4 %.

Während viele der 150.000 Arbeiter:innen, die von den Gewerkschaften vertreten werden sollen, schon von diesen Forderungen enttäuscht waren, trifft sie der Tarifabschluss nun wie ein Schlag ins Gesicht: 27,4% mehr Lohn in den nächsten sechs Monaten und darauf folgend eine Erhöhung, die nur der Inflationsrate entspricht. Währenddessen konnten Eisen- und Stahlunternehmen im ersten Quartal 2021 ihren Gewinn um sage und schreibe 1.158%, die Automobilhersteller um 173% steigern.

Diesen Ausverkauf nahmen viele Metallarbeiter:innen nun nicht mehr einfach so hin: In Werken des Industriekonzerns Çimsataş, in denen vor allem Vorprodukte für Maschinen und Autos produziert werden, traten vergangene Woche Hunderte in einen wilden Streik gegen den Tarifvertrag.

Sie legten ihre Arbeit nieder, besetzten die Fabrik und erklärten, dass die Gewerkschaft „Birleşik Metal-İş“ nicht hinter ihnen stehe. Daraufhin griff die Polizei die Arbeiter:innen mit Wasserwerfern an und vertrieb sie aus der Fabrik.

Aber nicht nur die Metaller:innen streiken in der Türkei: Im Dezember gingen mehr als 250.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen in den Streik gegen ihre Ausbeutung während Pandemie und Wirtschaftskrise.

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