In weniger als 24 Stunden wurde in Erfurt eine Demonstration als Antwort auf den faschistischen Schlagring-Angriff auf einen Jugendlichen organisiert. Die Gruppe Rotes Erfurt betonte, sich nicht vom Angriff einschüchtern zu lassen. Am Ende der Demonstration kam es zu Polizeigewalt.
Vergangenen Freitag wurde ein jugendlicher Antifaschist der kommunistischen Jugendgruppe Rotes Erfurt in der Landeshauptstadt Thüringens angegriffen. Darüber berichtete die Gruppe am Samstag. Demnach wurde der Jugendliche auf dem Weg aus der Straßenbahn namentlich von zwei Faschisten gerufen, bis vor seine Haustür verfolgt und anschließend mit einem Schlagring am Auge attackiert.
Die Angreifer riefen ihm „Zecke“ hinterher und drohten, dass der nächste Angriff schlimmer werden würde. Die Gruppe erklärte, beide mutmaßlichen Täter des Angriffs wiedererkannt zu haben.
Anreise aus ganz Deutschland
Als Reaktion auf den Angriff rief die Gruppe Rotes Erfurt unter dem Motto „Greift ihr einen an, antworten wir alle“ spontan am Sonntag zur Demonstration am Erfurter Hauptbahnhof auf. Etwa 200 Antifaschist:innen folgten dem Aufruf und beteiligten sich. Neben Teilnehmer:innen aus Erfurt und dem Umland, reisten auch Personen und Gruppen aus Marburg, Frankfurt (Main), Chemnitz, Leipzig, Jena, Berlin und Halle (Saale) an, um ihre Solidarität zu zeigen.
Im ersten Redebeitrag berichtete Rotes Erfurt erneut über den gezielten Angriff. Der Jugendliche liegt schwer verletzt weiterhin im Krankenhaus. Zum aktuellen Zeitpunkt ist er auf einem Auge erblindet. Die Gruppe betonte aber auch den Erfolg, in weniger als 24 Stunden gemeinsam mit anderen antifaschistischen Organisationen und Gruppen eine kämpferische Demo auf die Straße gebracht zu haben. Die Jugendlichen erklärten, sie werden sich durch den Angriff nicht einschüchtern lassen und weiter für eine besser Welt kämpfen.
Jahrestag des „Schwurs von Buchenwald“
In einem weiteren Redebeitrag erklärte etwa auch die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO), dass es eine antifaschistische Arbeit nicht nur auf der Straße, sondern auch im Kontakt mit Mitmenschen in Betrieben, in der Schule oder in den Universitäten braucht. Erst Anfang April hielt die FKO in Berlin eine spontane Demonstration für mit einer Machete angegriffene Antifaschist:innen ab.
Die sozialistische Jugendorganisation Young Struggle thematisierte die Relevanz und Aktualität des „Schwurs von Buchenwald“, der genau auf den Tag vor 81 Jahren abgehalten wurde. Er wurde im KZ Buchenwald von Überlebenden verschiedenster Nationalitäten nach dessen Befreiung 1945 verfasst. Im Schwur heißt es unter anderem „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“.
Festnahmen bei Endkundgebung
Mit Parolen wie „Hinter dem Faschismus steht das Kapital“ und „Alle zusammen gegen den Faschismus“ zog die Demonstration kämpferisch durch die Erfurter Innenstadt. Neben antifaschistischen und sozialistischen Parolen und Symbolen waren auch internationalistische Kämpfe Teil des Protests. So waren etwa auch Fahnen Palästinas oder Rojavas Teil des Demonstrationszuges. Teilnehmende riefen die Parole „Hoch die Internationale Solidarität“.
Schon während der Demonstration wurden die Antifaschist:innen eng von der Thüringer Polizei begleitet und gefilmt. Am Ende des Protestes kam es dann zu Festnahmen und Polizeigewalt. Mit der Begründung von angeblich illegaler Vermummung nahmen Polizist:innen einzelne Antifaschist:innen gewaltsam fest. Als sich Teilnehmer:innen mit den Gefangen genommenen solidarisierten, kam es zum Einsatz von Pfefferspray. Dadurch gab es einzelne Verletzte.
Die Gruppe Rotes Erfurt mobilisiert bereits für eine weitere antifaschistische Demonstration am kommenden Sonntag. Und auch darüber hinaus wird die Thüringer Landeshauptstadt in den kommenden Monaten im Fokus antifaschistischer Proteste bleiben. Anfang Juli hält die faschistische AfD ihren nächsten Parteitag in Erfurt ab. Ähnlich wie im vergangenen Jahr in Riesa und Gießen werden wieder zehntausende Antifaschist:innen bei Gegenprotesten erwartet.








