Im April wurde in Stuttgart ein Mann durch einen Messerangriff lebensgefährlich verletzt. Erst jetzt kam heraus: beide Tatverdächtige handelten wohl aus faschistischen Motiven. Antifaschistische Gruppen rufen zum Protest auf.
Ende April hat erneut ein faschistischer Angriff in Stuttgart stattgefunden: Ein 44-jähriger Mann wurde dabei von zwei Angreifern in der Mönchhaldenstraße in Stuttgart-Nord lebensgefährlich verletzt. Nur durch mehrere Notoperationen konnte der Mann überleben. Das Opfer soll von den 19 und 21 Jahre alten Angreifern explizit als Antifaschist angesprochen worden sein. Anschließend stachen die Jugendlichen mit einem Messer auf ihn ein. Einer der Angreifer soll Polizeiangaben zufolge bereits als Rechtsradikaler bekannt sein.
Die beiden Angreifer wurden während einer Fahndung direkt nach der Tat gefasst und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Doch Medienberichte über den mutmaßlichen politischen Hintergrund des Angriffs wurden erst jetzt, fast einen Monat später, veröffentlicht.
Als antifaschistische Antwort auf den Angriff und in Solidarität mit dem Betroffenen organisiert ein Bündnis antifaschistischer und revolutionärer Gruppen deshalb eine Kundgebung am Montag, den 25. Mai, um 16 Uhr am Rotebühlplatz. Teil des Bündnisses für die Kundgebung ist die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO).
Ein Sprecher erklärte gegenüber Perspektive Online: „Dieser Angriff ist kein Einzelfall. Er steht für eine Entwicklung, in der rechte Gewalt gezielt Menschen trifft, die nicht in das Weltbild von Faschisten passen oder als politische Gegner:innen wahrgenommen werden. Sie sollen diejenigen, die dagegen Widerstand leisten, einschüchtern. Der Angriff richtet sich deshalb nicht nur gegen eine einzelne Person, sondern gegen alle, die für eine solidarische Gesellschaft kämpfen. Deshalb gehen wir am Montag gemeinsam auf die Straße.“
Faschistische Angriffe in Raum Stuttgart
Faschistische Angriffe in der Region Stuttgart gab es im vergangenen Jahr mehrfach. Im September 2025 z.B. wurde eine jugendliche Person in der Stuttgarter Innenstadt angegriffen. Mit der Ansage „Bist du Antifa? – Ich bin Nazi, willst du mich nicht boxen?“ traten drei Faschisten auf die Person ein.
Ebenso soll es Berichten zufolge am Rande der DGB-Demonstration in Waiblingen zu einem rechten Angriff gekommen sein: In einer Parallelstraße zum Demozug wurde ein Teilnehmer der Demonstration zu Boden gedrückt und geschlagen. Anschließend nahm die Polizei die Personalien des Opfers auf, um ihn dann wegen Körperverletzung anzuzeigen.
Angriffe steigen bundesweit
Vermehrte Angriffe gab es in letzter Zeit jedoch nicht nur in Baden-Württemberg. Auch in Berlin kam es zu verschiedenen faschistischen Angriffen: Im Stadtteil Friedrichshain wurden im März zwei Jugendliche mit einer Machete angegriffen. Die Angreifer riefen beim Weglaufen „Sieg Heil“. Politiker:innen der SPD wurden Ende 2024 in Lichterfelde verprügelt. Auch gehen Faschist:innen organisiert gegen Antifaschist:innen vor. So wurde eine Gruppe von ihnen auf dem Weg zu einem Gegenprotest gegen die faschistische Partei III. Weg am Berliner Ostkreuz angegriffen. Mit Schlagstöcken unter Einsatz von Pfefferspray prügelten die Neonazis auf sie ein.
In Erfurt wurde ein Jugendlicher von Faschist:innen verfolgt und anschließend attackiert. Dabei wurde ihm mit einem Schlagring ins Auge geschlagen. Anschließend beleidigten sie das Opfer als „Zecke“ und drohten ihm weitere Gewalt an.
Auch alternative und antifaschistische Einrichtungen werden immer häufiger Ziel faschistischer Angriffe: In Essen versuchten sechs vermummte Personen, das soziale Zentrum Philipp Müller zu stürmen. Das Jugendzentrum Jamm in Senftenberg wurde von 30 bis 40 Faschisten mit Steinen angegriffen. Ebenfalls in Brandenburg kam es im April innerhalb von einer Woche zu einer Serie faschistischer Gewalt in Cottbus – unter anderem gegen einen Pfarrer, eine Synagoge und ein alternatives Wohnprojekt.
Umfassender Kampf gegen den Faschismus
„Wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, so die Antwort sozialistischer Jugendlicher auf den Angriff in Erfurt. Mit einer Demonstration von 200 Antifaschist:innen betonten sie ihren weiteren Kampf gegen Rechts. Auch in Berlin waren Anfang April als Reaktion auf den Macheten-Angriff im Stadtteil Friedrichshain hunderte Antifaschist:innen auf der Straße.
Für die beteiligten Organisationen der Stuttgarter Protestkundgebung steht gleichzeitig fest: Der antifaschistische Kampf wird nicht nur nach Angriffen auf sich selbst geführt. Im Zuge des Widerstands will die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen auch zum Protest gegen den parlamentarischen Arm des Faschismus, der AfD, aufrufen. Diese will Anfang Juli ihren Bundesparteitag in Erfurt abhalten. „Für uns ist klar: Zum einen gilt es, diesen Parteitag zu verhindern, und andererseits müssen wir einen konsequenten klassenkämpferischen Antifaschismus an den Unis, in Betrieben, in Schulen und in Stadtteilen organisieren“, erklärte ein Sprecher der FKO.
https://perspektive-online.net/2026/05/lebensgefaehrlicher-angriff-in-stuttgart-faschistisches-motiv-erst-wochen-spaeter-bekannt/








